Vorwürfe gegen katholische Kirche Erzbistum Chicago veröffentlicht Missbrauchs-Akten

Die meisten der Geistlichen, um die es geht, sind offenbar nie bestraft worden. Im Gegenteil: Würdenträger der katholischen Kirche schützten die Täter über Jahrzehnte hinweg. Doch jetzt unternimmt das Erzbistum Chicago einen Schritt zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals.

Es geht um 30 Priester, die sich über Jahrzehnte hinweg des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben. Die meisten der Geistlichen, um die es geht, seien nie bestraft worden, schreibt die Chicago Tribune. Im Gegenteil: Würdenträger der katholischen Kirche hätten die Täter gedeckt, "geblendet von dem Glauben an eine zweite Chance und an Vergebung". Außerdem habe die Führung der Kirche einen Imageschaden befürchtet.

Dokumentiert sind die Fälle auf 6000 Aktenseiten, die das Erzbistum Chicago jetzt veröffentlicht hat. Die Papiere, die von der Kanzlei des Opferanwalts Jeff Anderson online gestellt wurden, zeigen wie sehr es die katholische Kirche im drittgrößten US-Bistum versäumt hat, für Aufklärung zu sorgen und wie langsam Reformen in Gang gesetzt wurden.

Die Vorwürfe der Opfer richten sich auch gegen Chicagos Kardinal Francis George. Er soll von den Vorfällen gewusst haben. Die Kirchenleitung hat inzwischen Versäumnisse eingeräumt: "Das Erzbistum erkennt an, dass seine Führung vor Jahrzehnten einige Entscheidungen getroffen hat, die aus heutiger Perspektive nur schwer zu rechtfertigen sind", heißt es in einer Stellungnahme.

Die Vorfälle liegen in der Tat sehr lange zurück, die meisten Fälle stammen aus den Jahren vor 1988. 14 der Beschuldigten sind inzwischen gestorben, den Akten zufolge ist keiner der dort genannten Geistlichen noch im Dienst. "Wir wünschten, wir hätten mehr getan, und wir hätten es früher getan, aber jetzt arbeiten wir daran, Vertrauen wiederzugewinnen und auf die Opfer und ihre Familien zuzugehen", heißt es in der Stellungnahme des Erzbistums weiter.

In den vergangenen 40 Jahren habe es Fortschritte im gesellschaftlichen Umgang mit sexuellem Missbrauch gegeben. Bereits seit 2002 würden sämtliche Verdachtsfälle innerhalb der katholischen Kirche umgehend den zuständigen staatlichen Behörden zur Prüfung übergeben.