USA Lebenslang für Mord an Abtreibungsarzt

Er tötete, um Leben zu schützen: Vor Gericht zeigte sich der Mörder eines prominenten US-Abtreibungsarzt uneinsichtig - nun ist er zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Für den Mord an einem prominenten amerikanischen Abtreibungsarzt ist der Todesschütze zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Scott Roeder (52) muss nach der Entscheidung eines Gerichts im US-Staat Kansas für mindestens 50 Jahre hinter Gitter, bevor eine Bewährung infrage komme, berichtet die Zeitung The Kansas City Star.

Geschworene hatten Roeder Ende Januar einstimmig für schuldig befunden. Der militante Abtreibungsgegner und radikale Christ hatte seine Tat damit gerechtfertigt, ungeborene Kinder schützen zu wollen.

Der 67-Jährige Tiller hatte eine von drei Kliniken in den USA geleitet, die auf Schwangerschaftsabbrüche im fortgeschrittenen Stadium spezialisiert sind. Er war seit vielen Jahren Zielscheibe friedlicher und gewalttätiger Proteste von Abtreibungsgegnern.

Roeder hatte vor Verkündung des Strafmaßes noch einmal den Staat und seine Abtreibungsgesetze dafür verantwortlich gemacht, dass er zur Waffe griff. "Hätten die Gerichte gerecht gehandelt, hätte ich Georg Tiller nicht erschossen. Die Schuld für den Tod von Georg Tiller liegt mehr bei dem Staat Kansas als bei mir."

Er habe den Abtreibungsarzt "gestoppt, damit er nicht noch ein unschuldiges Baby zerstückeln kann", sagte der Todesschütze weiter. Roeder war kurz nach der Tat festgenommen worden. Er gestand in seinem Prozess, den Arzt im Eingangsbereich der Kirche erschossen zu haben, bekannte sich aber nicht schuldig, weil der Mord an dem Abtreibungsarzt in seinen Augen gerechtfertigt war.

Tiller war nach Medienberichten der wohl umstrittenste Abtreibungsarzt der USA. Demnach war bereits 1993 ein Anschlag auf ihn verübt worden, bei dem er Schussverletzungen in beiden Armen erlitt. Mitte der 1990er Jahre wurde seine Klinik bei einem Bombenanschlag schwer beschädigt. Regelmäßig hatten Abtreibungsgegner vor seiner Klinik und seinem Privathaus demonstriert. Wiederholt wurde Tiller unter Polizeischutz gestellt.

"Sieg für die nationale Bewegung gegen Abtreibung"

Nach Roeders Tat ist es für Schwangere schwieriger geworden, in Kansas abzutreiben. Tillers Klinik ist geschlossen - sie war die letzte in Kansas, die Schwangerschaftsabbrüche nach der 21. Woche durchführte. Zudem bemühen sich konservative Abgeordnete, das Abtreibungsgesetz des Staates zu verschärfen.

"Die nationale Bewegung gegen Abtreibung hat hier einen großen Sieg erzielt", sagte Warren Hern, ein langjähriger Freund des Getöteten, der selbst in Colorado Schwangerschafts-Spätabbrüche durchführt. "Sie haben genau das erreicht, was sie wollten."