ARD-Star Kachelmann in Not. Die Staatsanwaltschaft Mannheim klagt ihn an - wegen des Verdachts auf Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall.

Die letzten großen Fälle der Staatsanwaltschaft Mannheim hatten mit Schrotthandel und Tankstellenraub zu tun: Einmal hatten Unternehmer Steuern hinterzogen, das andere Mal waren zwei Auszubildende kriminell geworden.

Wettermoderator Jörg Kachelmann, ddp Bild vergrößern

Wettermoderator Jörg Kachelmann sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. (© Foto: ddp)

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Jene Sache aber, die die Behörde am Mittwoch ins Rollen brachte, ist von anderer Kategorie. Überregionales Interesse war dabei von Anfang an garantiert.

"Anklage gegen Moderator Jörg Kachelmann" stand da über einer Pressemitteilung. Es folgten Details aus der Nacht des 9. Februars, die gut zu einem Kriminalfilm der ARD passen könnten - jenem Programm, in dem der Angeklagte seit vielen Jahren den freundlichen Wettermann gibt, immer vor der Tagesschau und nach den Tagesthemen.

Der Quotenbringer ein Sexualtäter?

Jörg Kachelmann, der Schweizer Stammgast in deutschen Wohnzimmern, oft bärtig und immer locker, womöglich eine Gefahr für Frauen? Der Quotenbringer ein Sexualtäter? Die Deutschen gruselt es bei dieser Vorstellung.

Tatsache ist, dass dem TV-Star ein Prozess wegen Vergewaltigung einer früheren Lebensgefährtin droht. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat Anklage wegen des Verdachts auf Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall erhoben - "in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung".

Kachelmann wird verdächtigt, Anfang Februar seine langjährige Freundin nach einem Beziehungsstreit gewaltsam zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben. Die Frau aus Schwetzingen, eine 36-jährige Radio-Moderatorin, erstattete Anzeige. Vergewaltigung kann mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden. Kachelmann drohen - sollte das Gericht der Anklage folgen - mindestens fünf Jahre Haft.

Während Kachelmann die Tat immer wieder bestritt, musste die frühere Freundin nach Spiegel-Informationen einen Teil ihrer Anschuldigungen wieder zurücknehmen. Den Vorwurf der Vergewaltigung hielt sie aber aufrecht. Wenige Tage, nachdem diese Teilkorrektur bekannt wurde, legte die Justiz los.

Weiter in Haft

Die Staatsanwaltschaft stützt ihre jetzige Anklage nicht nur auf die Aussagen der ehemaligen Partnerin - sondern auch "auf die Ergebnisse kriminaltechnischer sowie rechtsmedizinischer Untersuchungen", wie es in ihrer Pressemitteilung heißt.

Das Landgericht Mannheim muss nun über die Zulässigkeit der Anklage entscheiden - und darüber, ob ein Hauptverfahren eröffnet wird.

Mit der Anklageerhebung am Landgericht Mannheim hat die Staatsanwaltschaft zugleich beantragt, die Untersuchungshaft fortdauern zu lassen. Wann das Gericht entscheidet, ist nach Angaben einer Sprecherin derzeit nicht abzusehen.

Kachelmanns Anwalt Birkenstock hatte Anfang Mai eine Aufhebung des Haftbefehls und, falls dies erfolglos sein sollte, vorsorglich eine mündliche Haftprüfung beantragt. Eine Entscheidung darüber vertagte der Haftrichter jedoch. Der für den 1. Juni vom Amtsgericht Mannheim angesetzte Haftprüfungstermin entfällt mit der Anklageerhebung.

Schon die Verhaftung war spektakulär gewesen. Der ARD-Moderator war auf dem Rückweg von den Olympischen Spielen im kanadischen Vancouver auf dem Frankfurter Flughafen arretiert worden. Offenbar war der Zugriff von langer Hand geplant gewesen. Eine "Soko Flughafen" hat die Aktion drei Wochen lang vorbereitet, um möglichst wenig Aufsehen zu erregen.

Und dann änderte sich Kachelmanns Leben schlagartig. Seit dem 20. März sitzt der 51-Jährige in Mannheim in Untersuchungshaft.

Kachelmanns Lieben, ein Boulevardthema

Der Fall hat in den Medien erneut eine Diskussion um Vorverurteilungen von Prominenten und um die Öffentlichkeitsarbeit von Gerichten und Staatsanwaltschaften entfacht. Eine Frage ist: Sind Details aus dem Ermittlungsverfahren, sind Nennungen möglicher Beweise durch das Persönlichkeitsrecht des Verdächtigten geschützt?

Auch das Tabuthema von Misshandlungen und Vergewaltigungen in Beziehungen geriet ins öffentliche Bewusstsein.

Seit seiner Festnahme reißen die Spekulationen um Jörg Kachelmann nicht ab. Bunte Medien enthüllten immer wieder angebliche Details und Fotos aus dem Gefängnisalltag des Moderators, auch eine angebliche weitere Geliebte äußerte sich in einem Interview. So wurde das Liebesleben des Prominenten in immer neuen Ausschmückungen zum Boulevardthema.

Einmal zeigte er sich selbst Journalisten gegenüber im schwarz-weißen Ringelhemd. Das deutete noch auf eine gewisse Lockerheit hin.

Kachelmanns Anwalt wies die Vergewaltigungsvorwürfe vom ersten Tag an als "frei erfunden" zurück. Der TV-Wettermann kündigte an, "wegen falscher Anschuldigung" Klage zu erheben. "Er hat die ihm vorgeworfene Tat nicht begangen", teilen Kachelmanns Anwälte auf ihrer Website mit.

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(dpa/AFP/Reuters/ehr/jja/jobr)