USA Notstand in L. A.

Seit Monaten entweichen große Mengen Methangas aus einem unterirdischen Reservoir bei Los Angeles. Experten nennen die Situation "katastrophal".

(Foto: Enviromental Defense Fund And Ea/dpa)

Katastrophales Gasleck: In Kalifornien tritt seit Wochen Gas aus. Anwohner leiden an Nasenbluten und Übelkeit.

Zwischen den Bergen Hollywoods und dem Ocean Front Walk in Venice Beach herrscht eigentlich immer Ausnahmezustand. Aber seit einigen Monaten gibt es in Los Angeles gravierendere Lecks als die üblichen fingierten undichten Stellen, durch die intime Details über Filmstars und andere Personen nach draußen dringen, die gerne im Gespräch bleiben wollen. Wegen eines Gaslecks, das seit Monaten nicht in den Griff zu bekommen ist, hat Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown am Mittwoch in einem Vorort von Los Angeles den Notstand ausgerufen. Damit können alle Behörden Kaliforniens "ihr Personal, ihre Ausrüstung und ihre Infrastruktur" einsetzen, um die öffentliche Gesundheit zu schützen und den betroffenen Anwohnern zu helfen, erklärte Brown. Seit Mitte Oktober sind bereits 80 000 Tonnen Erdgas aus einem unterirdischen Speicher ausgetreten, den der Gasanbieter Southern California Gas Company in den Santa Susana Mountains im Vorort Porter Ranch unterhält, knapp 50 Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums. Pro Stunde entweichen derzeit nach offiziellen Angaben weitere 30 000 bis 58 000 Kilogramm Gas. Das entspreche einem Viertel der Methanemission in ganz Kalifornien.

Mehrere tausend Menschen mussten vorübergehend ihre Häuser verlassen, zwei Schulen wurden geschlossen. Die Betroffenen klagten über Nasenbluten, Übelkeit und Kopfschmerzen. Manche verbrachten Weihnachten in Notunterkünften. Das Gas ist Fachleuten zufolge nicht direkt gesundheitsschädlich. Ihm sind jedoch aus Sicherheitsgründen übel riechende Chemikalien beigemischt, weshalb es auch Atembeschwerden und Schwindelgefühl auslösen kann. Zudem könnte das Gas, das überwiegend aus dem treibhauswirksamen Methan besteht, Umweltschäden auslösen. Die Umweltwissenschaftlerin Stephanie Pincetl von der Universität von Kalifornien in Los Angeles bezeichnete das Leck als "katastrophal". Es handle sich um "eine der verheerendsten Umweltkatastrophen in der Geschichte Kaliforniens", sagte der Stadtrat Mitchell Englander, der gemeinsam mit einer Bürgerinitiative seit Monaten versucht, den Gouverneur Brown zum Handeln zu bewegen.

Am Montag endlich besuchte der Gouverneur die betroffene Gegend, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Das hat ihn offenbar überzeugt: Sein Büro werde die weitere Entwicklung genau beobachten und die Betroffenen regelmäßig informieren, versprach Brown. Er forderte die Southern California Gas Company zudem auf, das Leck in 2400 Meter Tiefe schleunigst zu schließen, die Sicherheit von Anwohnern und Arbeitern zu gewährleisten sowie alle Kosten zu übernehmen. Eine Unternehmenssprecherin versicherte, dass alles dafür getan werde. Bis das Leck komplett abgedichtet sei, könnten aber noch drei Monate vergehen. Gas befindet sich jedenfalls noch jede Menge in dem Reservoir: Es gehört zu den größten unterirdischen Gasspeichern des Bundesstaates und enthält genügend Erdgas, um die Versorgung Südkaliforniens einen Monat lang zu gewährleisten.