Venezuela Viele Tote nach Militäreinsatz im Gefängnis

Wieder ist es zu einem Blutbad in einem Gefängnis in Venezuela gekommen. Nachdem Sicherheitskräfte eine Haftanstalt in Uribana inspizieren wollten, ist es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen, bei denen viele Menschen ums Leben gekommen sind und zahlreiche weitere verletzt wurden. Die Zahl der Opfer ist noch unklar.

Nach dem Sturm eines Gefängnisses durch Militäreinheiten sind in Venezuela zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Die Zeitungen El Universal und El Nacional berichteten am Freitagabend (Ortszeit) von 54 Toten und über 80 zum Teil schwer Verletzten. Der TV-Sender Globovision meldete hingegen zunächst nur 25 Todesopfer. Sicherheitskräfte waren den Angaben zufolge Freitagfrüh (Ortszeit) in die Haftanstalt in Uribana (Bundesstaat Lara) gekommen, um die Insassen zu entwaffnen. Anschließend kam es zu dem Gewaltausbruch.

Offiziell bestätigt wurden die Angaben zu den Todesopfern zunächst nicht. Auch der genaue Hergang des Vorfalls war noch unklar. Die Soldaten sollen von den Insassen angegriffen worden sein. Es sollen auch Granaten explodiert sein. Die Militäreinheiten wollten am Freitag um 07.00 Uhr die Vollzugsanstalt inspizieren.

Die für die Haftanstalten des Landes verantwortliche Ministerin Iris Varela sagte, die schwere Meuterei sei ausgebrochen, nachdem sich Gefangene gegen die Durchsuchung der Zellen nach illegalen Waffen gewehrt hatten. Ihren Worten zufolge entschlossen sich die Behörden zur Intervention, nachdem sie Hinweise erhalten hatten, dass Zusammenstöße zwischen rivalisierenden Banden drohten, die um die Vorherrschaft in der Haftanstalt kämpfen.

In einer offiziellen Erklärung zu dem Einsatz hieß es: "Aufgrund gewalttätiger Vorkommnisse im Gefängnis von Uribana wurde eine Durchsuchung notwendig, um die Insassen der Haftanstalt komplett zu entwaffnen." Erst zwei Stunden nach Beginn des Einsatzes waren den Angaben zufolge erste Detonationen in dem Gefängnis zu hören. Vermutlich hatten die Insassen die Sicherheitskräfte daran hindern wollen, in bestimmte Teile des Gefängnisses vorzudringen.

Auf im Fernsehen übertragenen Bildern war zu sehen, wie blutende Häftlinge aus dem Gefängnis im Nordosten des Landes getragen wurden. Einheiten der Nationalgarde umstellten das Gebäude, während besorgte Angehörige davor ausharrten, um Informationen über die Inhaftierten zu erhalten.

Oppositionsführer Henrique Capriles warf der Regierung "Unfähigkeit" vor. Diese kündigte indes eine Untersuchung der gewaltsamen Zusammenstöße an.

Die meisten Verletzten hätten Schusswunden erlitten, sagte ein Arzt der örtlichen Klinik. Die hohe Anzahl der Toten sei "besorgniserregend". Seinen Angaben zufolge kamen seit Mittag (Ortszeit) immer wieder verletzte Insassen in das Krankenhaus.

In Venezuela kommt es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen in Gefängnissen. Oft handelt es sich um Abrechnungen zwischen rivalisierenden Banden. Erst im vergangenen August waren in dem völlig überfüllten Gefängnis Yare I der Stadt Guatire bei Caracas 25 Häftlinge bei blutigen Kämpfen zwischen Gangs ums Leben gekommen.