Die Sturmflut an der Nordsee verlief glimpflicher als befürchtet. Im Süden Deutschlands folgt jetzt der Wintereinbruch mit bis zu einem Meter Neuschnee.
Heftige Schneefälle und spiegelglatte Straßen: Der Wintereinbruch hat in der Nacht zum Samstag vor allem in Süddeutschland für Verkehrsbehinderungen und zahlreiche Unfälle gesorgt.
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Auch auf der A 20 Richtung Lübeck und Rostock kam es aufgrund von Hagel zu Glätte und vielen Unfällen. Dabei wurde ein Mensch schwer verletzt.
Die Sturmflut an der deutschen Nordseeküste verlief dagegen weitaus glimpflicher als befürchtet: Nur Helgoland meldete große Sandabbrüche.
"An unserer vorgelagerten Nachbarinsel haben wir Sandverluste von geschätzten 150.000 Kubikmetern. Auf einer Länge von 1100 Metern ist der Badestrand komplett verschwunden", sagte Bürgermeister Frank Botter.
Auch eine Schutzdüne sei zur Hälfte abgetragen worden. "Sandabbrüche in dieser Größenordnung gab es auf Helgoland zuletzt vor 31 Jahren."
Finanzieller Schaden noch nicht absehbar
Die finanziellen Folgen seien noch nicht zu beziffern. Teils erhebliche Sandabbrüche gab es auch an den Inseln Juist, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge.
"An diesen neuralgischen Punkten haben wir Dünenabbrüche erwartet", sagte Frank Thorenz vom Niedersächsischen Landesbetrieb Küstenschutz. Insgesamt hätten die Inseln der Sturmflut aber Paroli bieten können.
Bei dem heftigen Sturm peitschten die Winde über der Nordsee mit Geschwindigkeiten teils weit über 100 Stundenkilometern. Bei starken Regen wurden auf den Halligen Geschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometer registriert. Auf den Inseln und an der Küste wurden Wasserstände bis weit über zwei Meter über dem mittleren Hochwasser gemessen, in Emden, Bremerhaven, Wilhelmshaven und Hamburg sogar über drei Meter.
Fährverbindungen eingestellt
Meldungen über Verletzte gab es zunächst nicht. Die Fährverbindungen zwischen der Küste und den Inseln mussten wegen des Unwetters vorübergehend eingestellt werden. Bei schwerer See verlor ein Containerschiff auf dem Weg von Hamburg nach Le Havre (Frankreich) in der Nordsee 45 leere Container.
Fluttore und Sperrwerke wurden geschlossen, um Überschwemmungen im Hinterland zu verhindern. Im Hamburger Hafen mussten Einsatzkräfte losgerissene Kleinschiffe und Schuten sichern. In Bremerhaven versanken Autos fast in den Fluten. Binnen Minuten standen die Fahrzeuge bis zu den Außenspiegeln im Wasser.
Auch bei anderen Nordseeanrainern sorgte die Sturmflut für massive Sicherheitsvorkehrungen. Tausende Menschen im Osten Englands wurden nur knapp von schweren Überschwemmungen verschont. Die Niederlande hatten erstmals überhaupt das 1997 fertiggestellte Sturmflutwehr vor dem Rotterdamer Hafen wegen des hohen Wasserstandes geschlossen. Die beiden je 210 Meter langen Flügel des riesigen Bauwerks wurden um Mitternacht in den Schifffahrtsweg geschwenkt.
Der größte Hafen Europas in Rotterdam war nahezu dicht, vor Norwegen wurde die Ölförderung gestoppt, und in England verbrachten tausende Menschen eine Nacht in Notunterkünften.
Nach der Sturmflut folgte in Süddeutschland der Wintereinbruch. Für Schwaben und Oberbayern warnte der Wetterdienst am Samstag vor starkem Schneefall und Schneeverwehungen.
In Bayern hielt der Winter Einzug. Am Samstag schneite es auch im Flachland, teilweise sorgte starker Wind für Schneeverwehungen. Auf glatten Straßen kam es vielerorts zu Behinderungen, es ereigneten sich mehrere Unfälle. Auf einigen Strecken waren Schneeketten erforderlich.
Von wegen Wintersport
Auf der Zugspitze machten die heftigen Schneefälle den Wintersportlern zum geplanten Saisonauftakt einen Strich durch die Rechnung: Bei 70 Zentimetern Neuschnee, erheblicher Lawinengefahr, starkem Wind und schlechter Sicht konnte der Skibetrieb auf Deutschland höchstem Berg nicht starten.
Vor allem der Süden, aber auch manche Gebiete im Norden und Osten Bayerns präsentierten sich winterlich weiß. Auf den Straßen waren Räumdienste im Einsatz, mancherorts am Alpenrand wie etwa im schwäbischen Nesselwang wurden Schneefangzäune montiert.
Auch für den Sonntag erwartete der Wetterdienst Regen und Schnee. Bis zum Abend kann Tief "Urs" demnach im Westen und Süden örtlich 30 bis 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter bringen.
In den Alpen gibt es laut Wetterdienst noch größere Niederschlagsmengen. Hier sei meist mit Schnee zu rechnen. Oberhalb von 800 Metern könne sich der Schnee bereits auf einen Meter auftürmen.
"In freien Lagen kann es dazu Schneeverwehungen geben, und es besteht die Gefahr von Schneebruch", teilte die Wettervorhersagezentrale mit. Für die alpinen Landkreise gab sie Unwetterwarnungen heraus.
Am Sonntag ist es laut Vorhersage meist bedeckt und verbreitet regnet es, in höheren Lagen fällt Schnee. Im Nordosten kann es bis ins Flachland hinein schneien. Im Westen wird es mit 8 bis 11 Grad vorübergehend milder. Sonst bleibt es mit 2 bis 7 Grad nasskalt.
An der Nordsee können wieder Sturmböen auftreten. In der Nacht liegen die Tieftemperaturen zwischen 3 und minus 2 Grad. Am Montag kommt es bei wechselnder, vielfach starker Bewölkung zu Regen-, Schnee- und Graupelschauern.
In den höheren Lagen der Gebirge herrscht Dauerfrost. Teilweise kommt es zu Verkehrsbehinderungen durch Schnee und Schneeverwehungen. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 2 und 7 Grad.
Österreich wurde in der Nacht zum Samstag vom Winter heimgesucht. In Vorarlberg fiel Schnee bis in tiefe Lagen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Aus Tirol wurden bei starkem Wind bis zu 70 Zentimeter Schnee gemeldet.
Bis Sonntag soll noch einmal ein halber Meter dazu kommen. In der Steiermark wurden Spitzenwindgeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometer pro Stunde erwartet. Alle drei Bundesländer warnten vor erhöhter Lawinengefahr.
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(dpa/AP/jkr/mah)
Müll am Fluss
Schnee im November und Sturm! Nein sowas!!!