Wohnhausbrand in Köln Wieder Feuer, wieder diese Angst

Asche und Blumen vor dem Wohnhaus erinnern an den fatalen Brand in Köln, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen.

(Foto: dpa)

Vermieter Yusuf Kiziltas fühlte sich mit zunehmendem Alter immer mehr als deutscher Staatsbürger - bis sein Haus in Köln abbrannte. Der Zentralrat der Muslime mahnt die Politik, die Angst der Deutschtürken vor Brandanschlägen ernster zu nehmen.

Von Bernd Dörries, Köln

Yusuf Kiziltas ist 31 Jahre alt, in Köln geboren und groß geworden. "Ich habe mich eigentlich immer mehr als Deutscher gefühlt", sagt er. Bis zum vergangenen Samstag. Es war spät am Abend, als ihn ein Nachbar anrief, um zu sagen, dass sein Haus in Flammen stehe. Viel geschlafen hat er nicht seitdem, Yusuf Kiziltas hat sich um seine Mieter gekümmert, hat ihnen Wohnungen besorgt für den Übergang. Die Nachbarn haben viel geholfen, türkische Vereine fragten an, was man tun könne, der Generalkonsul kam vorbei.

"Nur von der Seite der Deutschen hat niemand vorbeigeschaut, das fand ich schon enttäuschend." Zwei Menschen starben, 26 Bewohner wurden verletzt. Die Stadt schickte keinen Vertreter, nur eine Politesse, die nach dem Unglück ihre Knöllchen schrieb. "Das wäre in Rodenkirchen ganz anders gewesen", sagt Yusuf Kiziltas. Rodenkirchen ist sehr deutsches und reiches Köln. Höhenberg ist es eher nicht.

Dort hat sich Yusuf Kiziltas vor vier Jahren für das Haus in der Rothenburger Straße entschieden, er hielt es für eine gute Investition, fürs Alter, die Rente. Vernünftig, sehr deutsch. Am Dienstagmorgen nun steht Yusuf Kiziltas. vor seinem versiegelten Haus und kümmert sich um die Deutsch-Türkischen Beziehungen. "Ich will nicht spekulieren was die Ursache sein könnte", sagt Yusuf Kiziltas. Er habe volles Vertrauen in die deutsche Polizei und Feuerwehr. Er klingt fast wie ein Politiker.

Weil in seinem Haus viele Türken wohnten, war der Brand auch in der Türkei schnell ein Thema. Der türkische Vizeministerpräsident Bekir Bozdag sagte nach dem Brand, die deutschen Behörden machten sich lächerlich, wenn sie "fünf Minuten nach einem Feuer" die Erklärung verbreiteten, der betreffende Brand habe nichts mit Neonazis zu tun. Die Kölner Staatsanwaltschaft hingegen sagt, sie habe keine Ursache ausgeschlossen und ermittle in alle Richtungen.

Verlorenes Vetrauen in Sicherheitsbehörden

Von dem Haus in Höhenberg ist es nicht weit bis zur Keupstraße, wo der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) 2004 eine Nagelbombe gezündet hatte. Die türkischen Bewohner und Händler mussten sich danach jahrelang anhören, dass ein Drogenkrieg oder Clanstreitigkeiten das Motiv für die Tat gewesen seien.

Nach den "beschämenden und krassen Fehlern" bei den Ermittlungen zur Mordserie der rechtsextremen Terrorzelle NSU könne eine besonders akribische Spurensuche helfen, verlorenes Vertrauen in die Sicherheitsbehörden zurückzugewinnen, sagte Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime. "Deutsche Bürger mit türkischer Herkunft haben große Angst, weil in den letzten Wochen immer wieder türkische Wohnhäuser mit tödlichem Ausgang brannten oder Moscheen angegriffen wurden." Die Politik müsse die Ängste ernster nehmen.

Im März waren in Backnang eine türkischstämmige Frau und ihre sieben Kinder gestorben. In der türkischen Presse wurde danach schnell an die Brandanschläge von Mölln und Solingen erinnert.

Das türkische Innenministerium schickte vier Beobachter nach Deutschland. Sie waren wie die deutschen Ermittler der Ansicht, dass ein technischer Defekt möglich gewesen sei. Es stelle sich die Frage, warum es nur in von Türken bewohnten Häusern defekte Stecker gebe, sagte der türkische Vizepremier.

Bewohner des Hauses in Köln berichteten der Polizei davon, dass im Hausflur ein Kinderwagen gestanden und gebrannt habe. Die Leichen eines 30-jährigen Deutsch-Italieners und einer 19-jährigen Kosovarin wurden neben der Haustür gefunden. Die Frau lebte erst seit einigen Wochen im Dachgeschoss, ihr Mietvertrag sollte erst im April beginnen. Die Ermittler versuchen nun zu klären, warum die beiden so kurz vor der Haustür verbrannten. Andere Bewohner retteten sich durch Fenster im Hochparterre oder wurden von der Feuerwehr mit Drehleitern befreit. Am Dienstag beendete die Polizei die Spurensicherung, das Haus wurde wieder freigegeben.

Tagelang hatte das Haus niemand betreten können, war die Wohnungstür versiegelt. Yusuf Kiziltas hat versucht, seine Nachbarn in Hotels und Pensionen unterzubringen - was nicht klappte, weil ja alle ihre Papiere und das Geld in den Wohnungen hatten. Nur zwei Mal machte die Polizei eine Ausnahme und ließ jemanden hinein. Ein Bewohner durfte seinen Reisepass holen, weil er bald in den Urlaub fährt.

Und am Montagabend durfte Kiziltas auch selbst wieder ins Haus. Die Polizisten hatten seine Katze gehört, von der er dachte, sie wäre tot.