Dennoch kann Müller-Westermeier die Enttäuschung der Menschen beim Blick durch das Fenster nachvollziehen. "Es war jetzt einfach sehr lang trübe und feucht", sagt er. Im Februar und März schien die Sonne seltener als gewöhnlich, sie erreichte nur 65 und 78 Prozent ihres Stundensolls. Zudem gab es mehr Niederschläge, 115 und 140 Prozent der erwarteten Mengen.
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Speziell in Bayern gab es noch stärkere Ausschläge: Beide Monate waren kälter als im Rest Deutschlands, und im März erlaubten die Wolken zwischen Main und Alpen nur 62 Prozent der üblichen Sonnenscheindauer, dafür gab es 154 Prozent der zu erwartenden Niederschläge. "Es wurde auch deshalb nie richtig warm, weil es keine Südströmung und keinen Föhn gab", sagt Müller-Westermeier. Die Stimmung war daher "trübselig".
Neben den Millionen Frustrierten in Büros und Betrieben produziert der lange Winter aber auch echte Verlierer und Gewinner. Sehr zufrieden sind zum Beispiel die Liftbetreiber in den Skigebieten. "Absolut super", sagen sie oder "sagenhaft viel Schnee". Bis Ostern können sie gute Bedingungen für den Wintersport garantieren.
Die ganze Saison über, so erklären es nämlich die Meteorologen, hätten sich die Wolken immer wieder an den Nordrändern der Mittelgebirge und der Alpen gestaut und große Mengen Schnee fallen lassen. Allerdings fehlte auch den Bergbahnen die Sonne: "Im März fährt keiner mehr bei schlechtem Wetter", heißt es - auch nicht, wenn der Schnee bombig ist.
Weniger gut ergeht es den Bauern. An vielen Orten liegt noch Schnee auf den Feldern, wo die Landwirte jetzt düngen und bald säen wollten. Landwirtschaftsämter berichten von Verstößen gegen die Düngemittelverordnung. Diese Vorschrift verbietet es nicht nur, bis Ende Januar auf Äcker und bis Mitte Februar auf Grünland Gülle zu verspritzen. Sie untersagt es auch, danach bei gefrorenem Boden oder wenn Schnee auf der Krume liegt.
Die Pflanzenwelt hinkt hinterher
Dennoch waren in vergangenen Tagen immer wieder Bauern mit Traktor und Güllefass auf dem Acker. Sie befürchten offenbar einen Engpass. "Wenn das Wetter endlich besser wird, müssen wir alles auf einmal machen", sagte Franz Lenz vom Bayerischen Bauernverband.
Obstbauern und Gärtner hingegen sollten eher die Vorteile des so lange trüben Wetters sehen. In diesem Jahr sei die Gefahr, dass die Blüten bei plötzlichem Frost erfrieren, niedriger als sonst, sagt Christine Polte-Rudolf. Sie arbeitet als Phänologin beim Deutschen Wetterdienst, beurteilt den Fortschritt der Frühlings also nach der Entwicklung der Pflanzenwelt.
Und die ist in diesem März noch nicht so weit wie in früheren Jahren - an Bäumen, die noch nicht blühen, können auch keine Blüten erfrieren. Im Vergleich zu früheren Jahren aber sei das Pflanzenwachstum insgesamt nicht eingeschränkt, so Polte-Rudolf. Nur die Forsythien seien leicht hinter dem Plan.
Für die Menschen trübt aber neben dem Mangel an Wärme und direktem Sonnenlicht auch der Mangel an Düften und Farbflecken die Stimmung - die gelben Blüten der Forsythie könnten sie aufhellen, wenn sie sich in einem sanften Wind wiegen. Wenn in den Fernsehnachrichten beim Bericht über Präsident Obama die Kirschblüten in Washington zu sehen sind, greift der Neid nach der Seele.
Eine dringend nötige Umstellung des Hormonhaushalts kann man für die miese Laune aber kaum verantwortlich machen. Was sich bei Frühlingsanfang in den diversen Drüsen des Körpers genau tut, wissen auch die Fachleute, die Endokrinologen nicht genau. Sie weisen den Hormonen einen geringen Anteil an den Frühlingsgefühlen zu, nach denen sich viele jetzt sehnen. Die Sehnsucht richtet sich auf einen beschwingteren Rhythmus des Lebens und nährt sich im grauen Licht des Winters von der Erinnerung.
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"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 30.03.2009/bre)
Russland unter Putin
Es wird nicht wirklich wärmer werden, denn diese dämliche Ost-Wetterlage mit dem 2-wöchentlich schwappenden Hoch über dem Ost-Atlantik wird uns erhalten bleiben. An Ostern ? Wieder Schnee ....