Verschärfung der Drogenpolitik Niederlande wollen starkes Cannabis verbieten

Haschisch und Marihuana mit mehr als 15 Prozent des berauschenden Wirkstoffs THC dürfen nach Plänen der niederländischen Regierung demnächst nicht mehr verkauft werden. Die Opposition bezeichnet das Vorhaben als "schrecklich dumm und gefährlich".

Die Niederlande wollen ihre Drogengenpolitik weiter verschärfen und den größten Teil der bislang noch legalen Cannabisprodukte verbieten. Nach den Plänen der konservativen Regierung sollen Softdrogen wie Haschisch und Marihuana künftig als illegales Rauschgift eingestuft werden, wenn sie mehr als 15 Prozent des Wirkstoffs THC enthalten.

Die niederländische Regierung will einen härteren Kurs in der Drogenpolitik fahren: Cannabisprodukte mit einem THC-Anteil von mehr als 15 Prozent sollen verboten werden.

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Das Vorhaben, über das die Zeitung de Volkskrant unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, war sofort heftig umstritten. Nach Angaben des Trimbos-Instituts für Suchtforschung in Utrecht liegt der THC-Anteil bei etwa 80 Prozent der in den Niederlanden angebotenen Cannabisprodukte bei über 15 Prozent.

Züchter hätten in den letzten Jahren die Konzentrationen des berauschenden Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) in Hanfpflanzen immer weiter erhöht. Im Durchschnitt liege sie heute bei 15 bis 18 Prozent. Zudem sei "starkes Cannabis" weit populärer als früher übliche leichte Sorten, heißt es im Jahresbericht des Instituts von 2010. "Die Käufer fragen nach den am meisten verkauften und nach den stärksten Sorten."

Dennoch kritisierten Politiker der Opposition sowie Vertreter der mehr als 700 Coffeeshops, in denen Haschisch und Marihuana gekauft und konsumiert werden dürfen, die Pläne der Regierung von Rechtsliberalen und Christdemokraten. Sie seien "schrecklich dumm und gefährlich", sagte die Parlamentsabgeordnete Nine Kooiman von der Sozialistischen Partei. "Das würde einen großen Teil der Konsumenten in die Illegalität treiben." Der Bund der Cannabis-Einzelhändler nannte das Vorhaben "undurchführbar". Betreiber von Coffeeshops hätten keine Möglichkeit, den THC-Gehalt ihrer Ware ständig zu prüfen.

Joints mit einem geringeren THC-Anteil als 15 Prozent sollen zwar weiterhin in Coffeeshops verkauft werden dürfen. Jedoch hatte Justizminister Ivo Opstelten von der rechtsliberalen Partei VVD bereits im Mai angekündigt, dass sich alle Haschkneipen 2012 in Mitgliederclubs umwandeln müssen, in denen dann nur noch Niederländer bedient werden dürfen - und Ausländer, die ständig in den Niederlanden wohnen. Damit soll dem Haschtourismus der Boden entzogen werden.

Eine von Gesundheitsministerin Edith Schippers berufene Kommission hatte im Juni einen Bericht vorgelegt, wonach Joints mit mehr als 15 Prozent THC ein unvertretbar hohes Suchtrisiko und zudem bei häufigerem Konsum die Gefahr schwerer Psychosen mit sich brächten. Mit der geplanten Einstufung solcher Cannabisprodukte als verbotene harte Drogen folgt die rechtsliberale Ministerin den Empfehlungen der Kommission.