"Wer wird Millionär?"-Kandidat Vielleicht der "Depp des Jahres"

Matthias Pohl, Kandidat in der RTL-Quizshow, darf nächsten Dienstag ein zweites Mal zu Jauch. Grund: Alle vier Antwortmöglichkeiten waren falsch. Ein Interview mit dem Brockhaus-Opfer

"Welcher Nobelpreisträger für Physik war mehrfacher Fußballnationalspieler seines Landes?" Diese Frage konnte der Münchner Journalist Matthias Pohl, 42, bei "Wer wird Millionär?" nicht beantworten. Natürlich nicht. Erstmals in der Geschichte der Sendung waren alle vier möglichen Antworten falsch, einen solchen Nobel-Kicker gibt es nicht. Jauchs Rechercheure waren einem Fehler im Brockhaus aufgesessen. Nun darf Pohl die 500.000-Euro-Frage ein zweites Mal beantworten. Die Sendung wird Dienstag aufgezeichnet und Ende des Monats ausgestrahlt.

Pohl RTL

"Diese ganze Aufregung, und wer da jetzt alles anruft. Schon ein bisschen nervig.", findet Jauch-Kandidat Pohl.

(Foto: Foto: RTL)

SZ: Menschenskind Herr Pohl, Sie kommen ja ganz groß raus!

Pohl: Ähm, ja. Aber das muss auch wirklich kein Dauerzustand sein. Diese ganze Aufregung, und wer da jetzt alles anruft. Schon ein bisschen nervig.

SZ: Hat sich der Brockhaus schon gemeldet?

Pohl: Der Brockhaus hat angerufen und mir die neue 30-bändige Ausgabe versprochen.

SZ: Ihr Auftritt war ja nicht unbedingt Werbung für die Herrschaften.

Pohl: Die haben ja selber gesagt, die Sache sei ihnen peinlich. Ich werde jetzt auch ständig gefragt, ob ich sauer sei auf RTL. Überhaupt nicht. Ich bin ja selber Journalist und weiß, dass man sich auf Quellen verlässt. Wenn die mal falsch sind, ist es ärgerlich, aber bei den zigtausend Fragen, die sie dort ausarbeiten, auch nicht verwunderlich.

SZ: Konnten Sie mit der Frage denn generell was anfangen?

Pohl: Ich kenn' mich eigentlich im Fußball ganz gut aus, aber diese Frage sagte mir überhaupt nichts. Da hätte auch ein Joker nicht weitergeholfen.

SZ: Nach der Sendung hatten Sie 125 000 Euro in der Tasche. Jetzt gibt es ja die Möglichkeit, dass Sie die neue 500 000-Euro-Frage falsch beantworten und mit 16 000 Euro dastehen...

Pohl: Dann bin ich der Depp des Jahres und werd' von Günther Jauch nochmal in seine "Menschen"-Sendung eingeladen.

SZ: Eine quälende Vorstellung.

Pohl: Das ist wirklich albtraumartig. Deshalb konnte ich mich auch nicht spontan entscheiden, da nochmal hinzugehen. Ich habe sogar ernsthaft überlegt, es nicht zu tun. Das ist schon eine enorme Anspannung, unter der man als Kandidat bei Jauch steht. Ich war bei der ersten Sendung ziemlich im Tunnel. Und jetzt auch noch die ganze Öffentlichkeit, die da dazugekommen ist...

SZ: Haben Sie sich eine Strategie zurechtgelegt für Ihren zweiten 500.000-Euro-Auftritt?

Pohl: Nee, ich kann da nicht viel machen. Ich muss auch arbeiten bis dahin. Die Zeit, den 30-bändigen Brockhaus nochmal durchzulesen, hab' ich jedenfalls nicht.

Interview: Tanja Rest