Weltrekord in Ostfriesland Der schiefste Turm der Welt

Pisa bekommt Konkurrenz: Der Kirchturm im ostfriesischen Suurhusen ist der weltschiefste Turm.

Was die Ostfriesen schon lange wussten, ist nun offiziell bestätigt: Der Kirchturm in Suurhusen bei Emden ist der schiefste Turm der Welt, denn er neigt sich deutlich stärker als etwa derjenige im italienischen Pisa.

Schiefster Turm der Welt; Ostfriesland; AFP

Mit einer Überhangmarke von 2,43 Metern steht der schiefste Kirchturm der Welt in Suurhusen im Landkreis Aurich.

(Foto: Foto: AFP)

Bei einer Feierstunde in der Kirche überreichte die Redaktion des Guinness-Buchs anlässlich des Weltrekordtags die Urkunde an die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Suurhusen-Marienwehr. "Wir haben es ja schon immer behauptet, aber jetzt ist es offiziell", sagte Pastor Frank Wessels. "Es ist toll, dass unsere Bemühungen zum Erfolg geführt haben." Nach seinen Angaben ist der 27 Meter hohe Turm um 2,47 Meter geneigt.

Das bedeute einen Neigungswinkel von 5,19 Grad - im Vergleich mit einem Winkel von nur 3,97 Grad, mit dem der berühmte schiefe Turm von Pisa laut Guinness-Buch der Rekorde aufwartet. Die Kirche im 1200-Einwohner-Dorf Suurhusen stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der Turm wurde jedoch erst im Jahr 1450 auf einem Fundament aus Eichenstämmen angebaut.

Diese sind laut Kirchenführer Tjabbo van Lessen für die Neigung des Bauwerks verantwortlich: Jahrhundertelang hätten sie im Wasser gelegen und seien konserviert gewesen. Als im 19. Jahrhundert aber die umlegenden Ländereien entwässert wurden, seien die Balken "trocken gefallen" und hätten zu modern begonnen.

Wegen drohender Einsturzgefahr sei das Betreten des Kirchturms 1975 bis auf Weiteres verboten worden, berichtete van Lessen. Erst eine nachträgliche Verstärkung des Fundaments durch Pfähle habe das Bauwerk sichern können. 1985 sei die Kirche wieder zur Nutzung freigegeben worden.

Pastor Wessels verspricht sich von dem Weltrekord, dass mehr Gäste seine Kirche besuchen - als Bauwerk und als Gotteshaus. Zudem hege er die Hoffnung, "dass die öffentliche Hand sich ihrer Verantwortung bewusst wird, dieses ostfriesische Wahrzeichen zu erhalten". Denn auch im Kirchenschiff gebe es mit Rissen und Löchern bauliche Mängel.