Albtraum in der Rushhour: Eine vollbesetzte U-Bahn raste in Washington in einen wartenden Zug. Beim schwersten Metro-Unfall in der Geschichte der US-Hauptstadt wurden neun Menschen getötet, knapp 80 sind verletzt.

Beim schwersten U-Bahn-Unfall in der Geschichte der US-Hauptstadt Washington sind neun Menschen getötet und 76 verletzt worden. Aus noch ungeklärter Ursache war mitten im Berufsverkehr am Montagnachmittag eine vollbesetzte U-Bahn der "Roten Linie" in einen anderen, vor einem U-Bahnhof wartenden Zug gerast.

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Den Helfern bot sich an der Unglücksstelle ein Bild der Verwüstung. (© Foto: Reuters)

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Jeder der beiden Züge in Richtung Innenstadt hatte sechs Wagen mit Platz für jeweils 1200 Fahrgäste. Ein Teil der Wagen wurde von der Wucht der Kollision aufgerissen, Sitze wurden auf die Gleise geschleudert. Zwischen den Bahnhöfen Fort Totten und Takoma im Nordosten der Stadt bot sich den Rettungskräften ein Bild der Verwüstung.

Mehr als ein Dutzend der in die Krankenhäuser eingelieferten Menschen seien schwer verletzt, berichtete Feuerwehrchef Dennis Rubin am Montagabend im US-Sender ABC.

Die Züge kollidierten den Angaben zufolge kurz nach 17 Uhr Ortszeit an der Grenze der US-Hauptstadt zum Bundesstaat Maryland nahe des Vororts Takoma Park. Die Bahnen fahren hier oberirdisch. Das von einem zentralen Computer kontrollierte Metro-System schließe die Möglichkeit eines solchen Unfalls eigentlich aus, berichtete der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Verkehrsexperten der Stadt.

"Großer Knall"

Rettungsmannschaften mussten nach dem Unfall mit Schneidbrennern Passagiere befreien, die in den ineinander verkeilten und aufgeschlitzten U-Bahnwagen eingeschlossen waren. Eine der Toten ist einem Bericht des Senders Fox zufolge die Zugführerin des Zuges, der auf den anderen aufgefahren war. "Die Menschen in dem letzten Wagen schlugen gegen die Fenster und konnten erst nicht heraus", schilderte der Augenzeuge Jervis Byrant dem Sender Fox das Geschehen kurz nach dem Unfall.

Die Krankenschwester Jodie Wickett sagte dem Fernsehsender CNN, sie habe zum Zeitpunkt des Unglücks gerade eine SMS geschrieben. "Es geschah so schnell, ich flog aus dem Sitz und schlug mir den Kopf an." Dann sei sie vor Ort geblieben und habe versucht zu helfen. Viele Fahrgäste seien in sehr schlechter Verfassung. "Viele Leute waren aufgeregt und weinten."

Andere Zeugen berichteten von einem "großen Knall", den man bei dem Zusammenstoß noch viele Straßenzüge weiter habe hören können.

Mehr als 200 Rettungskräfte waren nach Angaben des Senders ABC im Einsatz. Der Pendlerverkehr in die US-Hauptstadt, in die täglich Hunderttausende zur Arbeit fahren, war nach dem Unfall für Stunden schwer gestört.

Barack Obama spricht sein Mitgefühl aus

US-Präsident Barack Obama sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus und dankte den Einsatzkräften. Mitarbeiter des Weißen Hauses seien in Verbindung mit dem Büro von Bürgermeister Adrian Fenty, um sich über die Situation zu unterrichten, erklärte die Regierung.

Die Verkehrssicherheitsbehörde NTSB leitete Ermittlungen zur Ursache des Unglücks ein. Metro-Chef John Catoe sagte, der erste Zug habe auf den Gleisen darauf gewartet, dass ein vor ihm eingesetzter Zug den Bahnhof verlasse. Dann fuhr plötzlich der zweite Zug von hinten auf. Dabei handelt es sich um einen der ältesten Züge der Washingtoner Metro.

Bisher gab es nur einmal ein Unglück mit Todesfolge unter Passagieren in der 33-jährigen Geschichte der U-Bahn von Washington. Dabei kamen am 13. Januar 1982 drei Menschen ums Leben, als eine U-Bahn in einer Tunnelröhre entgleiste.

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(AP/dpa/ihe/segi)