Von Stefan Ulrich

Erste Tote gibt es in Südeuropa zu beklagen: Die Hitzewelle rollt und besonders Italien ächzt.

Lucia, die Hausmeisterin, zeigt anklagend auf ihr Zimmerthermometer. Gut 30 Grad habe es in der Wohnung, "nicht auszuhalten". Draußen aber, auf den verkehrsumtosten Straßen Roms, ist es schlimmer.

Hitzewelle

Abkühlung von der Hitze suchen diese beiden Jungs in einem Brunnen. (© Foto: dpa)

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Wer aus der Tür tritt, dem fährt ein heißer, muffiger Wind ins Gesicht wie der Odem eines Höllenhundes. Der Zivilschutz hat Alarmstufe Rot ausgerufen.

Unerträglich? Eigentlich dürften sich die Römer nicht beklagen über diese ersten Hundstage des Sommers. Denn den Menschen in Süditalien heizt das Wetter noch stärker ein. Seit Montag liegen die Temperaturen dort in vielen Orten über 40 Grad, mit Spitzenwerten in Bari (45 Grad) und Catania (46 Grad).

Der "Gran caldo", die "große Hitze" dieser Tage, forderte im Mezzogiorno bereits Menschenleben. Auch in Griechenland und Rumänien gab es Hitze-Tote. Auf Sizilien brachen Waldbrände aus. In Palermo fiel am Dienstag der Strom aus.

Die italienischen Gesundheits- und Umweltbehörden warnen vor den Krankheitsrisiken durch die tropischen Temperaturen. Salmonellen, Allergien und exotische Fieber nähmen zu. Die Sterblichkeitsrate steige mit jedem Grad. Meteorologen fürchten bereits, es könnte sich der Glutsommer 2003 wiederholen, als viele ältere Menschen der Hitze erlagen.

Vier Grad wärmeres Wasser

Die Wissenschaftler bestätigen indes das Gefühl der Italiener, dass sich etwas ändert mit ihrem Klima. So hat das Land den wärmsten Winter seit 200 Jahren hinter sich.

Im April und Mai lagen die Wassertemperaturen in der Adria und im Tyrrhenischen Meer bis zu vier Grad über der Norm. Das Nationale Institut für Geophysik gab am Montag bekannt, die Durchschnittstemperatur in Mittel- und Süditalien sei im vergangenen Jahrhundert um fast ein Grad gestiegen.

Die Zahl heißer Tage habe seit 1982 um 14 Prozent zugenommen. Bis Ende dieses Jahrhunderts werde die Durchschnittstemperatur um weitere vier Grad steigen.

Die Entwicklung ist fatal für ein Land, das bereits mit Wassermangel zu kämpfen hat und stark von Tourismus und Landwirtschaft lebt. So kam nun eine Tagung von Klimaexperten im sardischen Alghero zu dem Ergebnis, mehr als die Hälfte der Fläche Italiens drohe auszutrocknen. Dabei seien nicht nur südliche Regionen betroffen. Auch zwei Drittel der Toskana liefen Gefahr zu verwüsten.

Augenfällig sind die Folgen der Klimaerwärmung im Mittelmeer. Wissenschaftler machen die höheren Temperaturen, und - in deren Folge -, veränderte Meeresströmungen, für einen Wandel der Fischwelt verantwortlich.

So setzen sich Schweinedrückerfische aus der Karibik und Große Barracudas aus dem Roten Meer im Mare Nostrum der Römer fest. Laut dem Zentralinstitut für Meeresforschung in Rom lebten im Juni 2006 etwa 110 zugewanderte Fischarten im Mittelmeer.

Mittlerweile sind es 120. Für Schnorchler mag das attraktiv sein. Doch auch sie leiden unter Giftalgen und Quallen, die sich in der Wärme gut vermehren und den hitzegeplagten Italienern die Flucht ins Wasser erschweren.

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(SZ vom 27.6.2007)