Wetterextreme Kalifornien trocknet aus

Schon das dritte Jahr in Folge verdient die Regenzeit in Kalifornien ihren Namen nicht. Besonders hart trifft das die Bauern.

(Foto: Justin Sullivan/AFP)

Staub und vertrocknete Böden statt rosafarbene Blüten: Kalifornien erlebt die schlimmste Dürre seit mehr als 100 Jahren. Die Landwirtschaft leidet besonders unter dem Wassermangel, auch die Mandelernte ist gefährdet. Doch der exzessive Mandelanbau gilt auch als Mitverursacher der Dürre.

Von Kathrin Werner

In diesen Wochen ist Kalifornien in sanftes Rosa getaucht. Es ist die Zeit der Mandelblüte. Ende Februar und Anfang März feiern die Dörfer ihre Blütenfeste, es ist eigentlich ein Höhepunkt des Jahres mit Tanz und Feuerwerk. Eigentlich. Denn die Bäumchen trocknen aus, zwischen den Mandelhainen sind Bauern mit Traktoren und schweren Schreddern unterwegs. Statt rosa Blüten gibt es mehr und mehr Staub und braune Böden. Es fehlt Wasser, um die durstigen Bäume zu bewässern. Bauern geben Teile ihrer Plantagen auf. Zum Feiern ist ihnen nicht zumute.

Kalifornien trocknet aus. Der Bundesstaat erlebt derzeit die schlimmste Dürre seit Beginn der Aufzeichnungen vor 100 Jahren. Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown hat vor wenigen Wochen den Notstand ausgerufen und eine recht düstere Prognose abgegeben: Die Regenzeit im Februar und März werde wohl wie schon in den vergangenen drei Jahren ihrem Namen nicht gerecht werden, weshalb sich die Probleme von April an noch verschlimmern könnten. Die paar Stürme der vergangenen Wochen haben kaum geholfen.

Einzelne Wetterphänomene, auch diese Dürre, können nicht zuverlässig auf den Klimawandel zurückgeführt werden. Aber es ist klar, dass dieser eine Rolle spielt bei den immer längeren, immer schlimmeren Trockenphasen. "Durch den Klimawandel werden Dürren, Lauffeuer, Stürme und Überschwemmungen dramatischer und teurer", sagt US-Präsident Barack Obama, der kürzlich nach Kalifornien geflogen ist, um mit Bauern zu sprechen. Selbst die Raumfahrtagentur Nasa springt schon bei und hilft mit Satellitenbildern, das Ausmaß der Dürre zu erfassen.

Goldene Zeiten für "Wasserhexen"

Es gibt bereits ernsthafte Folgen - und manche, die noch eher harmlos wirken: Der Flughafen in Los Angeles verweigert Saudi Arabian Airlines die traditionelle Dusche auf der Rollbahn, wenn Ende März die Verbindung zwischen der Metropole und Dubai eröffnet wird. Golfplätze sind angehalten, möglichst wenig zu bewässern. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Wünschelrutengängern, in Amerika auch "Wasserhexen" genannt. Kaliforniens größte Weinfirma Bronco Wine lässt Wasserhexen die Weingüter begehen - für 500 Dollar pro Rutengang und Erfolgsprovision.

Am härtesten trifft die Dürre die Bauern, sie verbrauchen 80 Prozent von Kaliforniens Wasser. Die Landwirtschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten dank guter Böden, sonnigem Klima und schlauer Bewässerungssysteme rasant gewachsen. In dem Bundesstaat wachsen mehr als 90 Prozent aller amerikanischen Tomaten, Erdbeeren, Brokkoli und Walnüsse. Kalifornien ist auch wichtiger Produzent von Milch und Fleisch, wofür viel Wasser verbraucht wird. Schäden durch Ernteausfälle wegen der Dürre beziffern Marktbeobachter bereits mit fünf Milliarden Dollar und fürchten steigende Lebensmittelpreise. Viele Äcker liegen brach, weil sich die Bewässerung nicht lohnt. "Wir machen uns ernsthafte Sorgen über das Ausmaß, in dem Äcker stillgelegt werden", sagt Richard Volpe vom Landwirtschaftsministerium.

Mitverursacher der Dürre: Mandeln

82 Prozent der weltweiten Mandel-Ernte kommen aus Kalifornien - noch. Der Großteil geht nach China und Indien, aber Deutschland zählt zu den fünf größten Exportmärkten. Spätestens in der nächsten Saison erwarten die Mandelbauern Ernteeinbrüche. Gleichzeitig steigt die Nachfrage, unter anderem weil Mandelmilch immer beliebter wird. Die 4,35 Milliarden Dollar schwere Industrie gilt auch als Mitverursacher der Dürre: Weil Mandeln so lukrativ sind, bauen sie die Farmer auch an Orten an, an denen sie ohne aufwändige Bewässerung gar nicht überleben könnten, quasi in der Wüste. Bauern können anders als bei Salat oder Erdbeeren beim Anbau der Mandeln nicht sehr flexibel auf trockene Zeiten reagieren, weil die Bäume über Jahre wachsen - wie Wein. Die Preise steigen bereits.

Die Pegel in den Wasser-Reservoirs sind teils auf ein Fünftel des Normalstands gesunken. Das trifft auch die vielen Hydrokraftwerke, 2013 war für sie das schlechteste Jahr seit mehr als zwei Jahrzehnten. Im Schnitt der letzten 30 Jahre produzierte Kalifornien 14 Prozent des Stromverbrauchs mit Wasserkraft, 2013 waren es nur neun Prozent. Dass es noch keine Stromausfälle gibt, liegt vor allem an neuen Wind- und Solaranlagen. Auch die Trinkwasserversorgung wird zum Problem, vor allem in kleineren Orten im Norden des Bundesstaats. Die Vorratsbecken sind so leer, dass sie anfällig für Schadstoffe werden. Ins Örtchen Willits etwa bringen die Behörden Trinkwasser per Lastwagen, weil sie den Pipelines nicht mehr trauen.

Auch die Lachszüchter und die kalifornischen Fischereibehörden arbeiten an Notfallplänen. Sie wollen Lachse in diesem Jahr per Lastwagen ins Meer bringen. Normalerweise schwimmen die Jungtiere von ihren Brutstätten flussabwärts im Sacramento River in den Pazifik, doch dieses Jahr könnte der Fluss zu flach und zu warm für sie sein. Den Züchtern ist der natürliche Weg lieber, weil die Lachse sich ihre Zuchtorte dann leichter als ihr Zuhause einprägen und problemlos drei bis vier Jahre später zum Laichen zurückkehren. Aber die Gefahr, dass sie im flachen, warmen Wasser verhungern oder zu schwach werden, ist in diesem Jahr zu hoch.