Verdächtige Substanzen in Kölner Hochhaus Hochtoxischer Fund

Köln: SEK Beamten mit Atemschutzmasken und Schutzanzügen steigen in einen Krankenwagen. I

(Foto: dpa)

Ein Tunesier soll extrem giftiges Rizin in einer Kölner Wohnung gelagert haben. Bereits in kleinsten Dosen von weniger als einem Milligramm kann es tödlich sein.

Von Christian Wernicke, Düsseldorf

Spezialeinheiten der Polizei haben am Mittwoch das tödliche Gift Rizin in der Kölner Mietwohnung eines 29-jährigen Tunesiers sichergestellt. Wegen des dringenden Verdachts auf einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz sei Haftbefehl erlassen worden, sagte ein Sprecher des Generalbundesanwaltes. Der Verdächtige war bereits am Dienstagabend bei einer Hausdurchsuchung festgenommen worden, nachdem die Behörden wegen eines auffälligen Interneteinkaufs auf den Mann aufmerksam geworden waren. Er soll große Mengen Rizinussamen bestellt haben, sagte der Terrorismus-Experte Michael Götschenberg am Donnerstag im Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Aus den Samen lässt sich Rizin gewinnen, das als hochtoxisch gilt und in Deutschland auf einer Liste des Kriegswaffenkontrollgesetzes geführt wird. Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt zudem wegen des Verdachts der Planung einer "schweren staatsgefährdenden Gewalttat". Unklar blieb zunächst, auf welche Mengen Rizin die Spezialisten der "Analytischen Task Force" (ATF) der Feuerwehr in der Wohnung stießen. Die ATF-Experten in Dekontaminationsanzügen wurden während des Einsatzes von schwer bewaffneten SEK-Polizisten begleitet. Bereits in kleinsten Dosen von weniger als einem Milligramm kann Rizin tödlich sein.

Die Polizei war am Dienstagabend in den Kölner Hochhauskomplex eingedrungen und hatte die Wohnung des Verdächtigen gestürmt. Die Ehefrau des Tunesiers und seine vier Kinder wurden offenbar schnell wieder freigelassen. Nachbarn beschrieben den Tunesier als unscheinbaren, zurückhaltenden Hausbewohner.

Bis zu dem Hinweis auf mögliche Giftstoffe in der Wohnung war der 29-jährige Tunesier auch der Kölner Polizei oder gar dem Staatsschutz nicht aufgefallen. Dann jedoch sei der Mann von einem Mobilen Einsatzkommando überwacht worden, ehe die Polizei am Dienstagabend zugriff. Im Laufe des Einsatzes wurde auch eine leer stehende Nachbarwohnung durchsucht, in der sich jedoch keine Hinweise auf etwaige Komplizen oder weitere Giftstoffe fanden.

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