Verspeiste Heimtiere in der Schweiz Katzenjunges mit Rosmarin und Thymian

Zuckersüß, so ein Kätzchen, aber auch schmackhaft? Für zu viele Schweizer schon, kritisieren Tierschutzaktivisten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Tierschutzaktivistin sammelt Unterschriften, um in der Schweiz den Verzehr von Hunden und Katzen verbieten zu lassen. Die "barbarische Tradition" sei eines zivilisierten Landes unwürdig.

Von Charlotte Theile

Tomi Tomek, 61 Jahre alt, ist Gründerin der Hilfsorganisation "SOS Chats". Seit 1985 bietet der Verein Notunterkünfte für Katzen an. Zu seinen prominenten Unterstützern zählt auch die Schauspielerin Brigitte Bardot.

Tomek lebt im westschweizerischen Kanton Neuenburg, zusammen mit sehr vielen Katzen. Im Moment kämpft sie mit Unterschriftenlisten gegen den Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch. Die Aktivistin findet den Verzehr von Haus- bzw. Heimtieren (zu der unscharfen Abgrenzung zwischen Heim- und Haustieren siehe hier) eine "barbarische Tradition" und einem zivilisierten Land wie der Schweiz unwürdig.

SZ: Frau Tomek, Sie wollen offiziell verbieten lassen, dass man in der Schweiz Hunde und Katzen essen darf. Warum das?

Tomi Tomek: Sie meinen, das macht sowieso keiner, oder? Es ist wahr: Nur sehr wenige Schweizer essen Katzen und Hunde. Wir gehen von drei Prozent der Bevölkerung aus. Aber auch das ist zu viel.

In Deutschland ist der Verzehr von Hunden und Katzen verboten. Ist das in der Schweiz anders?

Nach allem, was ich weiß, hat Hundefett in der Schweiz eine lange Tradition. Es soll gegen Rheuma helfen. Auch Würste aus Hundefleisch werden hergestellt. Außerdem ist es bei den Gerbern in der Gegend um Luzern Brauch, Katzenfleisch zu essen. Als ich versucht habe, diese Menschen anzuzeigen, hieß es: Wenn sie es nur zu Hause machen und das Fleisch nicht bei einem Fest an alle Nachbarn servieren, ist es nicht verboten.

Seine eigenen Heimtiere darf man in der Schweiz also essen?

Ja, genau so hat mir die Polizei das mitgeteilt: Was in den Familien auf den Tisch kommt, geht die Beamten nichts an. Eigengebrauch wird nicht bestraft. Was ich mich frage: Wenn es so normal ist, Hunde und Katzen zu essen, warum stehen die Menschen dann nicht öffentlich dazu?

Weil Tierschützer wie Sie ihnen das Leben schwer machen würden.

Berechtigterweise - ich kann solche Menschen wirklich nicht verstehen. Mit dem Tierschutzgesetz werden viele Arten von physischen und psychischen Leiden verboten. Aber das Leben der Tiere wird nicht geschützt.

Sie haben zuletzt ein Verkaufsverbot für Katzenfelle erwirkt. Warum liegen Ihnen die Tiere so am Herzen?

Wissen Sie, wir haben auf unserem Bauernhof 129 Katzen, fast alles Spezialfälle. Katzen, die verwildert sind, gefährlich. Katzen, die von Menschen so schwer verletzt wurden, dass sie ins Krankenhaus mussten. Um diese Tiere kümmern wir uns. Wir sind also ein bisschen die dompteuses de chats.

Eine Katzen-Bändigerin also. Wie kommt man zu diesem Beruf?

Das hat vor einigen Jahrzehnten begonnen. 1980 bin ich mit meiner Freundin aus Berlin in die Schweiz gezogen. In einem nahegelegenen Wald gab es zu der Zeit einige verwilderte Katzen, die getötet werden sollten. Wir nahmen sie auf - eigentlich nur vorübergehend. Aber dann sind die Tiere geblieben. Und immer mehr kamen dazu, inzwischen auch Hunde. Davor haben wir uns für den Schutz von Menschen eingesetzt: Ich habe in Berlin ein Frauenhaus gegründet, meine Freundin hat mit vergewaltigten Frauen gearbeitet.

Vom Menschenschutz zum Tierschutz.

Ja, genau. So hat sich das ergeben.

Nochmal zurück zu den Katzen: Weshalb sind Sie so sicher, dass es in der Schweiz Menschen gibt, die ihre Heimtiere verzehren?

Weil ich mit ihnen gesprochen habe. Zum Beispiel mit einer Frau im Jura, die mir erzählt hat, dass sie im November gern Katzenjunge für die ganze Familie zubereitet. Sie hat mir sogar ein Rezept geschickt: Die kleinen Katzen werden in Milch eingelegt, mit Rosmarin und Thymian gewürzt. Mir ist schlecht geworden. Aber sie sagte, das schmecke wie Kaninchenfleisch.

Das klingt in der Tat nach einem außergewöhnlichen Rezept. Aber macht es denn wirklich einen Unterschied, ob die Frau nun kleine Kaninchen oder kleine Kätzchen in Milch einlegt?

Für mich nicht. Ich bin seit 33 Jahren Vegetarierin. Aber Katzen und Hunde sind ein erster Schritt, auf den sich viele Schweizer einigen können. Wir haben im August angefangen, Unterschriften für unsere Petition zu sammeln und schon 17 000 Unterstützer gefunden.

Ein erster Schritt, sagen Sie. Welcher kommt als nächstes? Wollen Sie auch Kaninchen oder Kühe vor dem Verzehr schützen lassen?

Keine Chance. Obwohl: Pferde gingen vielleicht noch.