Wären die Behörden bei der Überwachung eines vorbestraften Vergewaltigers aufmerksamer gewesen, hätte Jaycee Lee Dugard womöglich früher befreit werden können. Nun will der Staat Kalifornien Wiedergutmachung leisten.
Am 19. Juni 1991 verschwindet im kalifornischen South Lake Tahoe ein elfjähriges, blondes Mädchen spurlos. Am 27. August 2009 betritt eine junge Frau ein Polizeirevier im knapp 300 Kilometer entfernten Concord. Dazwischen liegen 18 Jahre. 18 Jahre, in denen Jaycee Lee Dugard in einem Hinterhof gefangen gehalten wird, abgeschirmt von der Außenwelt. 18 Jahre, in denen sie von ihrem Peiniger Phillip Garrido immer wieder missbraucht wird; zwei Töchter zeugt der vorbestrafte Sexualstraftäter mit seinem Opfer.
Jaycee Lee Dugard auf dem Cover der Oktoberausgabe des US-Magazins "People": Das Entführungsopfer soll nun für ihre 18-jährige Leidenszeit zumindest finanziell entschädigt werden. (© Reuters)
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Nun soll die heute 30-Jährige für ihre 18-jährige Leidenszeit zumindest finanziell entschädigt werden: Das kalifornische Parlament hat einer Zahlung in Höhe von 20 Millionen Dollar (etwa 16 Millionen Euro) zugestimmt, berichtet die Los Angeles Times. Dugard hatte nach ihrer Befreiung im vorigen August für sich und ihre beiden Kinder einen Antrag auf staatliche Hilfe für Verbrechensopfer gestellt. Nach Angaben eines Regierungsvertreters muss nun noch Gouverneur Arnold Schwarzenegger den Vergleich unterzeichnen. Die Parlamentarier werteten den Fall Dugards, die im vergangenen Sommer nach 18 Jahren Gefangenschaft freikam, als "unvergleichlich und tragisch".
Polizei räumt Fehler ein
Die Behörden hatten zuvor eingeräumt, bei der Überwachung des vorbestraften Garrido schwere Fehler gemacht zu haben. Dugard hätte bei einer gründlicheren Arbeit der Polizei möglicherweise schon früher entdeckt werden können.
Garrido und seine Frau Nancy wurden schließlich erst im August vergangenen Jahres festgenommen, als sie gemeinsam mit Dugard und den Kindern auf der Polizeiwache erschienen. Zuvor war Garrido der Polizei aufgefallen, als er gemeinsam mit den beiden Mädchen im Teenageralter religiöse Flugblätter auf dem Campus der Universität Berkeley verteilt hatte. Im Rahmen der Befragung auf dem Revier kam dann die wahre Identität Dugards ans Licht.
Phillip und Nancy Garrido sind wegen Entführung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung angeklagt.
Im März hatte sich Dugard erstmals in einem Video an die Öffentlichkeit gewandt. "Ich möchte allen für die Unterstützung danken und bestätigen, dass es mir gut geht. Es braucht seine Zeit, aber ich erhole mich langsam." Die junge Frau lebt heute mit ihren Töchtern an einem unbekannten Ort. Rechtsexperten rechnen damit, dass die junge Frau während des erwarteten Prozesses gegen ihren Entführer aussagen wird.
Das zugesprochene Geld werde dafür verwendet, um Dugard und ihren zwölf und 15 Jahre alten Töchtern ein Haus zu kaufen, sagte der pensionierte Richter Daniel Weinstein, der als Mediator den Vergleich ausgehandelt hatte. Außerdem werde das Geld gebraucht, um die Privatsphäre der Familie zu schützen, die Ausbildung der Kinder zu bezahlen, entgangenes Einkommen zu ersetzen und für die Kosten der wahrscheinlich jahrelangen Therapie aufzukommen. Der größte Teil der Summe soll langfristig angelegt werden.
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(AFP/apn/dpa/jobr/juwe)
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Schön, dass hier versucht wird, dem Opfer so unbürokratisch Hilfe zu leisten und dass ein Vergleich ausgehandelt werden konnte. In Deutschland undenkbar. Hier würden die Behörden jegliche Schuld von sich weisen und das Opfer würde maximal mit Peanuts "abgefunden".