Verfahren wegen Vertuschung Hoher US-Geistlicher soll Missbrauch gedeckt haben

Es ist der erste Prozess seiner Art in den USA: Seit Montag steht in Philadelphia ein ranghoher katholischer Geistlicher vor Gericht. Er soll Priester gedeckt haben, die unter Verdacht stehen, Kinder missbraucht zu haben. Der Kirchenmann weist die Vorwürfe zurück.

Die Geschichte dürfte symptomatisch für die Missbrauchsskandale der katholischen Kirche in vielen Ländern weltweit sein, doch es ist das erste Mal, dass in den USA ein derartiger Fall vor Gericht gebracht wird: Monsignore William Lynn aus Philadelphia soll Priester unter Missbrauchsverdacht gedeckt haben. Am Montag wurde der Prozess gegen ihn eröffnet.

Die Zeichnung aus dem Gerichtssaal in Philadelphia zeigt Monsignore William Lynn (mitte), einen mitangeklagten Priester und den Verteidiger der beiden Männer (rechts). Lynn soll sexuellen Missbrauch durch Priester gedeckt haben.

(Foto: AP)

Seit 1948 habe die Kirche Unterlagen unter Verschluss gehalten, die eine jahrzehntelange Verschwörung gegen Missbrauchsopfer belegten, sagte Anwältin Jaqueline Coelho zum Auftakt des Verfahrens. Demnach zufolge enthalten die Akten gesammelte Beschwerden über sexuellen Missbrauch, die geheim gehalten worden seien, um die Priester zu schützen und einen Skandal zu vermeiden.

Konkret wird dem Angeklagten vorgeworfen, mindestens zwei verdächtige Geistliche nach Missbrauchsvorwürfen auf neue Stellen versetzt haben, wo diese weiter Kontakt zu Kindern gehabt hätten. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 14 Jahre Haft.

Der Angeklagte war von 1992 bis 2004 Kirchensekretär der Erzdiözese Philadelphia und führte die Dienstaufsicht über die beschuldigten Priester. Die Staatsanwaltschaft Philadelphia erhob auch Anklage gegen die beiden Priester, die der Monsignore gedeckt haben soll.

Zwei Angeklagte und ein Geständnis

Einer der beiden Geistlichen, der einen 14-jährigen Jungen vergewaltigt haben soll, muss sich zeitgleich vor Gericht verantworten. Der andere Angeklagte hatte sich am vergangenen Donnerstag schuldig bekannt, Ende der 1990er Jahre einen zehnjährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Damit vermied er einen Prozess und muss sich nun auf eine Gefängnisstrafe zwischen zweieinhalb und fünf Jahren einstellen.

Sowohl Lynn als auch der Priester plädierten zu Prozessbeginn auf nicht schuldig. Das Verfahren soll bis zu vier Monate dauern.

Das Ansehen der katholischen Kirche in den USA ist durch Missbrauchsskandale stark angeschlagen. In den vergangenen Jahren musste die US-Kirche hunderte Millionen Dollar Entschädigung an Opfer zahlen, mehrere Diözesen meldeten in der Folge Insolvenz an. Auch in Deutschland, Irland, Österreich und anderen Ländern wurden Missbrauchsskandale um katholische Geistliche bekannt.