Weihnachtliche Lichtverschmutzung Den Augen kein Wohlgefallen

In Großbritannien wird ein Gesetz diskutiert, das störende Helligkeit zu einem Vergehen machen würde. So eine Regelung ist auch bei uns längst überfällig - gerade für die Weihnachtzeit.

Von Von Markus C. Schulte v. Drach

Es weihnachtet sehr - und lange bevor der erste Schnee liegt, glitzern schon allüberall Lichtlein. Glitzern? Nein! Es strahlt, scheint, blinkt, blitzt, grellt, schreit, in den Schaufenstern der Fußgängerzonen, den Vorgärten, Fenstern allüberall, es brüllt geradezu und brennt sich durch die Sehzentren des Gehirns.

Die Schändung mit dem Klaus

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Und das nicht nur in gelb, der herzerwärmenden Farbe des Feuers oder im romantischen Mondlicht-Weiß. Nein, es flackert in Rot, Grün und Blau.

BLAU!

Gefrorenes Licht hängt in den Bäumen - als wenn es nicht schon so kalt genug wäre in dieser Jahreszeit. So kalt, dass man schon wieder hier und da erfrorene Weihnachtsmänner sehen kann, die an Fenstersimsen und Balkonen hängen.

In Großbritannien können sich die Bürger in Zukunft möglicherweise mit einer Beschwerde gegen solche Auswüchse wehren. Derzeit berät das Parlament in London über ein Gesetz, das "Lichtverschmutzung" zu einem Vergehen machen würde. Ist die Beleuchtung des Nachbarn zu hell, kann man sich beschweren. Und Astronomen, so meldet die Nachrichtenagentur AP, könnten dann gegen Fabriken oder ganze Städte vorgehen, deren Beleuchtung die Sicht auf die Sterne beeinträchtigt.

Wie wir hören, gibt es solche Regelungen sogar schon: So schützen sich die Bewohner der Lombardei in Italien und im spanischen Katalonien so gegen die unangenehme Helligkeits-Belästigung - und auch in den USA können die Bürger in einigen Bundesstaaten per Gesetz gegen Lichtverschmutzung vorgehen.

Man kann den Briten nur die Daumen drücken, dass ihre Regierung helle genug ist, ein solches Gesetz zu beschließen. Vielleicht hätte das auch Vorbildfunktion für Deutschland.

Dann würde hoffentlich eine Klageflut die Innenstadt-Geschäfte und die Vorgärten und die Fenster der Lichtsüchtigen überschwemmen, alle Lichterketten mit mehr als einer Farbe mitreißen, blauweißrote Tannenbaum-Silhouetten zu Treibholz machen und alle noch kletternden Weihnachtsmänner ertränken.

Und bald wäre Frieden auf Erden und den Augen ein Wohlgefallen.

Doch noch ist es nicht so weit. Deshalb wird jetzt aufgerüstet. Die Flutlicht-Scheinwerfer sind bestellt, mit denen ich unseren Nachbarn die Schlafzimmer ausleuchten werde - bekränzt mit Tannenzweigen und einem Engelchen-Schnittmuster vor der Glühbirne. Sie werden denken, sie bekämen Besuch von Erz-Engel Gabriel, der ihnen persönlich die Frohe Botschaft verkünden wird. Wenn da keine weihnachtliche Stimmung aufkommt!