Joe Jackson hat seinen Sohn Michael früh für das Showgeschäft abgerichtet - nach seinem Tod spielt er wieder eine wichtige Rolle
Joe Jackson war, je nach Perspektive, der väterliche Lehrmeister des King of Pop. Oder der Tyrann, dem sein berühmter Sohn ein Leben lang entkommen wollte. Nun steht der Patriarch der Musikerfamilie wieder im Rampenlicht. Nicht nur, weil er zusammen mit seiner Frau Katherine die Fürsorge für die drei Kinder von Michael Jackson übernommen hat. Sondern auch wegen einigen Fernsehauftritten, die viele Menschen irritiert haben.
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Mentor oder Tyrann? Einst hatte Joe Jackson den jungen King of Pop zu Proben und Auftritten geprügelt, jetzt will er dessen Kinder großziehen. (© Foto: AP)
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Bei einem Interview auf dem roten Teppich der kurzfristig zu einer Michael-Jackson-Gedenkshow umfunktionierten BET Awards in Los Angeles stammelte der immer noch bullig wirkende 80-jährige lediglich ein paar floskelhafte Sätze zum Tod des Sohnes - bevor er die Gelegenheit nutzte, um sein neues Geschäftsprojekt, ein Plattenlabel, zu bewerben. Und auch das Treffen mit dem Politiker Jesse Jackson, der die Anliegen der Familie vertreten soll, kam etwas merkwürdig herüber: Warum musste Michaels Vater auch noch lächelnd die Faust für die Kameras recken?
Der Stahlarbeiter drillte seine Kinder auf Disziplin
Viele Fans des Popstars fühlten sich bestätigt: Ist der hinter einer übergroßen Sonnenbrille versteckte Greis nicht immer noch der Egomane, der seine Kinder gebrochen hat, um sie zu folgsamen Show-Puppen zu drillen? Spekulationen über den Einfluss von Joe Jacksons Erziehungsstil auf die Psyche seiner Schützlinge gehören längst zur Pop-Folklore.
Keine Diskussion über die Sonderlichkeit eines Michael Jackson, in der nicht auf den Vater verwiesen wird. Beziehungsweise den Zuchtmeister Joe Jackson. Einen Stahlarbeiter und mäßig begabten R'n'B-Gitarristen, der, wenn es hart auf hart kommt, nebenbei noch Kartoffeln ernten geht, um seine neun Kinder durchzubringen, und von ihnen mindestens ebenso viel Disziplin verlangt wie von sich selbst. Aufstehen bei Sonnenaufgang, Mithilfe im Haushalt, und Spielverbot außerhalb der Schule - schließlich braucht der Vater jede Minute der Freizeit seiner Kinder, um aus ihnen eine professionelle Showtruppe zu machen.
Als Manager und Trainer trimmt er die Brüder Tito, Jackie, Jermaine, Marlon und Michael - kurz The Jackson 5 - sorgfältig auf den Popmarkt hin. Für jeden verpatzten Einsatz gibt es Strafen. Und Michael Jackson trifft es am härtesten: Weil er sich wehrt, mal einen Schuh nach dem Vater wirft, mal die Fäuste auspackt - und dafür umso härter verprügelt wird.
"Ich peitschte ihn mit einem Kabel"
Immerhin gesteht Joe Jackson 2001 in einem BBC-Interview seine skrupellose Umgangsart mit Michael: "Ich peitschte ihn mit einem Kabel und einem Gürtel. Aber ich habe ihn nie geschlagen. Schlagen tut man mit einem Stock." Was auch immer die feinsinnige Unterscheidung entschuldigen sollte: Die körperliche Züchtigung war nur Teil eines gnadenlosen Regimes, dem Michael Jackson und seine Geschwister seit frühester Kindheit ausgesetzt waren.
Kindererziehung folgte im Hause Jackson einer viktorianischen Aufgabenteilung: Mutter Katherine war die Gütige, die ihre Kinder pflegte, ihnen zuhörte, und bisweilen durch besänftigendes Zureden auch vor dem Zorn des Vater schützte. Joe Jackson dagegen setzte auf Strenge. So soll er einmal, als Michael Jackson und seine Brüder schliefen, den Kindern wegen einem offenstehenden Schlafzimmerfenster eine Lektion erteilt haben: Er stieg mit einer Horrormaske auf dem Gesicht ein und fing an zu schreien und zu brüllen. Michael Jackson berichtete, dass er deswegen später immer wieder Albträume erlitt - die er dann in Videos wie "Thriller", wo er sich zu einem Werwolf wandelt, verarbeitete. "Ich weiß nicht", erklärte der Popstar 1993, "ob mein Vater ein goldenes Kind erwartete. Er war sehr streng, sehr hart und unnachgiebig. Schon ein Blick von ihm reichte, um mir Angst einzujagen."
Der King of Pop als krankes Geschöpf seines Vaters
Psychologen haben Michael Jacksons Peter-Pan-Komplex, sein Unvermögen erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen, als Folge der väterlichen Misshandlung gedeutet. Wie auch die merkwürdige Nase. Der amerikanische Fernseh-Psychiater David Wilson etwa glaubt, Michael Jackson habe die Schönheitsoperationen genutzt wie andere Menschen Psychotherapie: "Es war sein Weg sich vom Ebenbild des Vaters zu distanzieren."
Nur selten hat sich der Popstar positiv über seinen Vater geäußert: Etwa wenn es um die erlernte Perfektionssucht ging. Als die Jackson-Brüder dann ihrer eigenen Wege gingen, zog sich der einstige Mentor hinter eine unnahbare Fassade zurück. Joe Jackson kann offensichtlich nur über das Familiengeschäft mit seinen Kindern kommunizieren. 2008 macht er noch einmal Schlagzeilen: Als Gastgeber einer Reality Show will er seine Söhne ein letztes mal zusammen auf die Bühne bekommen. Das Projekt scheitert - seine Kinder hatten wohl wenig Interesse daran, noch einmal die Schrecken ihrer Jugend zu durchleben.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 30.06.2009/abis)
Bundespräsident Gauck in Jerusalem
Michael Jackson hat eigentlich alles gesagt! In dem völlig unbekannten und bisher nicht beachteten Song "Morphine" von 1997 auf dem Album mit dem bezeichnenden Titel "Blood on the Dancfloor". Wenn man sich den Text genau durchliest, dann kommt dort alles raus: Den Druck den sein Vater auf Ihn aufgebaut hat, die Angst vor dem Scheitern und der daraus resultierende Selbsthass ("... I hate my race ...") und natürlich seine Abhängigkeit von Beruhigungsmittel, die er nahm gegen Panikattacken. Und wer sich noch die Zeit nimmt das Video dazu anzusehen, der bracht keine Erklärung mehr. Es ist ein zusammenschnitt aus allen seinen Tanzvideos, voller Hektik und Anspannung. Schnell und laut, und Jackson ist eigentlich nur am Schreien, weniger am singen! Und dann, mit einem Schlag wird es ganz ruhig, und man kann sehen wie er in seine besänftigende Traumwelt flüchtet. Es steht sicher auch für seine gespaltene Persönlichkeit. Auf der Bühne gab er wirklich alles, war absolut perfekt, selbstsicher, wirkte stark und unbesiegbar und dann privat das genaue Gegenteil: schüchtern, leise, zerbrechlich ...
Im ruhigen Teil des Liedes und des Videos gibt es auch eine kurze Sequenz, in der er sich selbst, als kleinen Jungen begegnet, der ihn nur traurig und wortlos ansieht ... das Lied ist übrigens nachweißlich von Ihm selbst geschrieben ...
ich habe selbst keine einzige Platte von Jackson, und kenne nur seine Hits. Daher bin ich mir nicht sicher ob es mehr solche Songs gibt? Ich war aber sehr überrascht, denn so ein hartes und gleichzeitig auch konvuses Lied kenne ich von ihm gar nicht!?
...bin leider der Deutschen Sprache nicht ganz mächtig. Dafür kann ich mich in 5 weiteren exzellent verständigen und kompensiere damit meine eindeutige Schwäche in Ihrer Muttersprache!
Ich meine aber trotzdem, dass Sie "augen" in Zukunft gross schreiben sollten.
Gruss
@pransin777
endlich ein Augenzeuge! Sie scheinen ja so sicher zu sein, daß M. J. ein perverser Pädofiler (da tun mir die augen weh, ist das neue Rechtschreibung?) war, Sie müssen wohl im Nachbarbett genächtigt haben.
Christus hätte zu ihrer Voreingenommenheit sicherlich auch ein paar treffende Worte gefunden.
Kein Thema, Jackson war hochbegabt. Und weil einige "geschäftstüchtige" Amerikaner gemerkt haben daß sich mit dem Mann gut Kasse machen lässt waren seine Videos, generell das Merketing, in Punkto Qualität allererste Sahne.
Worauf ich hinauswill ist: Warum achten die Menschen nicht auf den "Vibe" der in was drinsteckt? Diesbezüglich fand ich Jackson fast durchgängig negativ bis horrormäßig - am schlimmsten wenn das süßliche und wohl kaum wirklich tragfähige "i love you"-Thema mal wieder dran war. Und zu Hause hat er dann sein Äffchen als Fußball benutzt.
Leni Riefenstahl war auch eine ganz großartige Filmemacherin, aber wenn ich merke wofür deren Werke INHALTLICH stehen kann ich mich doch wohl kaum uneingeschränkt dafür begeistern, oder? Den Vergleich nur zur Veranschaulichung.
Zitat: "Ich habe es damals nicht verstanden warum Millionen von Menschen jemanden anhimmeln der ganz augenscheinlich innerlich kaputt und pathologisch hasserfüllt ist."
Jacksons Musik war nicht immer meins, aber mann muss als mit nur halbwegs musikalischen Gespür ausgestatteter Zuhörer neidlos zugestehen, dass es sich hier um geniale Ergebnisse der musikalischen Inszennierung handelte.
Für mich ist die Faszination daher nur zu gut zu verstehen und nicht auf oben genannten Gründe zurückzuführen.
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