USA: Verschwörungstheorien Weltuntergang verschoben

In einer großen Kampagne hatte ein US-Prediger für Samstag den Weltuntergang angekündigt. Doch der große Knall blieb aus. Nun hat er die Apokalypse um fünf Monate verschoben. Für den Fall, dass Zombies auftauchen, versprechen derweil die US-Behörden Hilfe.

Der amerikanische Endzeitprediger Harold Camping, der in einer großen Kampagne das Ende der Welt für vergangenen Samstag ankündigte, hat sich für seine ungenaue Vorhersage entschuldigt. Es tue ihm leid, dass er die Daten nicht so genau berechnet habe, wie er es hätte tun sollen, sagte er. Der Weltuntergang sei um fünf Monate verschoben.

Mit Jesusfiguren feiern Amerikaner am Samstag vor dem Radiosender von Harold Camping die Nicht-Zerstörung der Welt.

(Foto: AP)

Bei Gesprächen mit einem Freund an diesem für ihn schwierigen Wochenende sei ihm aufgegangen, dass der 21. Mai nicht der Tag der biblischen Entrückung, an dem Millionen Christen in den Himmel auffahren, sei, sondern der Tag des Jüngsten Gerichts, an dem Christus sein Urteil über alle Menschen gefällt habe. Der Erdball werde erst in fünf Monaten zerstört, sagte Camping.

Am Samstag hatten in den USA hunderte christliche Fundamentalisten vergeblich auf das Ende der Welt gewartet. Über ein Internetradio war die Botschaft des US-Predigers auch in anderen Ländern angekommen: In Vietnam versammelten sich tausende Angehörige der Volksgruppe der Hmong im Nordwesten des Landes, wo sie nach Berichten von Anwohnern in Verstecken im Wald auf den Weltuntergang warteten. Im mexikanischen Ciudad Juárez, sonst Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Drogenbanden, kündigten riesige Plakatwände das Jüngste Gericht an.

Weil Gott am Samstag bereits sein Urteil über die Errettung der Menschen gefällt habe, werde er seine Warnungen nicht mehr verbreiten, kündigte der Prediger nun an. Das sei ja sinnlos. Bis zum Ende der Welt am 21. Oktober werde sein Sender nur noch christliche Musik und andere christliche Programme ausstrahlen, kündigte er an.

Finanziell haben sich seine Prophezeiungen offenbar bereits ausgezahlt. Steuererklärungen zufolge hat der Konzern Campings in den vergangenen sieben Jahren mehr als 100 Millionen Dollar Spenden eingenommen. Vor allem in den letzten Monaten sind offenbar viele Spenden eingegangen.

Die US-Behörden angesichts der Verschwörungstheorien in Ironie: Die Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control (CDC) veröffentlichte in einem Internet-Blog "Verhaltensregeln" für den Fall einer Katastrophe - am Beispiel eines Weltuntergangsszenarios, bei dem Zombies auftauchen.

"Sie werden lachen, aber wenn es tatsächlich passiert, werden Sie froh sein, das hier gelesen zu haben", schreibt der Mediziner Ali Khan. "Und vielleicht lernen Sie ja sogar ein oder zwei Dinge darüber, wie Sie sich auf einen echten Notfall vorbereiten können."

Zwar widerspricht die Behörde den Prophezeiungen einiger Prediger, wonach die Welt untergehen wird, nicht ausdrücklich. Zugleich erklärt sie in ihrem offiziellen Internet-Blog: "Es gibt keine Katastrophe, auf die wir uns nicht vorbereiten können." Im Zombie-Fall sei es zunächst einmal ratsam, eine Notfall-Ausstattung im Haus zu haben, die Wasser, Lebensmittel und all die Dinge enthält, "die Sie über die ersten Tage bringen, bevor Sie dann ein zombiefreies Camp ausfindig machen", heißt es.

Für den Fall einer "Zombie-Apokalypse" versprechen die Behördenexperten zudem ihre Hilfe: "Sollten Zombies durch die Straßen schlendern, wird das CDC, wie beim Ausbruch jeder anderen Seuche auch, Ermittlungen durchführen."

Ungläubige machten sich dagegen einen Spaß aus der endzeitlichen Prophezeiung, indem sie Gläubigen Geld für ihr auf der Erde zurückgelassenes Hab und Gut anboten. Eine Gruppe von Atheisten ließ sich sogar dafür bezahlen, sich um die dann herrenlosen Haustiere zu kümmern.

Als die Apokalypse ausblieb, schlugen sie im Internet vor, sie zumindest nachzustellen, um die Gläubigen vor einer allzu großen Enttäuschung zu bewahren. Sie wollten bei angeblichen Himmelfahrten zurückgelassene Kleider und Schuhe auf Straßen und Wiesen auslegen oder aufblasbare Puppen in den Himmel steigen lassen.