USA Supreme Court entscheidet über Hochzeitstorte für schwules Paar

Will nicht für gleichgeschlechtliche Hochzeitsfeiern backen: Jack Phillips.

(Foto: picture alliance/AP)
  • Im Juni 2015 hat der Oberste Gerichtshof der USA die gleichgeschlechtliche Ehe im ganzen Land erlaubt.
  • Dennoch gibt es immer wieder Fälle, in denen Standesbeamte, Floristen, Fotografen und Bäcker Aufträge absagten, als sie hörten, es handle sich um gleichgeschlechtliche Hochzeitsfeste.
  • Der mehr als fünf Jahre alte Fall um Konditor Jack Phillips hat bereits mehrere Gerichte beschäftigt, beide Seiten haben sich mit Anwälten versorgt und Lobbyorganisationen um sich geschart.
Von Sasha Batthyany, Washington

Im Juni 2012 betraten Charlie Craig und David Mullins eine Konditorei in einem Vorort von Denver. Die beiden Männer waren frisch verheiratet, sie mussten für die Trauung nach Massachusetts reisen, da die gleichgeschlechtliche Ehe in ihrer Heimat Colorado noch nicht legal war. Zurück in Denver planten sie ihr Hochzeitsfest. Die Torte sollte ausgefallen sein.

Dem Paar war die Konditorei von Jack Phillips empfohlen worden, der Bäcker sei ein Künstler, hatte man ihnen gesagt. Doch der hagere Mann schüttelte den Kopf. "Ich backe keine Torten für gleichgeschlechtliche Hochzeitsfeste", habe er gesagt und auf seine religiösen Ansichten verwiesen: "Tut mir leid, Leute." Craig und Mullins beschrieben diese Begegnung auf Facebook: "Wenn ihr denkt, das Verhalten des Bäckers sei diskriminierend, dann ruft in der Konditorei an und beschwert euch." Im "Masterpiece Cakeshop" klingelte es bald ununterbrochen. Phillips wurde beleidigt und als Schwulenhasser bezeichnet, vor seinem Geschäft demonstrierten Menschen mit Regenbogenfahnen.

All dies geschah vor mehr als fünf Jahren. Der Fall hat bereits mehrere Gerichte beschäftigt, beide Seiten haben sich mit Anwälten versorgt und Lobbyorganisationen um sich geschart. An diesem Dienstag nun nimmt sich der US-Supreme Court des Streits um die Hochzeitstorte an. Das Paar hat den Konditor verklagt. Ein Berufungsgericht gab ihnen recht und entschied, dass Phillips gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen habe. "Phillips hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Er darf auch seinen Kunden sagen, er halte die Schwulenehe für eine Sünde. Das Gesetz in Colorado aber verbietet, die Kunden nach ihrer sexuellen Orientierung auszuwählen", sagt James Esseks, Jurist der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union. Will Phillips seinen Laden behalten, muss er seine Hochzeitstorten also auch an Schwule und Lesben verkaufen.

Die Sicht des Konditors, der in Berufung ging, ist freilich eine andere. Er würde alle Menschen gleich behandeln, egal welcher Religion oder sexueller Neigung, sagt Phillips, ein nachdenklich wirkender Mann, in seiner Backstube. Ihm gehe es nur um diese Hochzeit, die er nicht unterstützen wolle. Für ihn gehören zu einer Ehe Mann und Frau, so stehe es in der Bibel, die dem Konditor alles bedeutet. Phillips verwies auf sein Recht auf Religionsfreiheit und freie Meinungsäußerung, die im ersten Zusatzartikel der Verfassung festgehalten seien. Für ihn sind seine Torten mehr als bloß Backwaren, es seien Aussagen, mit denen er sich zu einem Fest bekennen würde.

Phillips' Geschäft, ein Familienunternehmen, hat bereits 40 Prozent Umsatz eingebüßt, wer will schon eine Torte von einem Mann, der online als "böser Bäcker von Denver" bezeichnet wird? Er hatte mal zehn Mitarbeiter, nun seien es noch vier.

Im Juni 2015 hat der Oberste Gerichtshof der USA die gleichgeschlechtliche Ehe zwar im ganzen Land erlaubt. Der Widerstand ist in konservativ geprägten Bundesstaaten im Mittleren Westen und im Süden der USA aber weiterhin groß. Der Fall des Konditors aus Colorado ist längst nicht der einzige: Es gab Standesbeamte, die keine Schwulen und Lesben trauen wollten, es gab Floristen und Fotografen, die Aufträge absagten, als sie hörten, es handle sich um gleichgeschlechtliche Hochzeitsfeste.

"Es macht mir Angst, wenn der Staat dir befehlen darf, was du sagen darfst und tun musst und dich bestraft, wenn du es nicht tust", sagte die republikanische Abgeordnete Vicky Hartzler. Sie hatte in diesem Sommer bereits gefordert, Transgender aus dem Militär zu verbannen, weil sie eine "Gefahr für die USA" bedeuten würden. Rückendeckung erhält der Konditor auch von der Lobbyorganisation Alliance Defending Freedom (ADF), die von einem "Krieg gegen christliche Werte" spricht und die Rechte der LGBTQ-Gemeinschaft - stets unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit - beschneiden will. Zu den prominentesten Spendern der ADF gehört die Familie von Betsy DeVos, Donald Trumps Bildungsministerin. Selbst das US-Justizministerium hat sich zum Konditor bekannt. Phillips dürfe nicht gezwungen werden, an einem Fest teilzunehmen, das seinen religiösen Ansichten widerspreche, weil es "seine Grundrechte gefährde", hieß es in einem Schreiben des Ministeriums.

Vor dem Obersten Gerichtshof in Washington D.C. kam es übers Wochenende zu kleineren Demonstrationen. Einige hielten Schilder in die Kameras, welche die Homo-Ehe verteufeln, andere wähnen sich in den Fünfzigerjahren, als man Schwarzen in den Restaurants das Essen verweigerte. Das Paar selbst gibt sich zuversichtlich. "Fünf Jahre dauert dieser Streit bereits. Wir sind sicher, dass uns auch der Supreme Court recht geben wird und es sich gelohnt hat, dafür zu kämpfen", sagten sie im Fernsehen. Und fügten hinzu: "Alles, was wir wollten, war eine Torte für das Fest der Liebe."

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