Wegen überfüllter Zellen Norwegen mietet Gefängnis in den Niederlanden

  • 242 norwegischen Häftlinge könnten bereits im September umziehen: Wegen überfüllter Gefängnisse plant Norwegen, in den Niederlanden Gefängniszellen für seine Häftlinge anzumieten.
  • Nicht alle halten das Abkommen für eine gute Idee: Niederländische Häftlinge protestieren, weil sie ihre Zellen nicht für die Norweger räumen wollen. Angehörige der Häftlinge halten die Verlegung für problematisch.

25 Millionen Euro Zellenmiete

Ausgetauscht wird international allerlei: Schüler, Gedanken, Küsse. Was bisher nicht so häufig ausgetauscht wurde: Häftlinge.

Das soll sich jetzt ändern. Norwegen und die Niederlande haben ein ungewöhnliches Abkommen über die Vermietung von Gefängniszellen geschlossen, mit dem Oslo die Lage in seinen überfüllten Gefängnissen in den Griff bekommen will. Dazu haben der niederländische Staatssekretär Fred Teeven und der norwegische Justizminister Anders Anundsen am Montag ein Abkommen unterzeichnet. Es muss nun noch von den Parlamenten beider Länder gebilligt werden.

Bei einer Zustimmung könnten die ersten 242 norwegischen Häftlinge von September an ins Gefängnis Norgerhaven bei Assen im Norden der Niederlande gebracht werden. Insgesamt 25 Millionen Euro soll die Zellenmiete kosten.

Niederländische Häftlinge beschweren sich

Doch mindestens 17 niederländische Langzeit-Häftlinge sind sauer. Sie gehen Medienberichten zufolge gegen das Abkommen vor. Der Grund: Die Häftlinge wollen nicht umziehen. Geplant ist, dass sie das komplette Gefängnis für die norwegischen Kollegen räumen sollen. "Sie wollen aber nicht von einem Ort zu einem anderen gebracht werden", sagte die Anwältin der Häftlinge.

Der Unmut über einen möglichen Umzug könnte aber auch noch andere Gründe haben: Die Gefangenen in Norgerhaven genießen den Berichten zufolge zahlreiche Privilegien. So dürfen sie selbst Gemüse anbauen, die Anstrichfarbe einer Zellenwand aussuchen, können täglich aus zahlreichen Sportangeboten und 55 TV-Programmen wählen.

Widerstand auch in Norwegen

Auch in Norwegen regt sich Widerstand gegen die geplante Verlegung: Zwar wiesen die norwegischen Behörden darauf hin, dass die Entfernung - von Oslo bis Assen sind es etwa 1100 Kilometer - für Angehörige aus Oslo zu Haftanstalten im Norden Norwegens weiter sei als in die Niederlande.

Dagegen argumentierte Hanne Hamsund, Chefin einer norwegischen Organisation von Angehörigen Gefangener, dass das Abkommen grundlegende Rechte wie das Recht auf Nähe zur Familie verletze. "Nicht jeder lebt in Oslo", sagte Hamsund. Gefangene mit Kindern sollen allerdings nicht in die Niederlande verlegt werden.