Von R. Deininger

Er holte Teenager für Strafpredigten aus dem Bett und schwang im Zweifelsfall auch mal den Schlagstock: Im US-Staat Mississippi steht ein Bürgermeister wegen unorthodoxer Amtsführung vor Gericht.

Sehr gerne wäre er dabei, antwortete Bürgermeister Melton unlängst auf eine Einladung zu einer Kundgebung im Mai, "vielen Dank". Aber er werde es wohl leider nicht einrichten können: "Ich bin da wahrscheinlich im Gefängnis."

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Not amused: Bürgermeister Frank Jackson bei Gericht (© Foto: AP)

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Seit vier Jahren regiert Frank E. Melton, der von jedermann nur Frank genannt werden will, die knapp 200.000 Einwohner von Jackson, der ärmlichen Hauptstadt des US-Bundesstaats Mississippi. Jackson hat eines der schönsten Parlamentsgebäude des Landes und ein paar hinreißende Soul-Clubs, aber ansonsten hat Jackson vor allem Probleme. Das schlimmste ist die Kriminalität.

Frank hatte versprochen aufzuräumen, innerhalb von 90 Tagen werde er alle Gangster aus der Stadt jagen. Mit 88 Prozent der Stimmen zog er damals ins Rathaus ein, die Menschen glaubten, da sei endlich einer, der richtig anpacken wollte. Und wirklich: Frank, der zugereiste Texaner, der vorher einen lokalen Fernsehsender geleitet hatte, packte an.

Unter dem Anzug trug Bürgermeister Melton stets eine kugelsichere Weste und eine Pistole, und gelegentlich steckte er sich noch eine weitere in die Socken. Er ließ sich zwei Polizeimarken anfertigen, für sich und für seinen Hund. Fast täglich zog er durch die schlechten Viertel seiner Stadt.

Nachts holte er Teenager aus dem Bett, um sie mit markigen Worten über die Gefahren von Drogen zu belehren. Bodyguards standen mit Maschinenpistolen dabei. Die Menschen hielten ihn für etwas exzentrisch, aber so war er eben, ihr Bürgermeister. Einmal, hört man, habe er auf dem Interstate einen Schulbus anhalten lassen, weil er die Kinder umarmen wollte.

Vor drei Jahren ging er zu weit

Im August 2006 ging Melton zu weit. Er führte eine kleine Gefolgschaft, darunter Polizisten und Vorbestrafte, zu einem heruntergekommenen Doppelhaus in der Ridgeway Street. Ohne jede juristische Handhabe demolierten die Männer das Gebäude mit Vorschlaghämmern, der Bürgermeister selbst schwang einen Schlagstock. Er vermutete Drogen in dem Haus, aber er fand keine.

Der Bundesstaatsanwalt klagte Melton wegen Verletzung der Bürgerrechte der Bewohner an. Zwei Prozesse überstand der 60-Jährige wundersam ohne Schuldspruch - formale Komplikationen, das kann passieren im alten Süden. Jetzt beginnt ein drittes Verfahren; die Anklage gibt sich zuversichtlich, diesmal eine Verurteilung zu erreichen.

Melton ist derzeit viel vor Gericht, just hat er durchgesetzt, dass ihm seine Demokratische Partei das Antreten zur Wiederwahl nicht verbieten darf. 14 Kandidaten wollen ihn im Juni ablösen, "jeder bis auf meinen Nachbarn", sagt der Bürgermeister. Doch die Umfragen geben Melton, dem Macher, durchaus Chancen.

Die Statistiker der Bundespolizei FBI teilen derweil mit: Das Verbrechen in Jackson hat zuletzt stark zugenommen.

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(SZ vom 24.04.2009/aho)