Politisch engagierte sich Sgarbi für alle möglichen Gruppen, von den Anarchisten über die Kommunisten und Liberalen bis hin zu den Christdemokraten und Silvio Berlusconis Partei Forza Italia. Er war Bürgermeister eines Ortes in den Marken, Abgeordneter und Kulturstaatssekretär in Rom und schließlich Kulturdezernent in Mailand, blieb aber, streitlustig, wie er ist, selten lange auf einem Posten.
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Als ihn die Mailänder Bürgermeisterin im Frühjahr schasste und auch im neuen Kabinett Berlusconi kein Platz für ihn geschaffen wurde, ließ er sich als Bürgermeister-Kandidat für Salemi anwerben. Im Juni gewann er dort mit mehr als 60 Prozent der Stimmen. Die Turiner Zeitung La Stampa kommentierte trocken: "Seit 4000 Jahren sind die Sizilianer daran gewöhnt, jeden Invasoren zu beklatschen."
Die Wahlversprechen des Bürgermeisters
Sgarbi versprach den Bürgern Salemis, er wolle das arme, von Auswanderung und den Folgen des Erdbebens gezeichnete Städtchen zu einer "kleinen sizilianischen Wiege der Kultur" und einem "interreligiösen Begegnungszentrum" machen: "Salemi wird ein Ort der Gedanken, des Geistes und der Spiritualität."
Nach seinem Wahlsieg lobte er die "Intelligenz der Bürger, einen berühmten Mann wie mich zu wählen". Offensichtlich hofften die Wähler, der schillernde Sgarbi werde Prominenz und Geld nach Salemi locken.
Tatsächlich stellte der neue Bürgermeister sofort eine bunte Stadtregierung zusammen. Der berühmte, wegen seiner Schockwerbung für Benetton umstrittene Fotograf Oliviero Toscani erhielt das Ressort für Kreativität. Der futuristische Provokationskünstler Graziano Ceccherini, der vor kurzem das Wasser der Fontana di Trevi in Rom blutrot färbte, wirkt als "Referent für das Nichts". Er muss sein Ressort noch ausfüllen.
Toscani dagegen wurde schon aktiv. Von ihm stammt die clevere Idee mit dem Häuserverkauf, um die historische Altstadt mit ihrer wertvollen Bausubstanz vor dem Verfall zu retten.
"Wir schaffen das Außergewöhnliche", verspricht der Fotograf. Tatsächlich sollen im Rathaus schon etwa 70 Interessenten vorstellig geworden sein. "Wir haben bereits Anfragen von Engländern, Amerikanern und prominenten Italienern", frohlockt Sgarbi.
Indiskretionen zufolge sollen der britische Musiker Peter Gabriel und der italienische Liedermacher Lucio Dalla darunter sein. Greifen sie zu, dürften rasch andere folgen. Wer einen Euro übrig hat für ein Haus in Salemi, der muss sich womöglich beeilen.
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(SZ vom 04.09.2008/viw)
Bundespräsident Gauck in Jerusalem
In den 90igern wurde der Kauf von Immobilien in Ostdeutschland durch Staatszuschüsse finanziert. Diese sollten eine Renovierung und somit einen Erhalt des Objekts ermöglichen.
Nachdem bei mir im Park um die Ecke Patenschaften fuer Sitzbaenke uebernommen wurden und in Grossbritannien die dort typischen Telefonhaeusschen adoptiert werden koennen, war es nur eine Frage der Zeit, bis man auf die Idee kommen wuerde, "Sponsoren" fuer marode Gebaeude zu suchen.
Die Idee ist aber durchaus ausbaufaehig. Mein Vorschlag: Ich kaufe eines der Häuschen für einen Euro, und einer von euch erklärt sich bereit, das Haus dann zu sanieren. Irgendwann verkaufen wir das Ganze dann wieder und teilen die Beute. Oder: Wir legen alle zusammen, bis wir so viel Geld haben, dass wir ein Haus kaufen und sanieren lassen können. Dann haben wir alle ein schönes Feriendomizil im Time-Sharing-Stil. Irgendwann verkaufen wir das Ganze :-D
Wer mitmachen will: http://blogthebox.wordpress.com/2008/09/04/1-euro-haus/