Warum die griechische Rechtsordnung Brandstiftungen eher begünstigt. Ein Gespräch mit einem WWF-Vertreter.

Konstantinos Liarikos arbeitet beim World Wildlife Fund Athen. Der griechische WWF ist eine der wenigen Organisationen im Land, die schon seit Jahren die jeden Sommer wiederkehrenden Waldbrände studiert und beharrlich einen Politikwechsel fordert.

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Es hagelt Kritik am Krisenmanagement der griechischen Regierung. Sie habe aus den verheerenden Bränden im Jahr 2007 nichts gelernt, wirft ihr unter anderem der WWF vor. (© Foto: dpa)

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SZ: Herr Liarikos, hat Sie die Katastrophe in diesem Jahr überrascht?

Liarikos: Nein, unglücklicherweise kein bisschen. Das Waldschutzsystem in Griechenland ist extrem schwach. Das haben wir 2007 gesehen - und seitdem ist nichts geschehen, was die Lage verbessert hätte. Die Regierung hat die Hände in den Schoß gelegt. Das war eine Katastrophe mit Ankündigung.

SZ: Warum war die Regierung untätig?

Liarikos: Es ist ja nicht nur diese Regierung. Das betrifft alle früheren Regierungen ebenso. Sie alle hatten nie ein wirkliches Interesse am Schutz der Wälder. Der Punkt ist doch, dass man bei der Bewirtschaftung der Wälder ansetzen muss, dass man sie vorbereiten muss, dazu gehören Brandschutzschneisen ebenso wie das Ausräumen des Unterholzes oder das Anlegen von Forstwegen. Es darf eben nicht sein, dass man einfach dasitzt und darauf wartet, dass das Feuer ausbricht.

SZ: Aber 2007 war ein Schock für Griechenland, es gab große Versprechen, alle dachten, ein ‚Weiter-so‘ sei unmöglich.

Liarikos: Stimmt, es gab Versprechen, leider wurde kein einziges eingelöst. Wir vom WWF haben Studien vorgelegt, es kamen Experten aus dem Ausland angereist und haben Vorschläge gemacht - ohne Resultat. Noch immer gehen Hunderte Millionen Euro in die Feuerbekämpfung und nur 16 Millionen in die Prävention. Das Geld geht nicht in die Lösung des Problems, sondern in Hubschrauber und Löschflugzeuge - alles, was im Fernsehen gut aussieht.

SZ: Manche Kommentatoren in Ihrem Land geben auch der griechischen Öffentlichkeit eine Mitschuld: Die Griechen seien oft zu gleichgültig und mauschelten bei der viel beklagten Vetternwirtschaft selbst mit.

Liarikos: Ich finde, die Leute merken mehr und mehr, wo die Probleme wirklich liegen. Aber man muss auch die Öffentlichkeit so weit bringen, dass sie versteht: Flugzeuge allein nützen nicht viel.

SZ: Was muss getan werden?

Liarikos: Zu allererst muss sich die Gesetzgebung ändern. Wir haben ja nicht einmal ein Waldkataster, das ist ein großes Manko und der wahre Grund hinter vielen Brandstiftungen: Die Leute können nach einem Brand das Nutzungsrecht ändern lassen und auf abgebranntem Waldgebiet bauen. Es gibt Brandflächen, die mittlerweile für die Landwirtschaft genutzt werden, anderswo weisen die Gemeinden in ehemals geschützten Gebieten Tourismuszonen aus.

SZ: Alle Mittelmeerländer haben im Sommer ein Waldbrandproblem. Ist es in Griechenland schlimmer?

Liarikos: Mein Eindruck, zumindest was die Behörden angeht: Ja.

SZ: Ist es frustrierend zu sehen, wie wenig Ihre Warnungen gehört wurden?

Liarikos: Sehr frustrierend. Wir sind enttäuscht. 2007 war der Schock so groß. Es gab diesen Hoffnungsschimmer. Alle dachten, jetzt muss doch etwas passieren. Tat es aber nicht.

SZ: Wie groß muss der Schock denn sein, dass Griechenland aufwacht?

Liarikos: Ein größerer als 2007 ist eigentlich nicht vorstellbar.

Interview: Kai Strittmatter

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(SZ vom 25.08.2009/abis)