"Ich habe die ganze Zeit nur fest gebetet": Ein Wirbelsturm wütet in Amerikas Mittlerem Westen und tötet mindestens 22 Menschen.
Scott Van Hoose hat fast alles verloren. Sein Haus in Picher im US-Bundesstaat Oklahoma ist ein Trümmerhaufen, und die beiden Wohnwagen, die in seinem Garten standen, sind einfach verschwunden. Vom Winde verweht, seit am Samstagabend ein Tornado über die Kleinstadt in Amerikas Mittlerem Westen fegte. Und dennoch betrachtet sich Scott Van Hoose als "einen Menschen, der Glück gehabt hat".
Bild der Zerstörung in Picher (© Foto: AP)
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Nicht nur, weil seine Frau und die Kinder jenen Wirbelsturm überlebten, der am Wochenende mindestens 22 Menschen das Leben kostete. In einer Notunterkunft des Roten Kreuzes von Oklahoma erzählt er den Journalisten wieder und wieder, wie er am Wochenende dem Tod ins Auge gesehen hat.
Gegen fünf Uhr nachmittags sei es gewesen, als er auf seiner Harley-Davidson auf der Landstraße fuhr und plötzlich sah wie vor ihm eine mächtige Windhose Stein und Schutt vom Boden aufsog und gen Himmel schleuderte. Van Hoosen gab Gas, aber die Gewalt der Natur war schneller. Verzweifelt warf sich der Mann samt Motorrad in einen Graben und sah zu, wie der Tornado samt Felssteinen und zersplittertem Holz über seinen Kopf hinwegzog: "Es war ein verdammter Wirbel, es pfiff ungeheuerlich," erzählt er, "ich habe die ganze Zeit nur fest gebetet."
Allein in Oklahomas Nachbarstaat Missouri töteten gleich mehrere Tornados 15 Menschen. Eine vierköpfige Familie starb, als ihr Auto auf einem Highway von einem Wirbel erfasst und durch die Luft geschleudert wurde. Gouverneur Matt Blunt sprach von 85 Verletzten, mehrere hundert Familien seien obdachlos.
Auch in Kansas und Arkansas verwüstete das Unwetter mehrere Dörfer. Stunden später, da die Sturmfront nach Osten weitergezogen war, meldete der Bundesstaat Georgia ein Todesopfer. Und in der Nacht zum Montag sorgten Ausläufer des Tiefdruckgebiets mit mächtigen Regenfällen sogar für Stromausfälle in der fernen US-Hauptstadt Washington. Für Pincher, wo Rettungskräfte bis zum Montag sechs Opfer aus den Trümmern bargen, könnte der Tornado das endgültige Todesurteil bedeuten.
Einst lebten hier 20.000 Menschen, doch nachdem die Erzminen seit Jahren erschöpft waren, blieben zuletzt nur noch 800 Einwohner zurück. Aufgrund massiver Bleibelastungen im Boden und in der Luft bemühten sich die Behörden seit Jahren, die Bevölkerung mit Förderprogrammen und lukrativen Entschädigungen zum Abzug aus Pincher zu bewegen. Nun durchzieht eine etwa 800 Meter breite Spur der Verwüstung das Städtchen.
Augenzeugen berichten, wie sie hilflos zusehen mussten, als der Tornado Autos und Kühlschränke durch die Luft warf und riesige Bäume entwurzelte. Eine Frau wurde am Sonntag aus den Trümmern ihres Badezimmers befreit: Sie hatte gerade in der Wanne gesessen, als der Wirbelsturm das Haus über ihr einstürzen ließ. Sie überlebte mit leichten Verletzungen.
Nach Angaben von Meteorologen kamen in diesem Jahr bei Wirbelstürmen in den USA bereits 96 Menschen ums Leben. Dies sei ein Rekord seit Beginn der amtlichen Statistik im Jahr 2000. Eine unmittelbare Erklärung für die Zunahme der Unwetter hatten die US-Behörden nicht.
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(SZ vom 13.05.2008/sonn)
Frauen in Saudi-Arabien