Von Von Melanie Zerahn

Seit zwölf Jahren wandert ein Wal mit ungewöhnlicher Stimme durch den Pazifik. Der Einzelgänger singt auf einer Frequenz, die kein anderer Wal nutzt und hört sich dabei an wie eine Tuba. Noch immer wartet er auf eine Antwort.

Auf den Einzelgänger wurden Forscher 1992 aufmerksam, als sie Tonaufnahmen der US-Navy analysierten. Seine Besonderheit: Er singt tiefer als die Vertreter aller bekannten Wal-Arten. Und auch seine Wanderwege weichen von den üblichen Mustern ab.

Wal, AP

Trotz seiner Einsamkeit erfreut sich der Wal bester Gesundheit. (© Foto: AP)

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Der im September verstorbene Tierstimmenforscher William Watkins beschrieb die Rufe erstmals im Jahr 2000. Seither wurden verschiedene Theorien über den einsamen Wal aufgestellt.

So wird vermutet, es könnte sich um einen so genannten Hybriden, einen Nachkommen zweier Wal-Arten, handeln. Andere Wissenschaftler halten es für möglich, dass das Tier unter Missbildungen leidet oder taub ist.

Keiner bekannten Spezies zuzuordnen

Die Meeresbiologin Mary Ann Daher von der Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts und ihre Kollegen untersuchten die Signale des einsamen Wales genauer.

Sie stellten fest, dass der Meeressäuger jeden Herbst und Winter den Ozean durchquert und auf einer Frequenz von 52 Hertz singt. Antworten auf seine Rufe wurden bislang nicht aufgezeichnet.

Seine Gesänge lassen sich keiner der bekannten Spezies zuordnen, obwohl sie darauf deuten, dass das Tier zu den so genannten Bartenwalen gehört - einer Gruppe, die Blau-, Finn- und Buckelwale umfasst. Es handele sich nicht um das Exemplar einer noch unbekannten Wal-Art, erklärte Daher dem Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Blauwale singen typischerweise bei Frequenzen zwischen 15 und 20 Hertz. Manchmal verwenden sie auch höhere Frequenzen, aber nicht 52 Hertz, erklärt die Forscherin. Finnwale erzeugen dagegen Geräusche um die 20 Hertz, während Buckelwale viel höhere Frequenzen verwenden.

Die Lautäußerungen des Einzelgängers liegen jedoch leicht über dem tiefsten Ton einer Tuba. Die Forscher nennen das Tier deshalb den "52-Hertz-Wal".

Allerdings hat die Frequenz in den vergangenen Jahren abgenommen, die Stimmlage wurde tiefer. Die Forscher vermuten, dass diese Veränderungen Anzeichen für ein Älterwerden des Tieres sind.

Die Nachricht, dass der Einzelgänger bislang ohne Antwort im Ozean unterwegs ist, löste eine Welle der Anteilnahme aus: So schrieben viele taube Menschen an das Team um Forscherin Daher und fragten, ob der Meeressäuger wohl ihre Behinderung teile.

Abgesehen von einer möglichen Taubheit erfreut sich der Wal jedoch offenbar bester Gesundheit. "Die Tatsache, dass dieses Individuum seit mindestens zwölf Jahren in dieser rauen Umgebung lebt, deutet darauf, dass mit dem Tier alles in Ordnung ist", sagte Kate Stafford vom US-amerikanischen National Marine Mammal Laboratory in Seattle der New York Times. Das Tier leide höchstens an Einsamkeit.

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(sueddeutsche.de)