Der Sieger-Begriff spiegelt wie kein anderes Wort den Zeitgeist 2004 wider: Immer montags protestierten die Deutschen, weil sie mit diesem Gesetz nicht leben wollen.

Hunderttausende bei Montagsdemonstrationen auf der Straße, erhitzte Diskussionen und Existenzangst - der Ärger hat für viele einen Namen: "Hartz IV". Das Reformprojekt für den Arbeitsmarkt, benannt nach dem Personalvorstand der Volkswagen AG Peter Hartz, Vordenker der Bundesregierung, wühlt die Menschen auf.

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Ob "Sparpaket", "Reformstau" oder "Schwarzgeldaffäre", kein anderes politisches Schlagwort fand in der Vergangenheit in einem solchen Maße Eingang in den alltäglichen Sprachgebrauch. Demonstranten, Comedians oder Medien nehmen den Begriff aufs Korn, Wortspiele und Verballhornungen sind alltäglich.

Arbeitslose, Arbeiter und Angestellte demonstrierten mit Spruchbändern wie "Hartz-Infarkt ist tödlich" oder "Nieder mit Hartz IV - das Volk sind wir" gegen die Reform. Studenten verabreden sich in Aussicht schlechter Jobchancen schon einmal für ein "Hartz- Frühstück". Es ist die Rede von "hartzlosen Bürokraten" oder "Hartz ist nur Käse" und die Berliner "tageszeitung" steigert: "Hart, Härter, Hartz".

"Hartz IV" - Das "Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt", im Juli mit Stimmen der rot-grünen Regierungskoalition und der Mehrheit der Union beschlossen, treibt im Sprachgebrauch Stilblüten von Selbstironie bis Schmährufen. Jetzt wählte die Gesellschaft für deutsche Sprache "Hartz IV" zum Wort des Jahres 2004.

Das Gesetz zur Arbeitsmarkt- und Sozialhilfereform hat die öffentliche Diskussion geprägt und sich in Wortbildungen wie "verhartzter Sommer" inzwischen verselbstständigt, heißt es in der Begründung. Es folgen mit "Parallelgesellschaften" und "Pisa- gebeutelter-Nation" zwei weitere politische Schlagwörter.

"Reform" - eigentlich ein Wort, das für Umgestaltung oder Verbesserung gesellschaftlicher Verhältnisse steht - bekam mit der Hartz-IV-Debatte ein negatives Image. Ein kalter und technokratischer Begriff, räumte Regierungssprecher Béla Anda ein. Doch auch die Umsetzung der Regelung, die am 1. Januar in Kraft tritt und mehr als zwei Millionen Haushalte betrifft, trug im Zusammenhang mit "Ein- Euro-Jobs" (Platz 7 beim Wort des Jahres 2004) oder gekürzten Leistungen zur Verärgerung bei.

Aus Protest um die künftige Anrechnung von Vermögen beim Arbeitslosengeld II füllten Demonstranten das Foyer einer Arbeitsagentur in Darmstadt mit alten Schränken oder Stühlen. Grund: Arbeitslose müssen im Hartz-IV-Antrag Wertgegegenstände wie Antiquitäten angeben. In Berlin musste Deutschlands größtes Sozialamt für fünf Wochen schließen, um die Hartz-IV-Akten zu bearbeiten. Nur für dringend Hilfesuchende gab es einen Notdienst. "Wir schließen das Amt - das hört sich jetzt hart an", räumte der Behördenchef ein.

"Aber das ist bürgerfreundlich." In allen erdenklichen Sprach-Variationen flog der Regierung der Name der Reform um die Ohren. Durch Ärger um die Leistungen und die Umsetzung sowie durch die Kürze des Begriffs war "Hartz IV" in aller Munde. "Das hängt natürlich damit zusammen, dass der Name Hartz sehr kurz ist. (...) Außerdem ist eine große Zahl von Menschen betroffen", begründeten Sprachforscher das Phänomen.

Der Träger des kurzen Namens zeigte sich über die Begriffsflut nie besonders erbaut. Über den Unterschied zwischen Sprache und Wirklichkeit sagte Peter Hartz einmal: "Nicht überall, wo Hartz draufsteht, ist auch Hartz drin." dpa

Top Ten der Worte 2004

1. Hartz IV 2. Parallelgesellschaften 3. Pisa-gebeutelte Nation 4. Gefühlte Armut 5. Ekelfernsehen 6. Praxisgebühr 7. Ein-Euro-Job 8. Aufgestellt 9. Rehakles 10. ... & Mehr.

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(dpa/AP)