Der '73er-Mythos

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Wie fände wohl Oliver F. Winchester, der Gründer, diese Verkehrung, dass nun in Old Europe jene Rifles fabriziert und verkauft werden, die einst God's own country sozusagen mitaufbauten? Oliver Winchester, 1810 in Boston als Bauernsohn geboren, hatte Zimmermann gelernt, reüssierte aber als erfolgreicher Hemdenfabrikant. Als die ebenfalls sagenhafte Firma Smith & Wesson Pleite machte, kaufte sie Mr. Winchester und belebte sie als ¸¸New Haven Arms Co." neu. Aus den Resten von Smith & Wesson ragte als kostbare Unveräußerlichkeit niemand anderes als der Konstrukteur Benjamin Tyler Henry hervor.

Dessen Erfindung und ihre Verbesserungen pries Winchester unter seinem Namen als ¸¸wirksamste Waffe der Welt" an und hatte Erfolg damit. Besonders das Modell Winchester 73 erringt jene Magie, die an Siegfrieds Schwert Balmung oder den Mimung, den Wieland, der Schmied, schuf, heranreicht.

Ob Sheriffs oder Cowboys, Outlaws oder Marshals, sie alle setzten auf die Winchester, zumal seit 1878 für bestimmte Revolver und die Langwaffe ein und dieselbe Munition verwendet werden konnte. Jedes Gewehr ließ Oliver Winchester, der 1880 ganz friedlich in seinem Bett starb, in seiner Fabrik testen. Man nummerierte die Schießscheiben, und die Gewehre mit dem besten Schussbild erhielten den Namen ¸¸One of One Thousand", die mit dem weniger guten Schussbild hießen ¸¸One of One Hundred". Klar, dass von denen nur acht Stück produziert wurden.

Und Jimmy macht das Rennen

Eine der Superwaffen aber wird in Anthony Manns ¸¸Winchester 73" von 1950 zum eigentlichen Helden des Films. James Stewart und sein feindlicher Bruder kämpfen um dieses Gewehr zuerst bei einem Wettschießen, wo es als Gewinn ausgesetzt ist. Beide sind gleich gut, Stewarts Bruder trifft sogar eine hochgeworfene Halbdollarmünze.

Doch Jimmy Stewart schmeißt einen Ring hoch und schießt. All seufzen enttäuscht auf, daneben. Keineswegs, sagt der junge Held, er habe durch den Ring hindurch geschossen. Ungläubiges Staunen. Stewart klebt über den Ring eine Marke und wirft erneut empor, schießt - tatsächlich, alle können es sehen, er hat durch den Ring geschossen, was allerdings nichts über den Wahrheitsgehalt des Schusses davor sagt.

Das ¸¸One of One Thousand"-Gewehr wird dem Sieger bald abgenommen, es gelangt in die Hände von üblen Schurken und landet bei den Indianern, am Ende, nach fürchterlichem Kampf der feindlichen Brüder, kehrt es zu Stewart zurück, und hat dabei die Geschichte des Westens erzählt, wie nicht nur Hollywood sie entworfen hat, sondern wie sie die Amerikaner am liebsten selbst sehen.

Kein Wunder, dass Präsidenten wie Theodore Roosevelt stolz ihre Winchester anlegten und einer wie Ronald Reagan sie wenigstens als Westerndarsteller nutzte. Auch George Bush sen. verzichtete nicht auf das publicityträchtige Bild mit dem legendären Gewehr, das John Wayne handhabte, als sei es ein feiner leichter Zauberstab, mit dem man die Feinde das Fürchten lehrte und den Freunden Sicherheit gab.

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