Vierlings-Schwangerschaft von 65-Jähriger Sehnsucht nach einer Lösung für alles

Vor zehn Jahren wurde Annegret Raunigk, damals 55, als "älteste Mutter Deutschlands" samt Familie in eine RTL-Show eingeladen. Vierlinge gab es da noch nicht.

(Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Vierlinge im Alter von 65 Jahren? Die Fortpflanzungsmedizin kann inzwischen fast jeden Wunsch erfüllen. Sollte sie aber nicht. Zufriedenheit bedeutet etwas anderes.

Kommentar von Christina Berndt

Wenn Rosanna Della Corte von ihrem Sohn spricht, dann nennt sie ihn den "kleinen Riccardo", obwohl er inzwischen 20 Jahre alt ist. Denn es gab schon einmal einen Sohn mit diesem Namen im Leben Della Cortes. Ihren "großen Riccardo" verlor die Italienerin durch einen tragischen Verkehrsunfall.

Um den Verlust zu überwinden, musste der kleine Riccardo her. Mit aller Macht. Alle Möglichkeiten der modernen Medizin nutzte Della Corte. Als sie ihr Baby 1994 schließlich zur Welt brachte, war sie 63 Jahre alt - bis dahin die älteste Frau, die ein Baby bekommen hat.

Das Erschreckende ist weniger das mögliche Leid der Kinder

Seither haben es ihr Frauen weltweit nachgetan. So mächtig ist die Reproduktionsmedizin heute geworden, dass sie auf Verlangen Leben schafft, wo bisher der Tod näher zu sein schien. Nun steht in Berlin ein neuer Rekord bevor: Im Sommer wird dort, wenn alles nach Plan verläuft, die Lehrerin Annegret Raunigk im Alter von 65 Jahren Vierlinge gebären.

Die öffentliche Empörung ist groß, seit RTL und Bild am Sonntag den Fall bekannt gemacht haben. Selbst Fortpflanzungsmediziner sprechen von einer "absoluten Katastrophe", nennen Raunigks Schwangerschaft ein "Experiment am Leben". Kann man bei einer so alten Frau wie Raunigk - die noch dazu alleinerziehend und bereits Mutter von 13 Kindern zwischen neun und 44 Jahren ist - überhaupt von guter Hoffnung sprechen?

Es erscheint verantwortungslos, dass eine Frau kurz vor dem Beginn ihres Pensionärslebens Vierlinge aufziehen will. Kinder, die sie nie in ihrem Leib tragen würde, wenn sie nicht hiesige Gesetze gleich mehrmals überschritten hätte. Nicht nur die Gesundheit der Ungeborenen steht auf dem Spiel, auch die der Mutter, die doch auch noch die Verantwortung für ihre anderen Kinder trägt.

Mediziner entsetzt über Vierlings-Schwangerschaft von 65-Jähriger

Annegret Raunigk hat bereits 13 Kinder von fünf Vätern. Nun erwartet die 65 Jahre alte Lehrerin aus Berlin Vierlinge - ein Fall, der weltweit einmalig sein dürfte. Experten warnen vor nicht kalkulierbaren Risiken für Mutter und Kinder. Von Christina Berndt mehr ...

Doch das Erschreckende an dieser Geschichte aus Berlin ist weniger das Leid, das den Kindern womöglich bevorsteht. Wer betagten Frauen das Recht auf Kinder abspricht, begibt sich auf dünnes Eis. Eine Gefahr für die Gesundheit bringen auch andere Schwangerschaften mit sich: Dürfen kranke oder behinderte Menschen oder solche mit ungünstigen Erbanlagen dann auch keine Kinder mehr bekommen? Und ist nicht das Leben, das einem Kind geschenkt wird, das sonst gar nicht geboren wäre, schon ein Wert an sich?