Vulkan-Wolke über Europa Chaosbringer in Aschgrau

In der Luft geht nichts mehr - und auf den Gleisen auch nicht: Frankreich steckt im totalen Verkehrschaos. Die Briten nehmen die isländische Aschewolke gelassen - und bleiben einfach zuhause.

Am zweiten Tag in Folge stürzt das gewaltige Wolkengebilde, das der isländische Eyjafjalla-Vulkan in den Himmel katapultiert hat, Europa ins Chaos: Nach Angaben der europäischen Flugsicherheitsbehörde müssen am Freitag 60 Prozent aller Flüge in Europa ausfallen. Eurocontrol rechnet für Freitag mit 11.000 Flügen im europäischen Luftraum - normal sind 28.000 Flüge. Bei den transatlantischen Verbindungen werde es nur 100 bis 120 statt der üblichen 300 Flüge geben.

Die Wolke werde mindestens noch für die nächsten 24 Stunden den Flugverkehr lähmen, teilte die Behörde in Brüssel mit.

Chaos in Frankreich

Besonders hart trifft es Deutschlands westlichen Nachbar: Auf 25 französischen Flughäfen durften am Freitag keine Flugzeuge mehr starten oder landen - auch die beiden Großflughäfen von Paris, Roissy und Orly, sind gesperrt. Die Flüge sollten frühestens um 14 Uhr wieder aufgenommen werden, teilten die Behörden mit. Zahlreiche Passagiere sitzen seit Donnerstagabend auf den französischen Airports fest.

Die Aschewolke zieht zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt über Frankreich hinweg: Weil die Staatsbahn SNCF seit mittlerweile zehn Tagen streikt, ist es für gestrandete Flugreisende nicht problemlos möglich, auf die Bahn auszuweichen. Und das allgemeine Verkehrschaos wird sich vermutlich weiter verschärfen: Das Wochenende bringt dichten Ferienverkehr - in einem Teil des Landes beginnen die Frühlingsferien, in einem anderen enden sie.

Auch in Großbritannien, wo bereits gestern Europas größter Flughafen und internationaler Verkehrsknotenpunkt London-Heathrow geschlossen werden musste, bleibt die Lage angespannt: Der Flugverkehr über der britischen Insel bleibt wegen der isländischen Lavaaschewolke bis mindestens zwei Uhr deutscher Zeit am Samstagmorgen stillgelegt. Nur wenige Flugzeuge dürften starten und landen, gab die britische Flugüberwachung NATS bekannt. Seit Donnerstag war die Sperrung immer wieder verlängert worden.

Am Freitag herrschte auf dem Londoner Großflughafen Heathrow - einem der wichtigsten Drehkreuze der Welt - gespenstische Stille. Fast alle Passagiere hätten sich an die Empfehlung der Fluggesellschaften gehalten, bis auf weiteres zu Hause zu bleiben, da die Maschinen ohnehin nicht starten und landen können, sagte ein Flughafensprecher.

Quelle: Eumetsat

Teilweise Entspannung

Einzig der Westen Irlands hatte Positives zu vermelden: Die irische Flugbehörde teilte mit, die Sperrung der Airports Shannon und Cork sei aufgehoben, weil sich die Aschewolke in Richtung Osten und Süden bewege. Der Flughafen in Dublin bleibt jedoch vorerst gesperrt.

Der Himmel über Skandinavien ist nur teilweise wieder für den Flugverkehr freigegeben: In Schweden und Norwegen wurden die Flugverbote teilweise aufgehoben. In Finnland und Dänemark blieben die Flughäfen allerdings gesperrt. Dadurch drohten auch die Feiern zum 70. Geburtstag der dänischen Königin Margrethe gestört zu werden: Mehrere Gäste konnten wegen der gestrichenen Flüge nicht zu einer Gala am Donnerstagabend im königlichen Theater in Kopenhagen kommen.

Die massiven Behinderungen im internationalen Luftverkehr führten auch in Polen zu Besorgnis, wo am Wochenende zahlreiche ausländische Delegationen zur Beerdigung des bei einem Flugzeugabsturz getöteten Präsidenten Lech Kaczynski erwartet werden.

Größtenteils gesperrt sind weiterhin die Lufträume über Belgien und den Niederlanden. Auch über dem Baltikum, Polen und Tschechien herrscht ´weiterhin ein weitgehendes Flugverbot. Die österreichische Flugsicherung kündigte an, den Luftraum ab dem Nachmittag schrittweise zu schließen. Der Flughafen Moskau bereitete sich ebenfalls auf eine Schließung vor.