Vatileaks-Prozess Papst-Kammerdiener legt Geständnis ab

Im Prozess um vertrauliche Vatikan-Dokumente hat der frühere Kammerdiener des Papstes ein Geständnis abgelegt. Paolo Gabriele gab zu, das Vertrauen Benedikts missbraucht zu haben. Des schweren Diebstahls fühle er sich aber nicht schuldig, sagte der Angeklagte - und erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei des Vatikan.

Seit seiner Festname im Mai hatte er sich nicht öffentlich geäußert, darum war die Aussage Paolo Gabrieles am zweiten Tag im Prozess um die Vatileaks-Affäre mit Spannung erwartet worden. Er habe das Vertrauen des Papstes missbraucht, sagte Gabriele und legte damit das erwartete Geständnis ab. Unerwartet dagegen seine Beteuerung: Was den schweren Diebstahl angehe, fühle er sich nicht schuldig.

Die vertraulichen Unterlagen aus dem päpstlichen Büro habe er zunächst für sich selbst kopiert, ohne eine Weitergabe geplant zu haben, sagte Gabriele. Er habe sich ein genaueres Bild über die Vorgänge im Vatikan machen wollen, über die er Unbehagen verspürt habe. Er habe auch keine Mittäter gehabt und kein Geld bekommen. Damit widersprach der frühere Kammerdiener der These einer Verschwörung, die sich seit seiner Festnahme hält. Er glaube aber auch nicht, sagte der 46-Jährige weiter, dass er in den vergangenen Jahren der einzige gewesen sei, der Dokumente an die Presse gegeben habe.

Zudem erhob der frühere Kammerdiener und enge Vertraute von Benedikt XVI. schwere Vorwürfe gegen die Polizei des Kirchenstaats: Er sei während seiner Haft misshandelt worden, habe die ersten Wochen nach seiner Festnahme im Mai in einem winzigen Raum verbringen müssen, in dem rund um die Uhr Licht gebrannt habe, sagten Paolo Gabriele und sein Anwalt vor Gericht. Ein Richter ordnete eine Untersuchung an.

Laut Staatsanwaltschaft hatte er schon in früheren Verhören gestanden, während seiner Tätigkeit im Vatikan vertrauliche Papiere gestohlen und an einen Journalisten weitergegeben zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gab Gabriele seinen tiefen Glauben als Tatmotiv an. Es sei sein Verlangen gewesen, "Bosheit und Korruption" innerhalb der katholischen Kirche aufzudecken, wurde er in der Anklageschrift zitiert. Auch wenn der Diebstahl der Dokumente falsch sei, fühle er sich doch vom Heiligen Geist inspiriert, "die Kirche wieder auf den richtigen Pfad zu bringen."

Er habe das Vertrauen des Papstes missbraucht: Der frühere Kammerdiener Benedikts XVI., Paolo Gabriele (rechts) hat ein Geständnis abgelegt. (Archivbild vom Prozessauftakt am 29. September)

(Foto: dpa)

In Gabrieles Wohnung hatten vatikanische Ermittler nach seiner Festnahme 82 Kisten mit Dokumenten sichergestellt, darunter einen Scheck über 100.000 Euro, den eine spanische katholische Universität dem Papst ausgestellt hatte. Als Zeugen wurden am zweiten Prozesstag der Privatsekretär des Papstes, Georg Gänswein, eine Haushälterin des Papstes sowie ein Mitglied der vatikanischen Gendarmerie gehört.

Gänswein sagte aus, Gabriele erstmals verdächtigt zu haben, als drei Dokumente im Buch eines Journalisten aufgetaucht seien. Diese hätten nur aus dem Büro stammen können, dass er sich mit Gabriele geteilt habe, sagte Gänswein. In den Zeugenstand wurde auch eine von vier Haushälterinnen Benedikts, Cristina Cernetti, gerufen. Gänswein und Cernetti gehörten der päpstlichen Entourage an, die am Dienstag mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche aus dessen Sommerresidenz in Castel Gandolfo nach Rom zurückkehrten. Bei einer Verurteilung drohen Gabriele bis zu vier Jahre Haft. Der Angeklagte hat Papst Benedikt XVI. jedoch um eine Begnadigung gebeten.