US-Webseiten verkaufen Sexspielzeug für Gläubige Geschenk des Himmels

"Verheirateter Sex: Pikant, wie Gott ihn vorgesehen hat": Die Amerikanerin Lael Harrelson verkauft in ihrem Onlineshop sittliches Sexspielzeug für strenggläubige Christen. Auch für Experimentierfreudige anderer Glaubensrichtungen gibt es im Netz ein reichhaltiges Angebot erotischer Hilfsmittel.

Von Bernadette Calonego, Vancouver

Gott hat Adam und Eva erschaffen, aber nicht den Vibrator: Daran führt kein Weg vorbei. Für viele ist der Brummer trotzdem ein Geschenk des Himmels, neuerdings auch für Strenggläubige in Nordamerika. Dank religiöser Anbieter können Christen der Lust frönen, ohne dem Laster zu verfallen. Im Internet gelangen sie an erotische Hilfsmittel und erhalten als Bonus eine biblische Rechtfertigung dazu. Etwa von Lael Harrelson, die christliche Sexspielzeuge im Internet verkauft: "Gott hat den Sex erfunden, und seine Gefolgschaft sollte das Beste daraus machen", sagt die 43-jährige Amerikanerin aus Colorado.

Auf ihrer Webseite Covenant Spice geht es sauber und sittlich zu: Harrelson zeigt keine Nackten, nichts Obszönes und vor allem keine Pornografie. Ob federbesetzte Handschellen, Reizwäsche oder flüssiger Latex: Gottgefällig muss es sein. Harrelson will Gottesfürchtigen den Gang zum schmuddeligen Sexladen ersparen, denn "der ist eher für einsame Männer, die immer noch bei der Mutter leben". Sonst aber dürften konservative Christen getrost mal mit Gummi und Leder spielen. Dem stehe auch die Bibel nicht im Weg, die sei ja in Sachen Sex zum Teil sehr explizit, sagt Harrelson - "und noch expliziter, wenn man die Anspielungen versteht".

Aber der Spaß hört auf, wenn es um Schwule, Lesben und Singles geht. Als Christin glaubt Harrelson, Sex sei allein in der Ehe zwischen Mann und Frau erlaubt. Bis zu 20 Produkte verkauft sie pro Tag, die meisten Bestellungen um die 100 Dollar. Ihre drei Kinder wüssten nur, dass sie Dinge "für Mummys und Daddys" verpacke.

"Verheirateter Sex: Pikant, wie Gott ihn vorgesehen hat"

Auch andere Anbieter haben die experimentierfreudigen christlichen Paare entdeckt. "Verheirateter Sex: Pikant, wie Gott ihn vorgesehen hat", verheißt etwa die Webseite Christian Nymphos. Zauderern stärken Webseiten wie The Marriage Bed (das Ehebett) den Rücken und geben Rat: Sind Rollenspiele und sexuelle Fantasien des Teufels?

In den USA und Kanada liefern heute etwa ein Dutzend Online-Läden bibelfreundliche Instrumente für das kreative Treiben zwischen den Laken. "Es ist ein riesiger Markt, der noch weitgehend brach liegt", sagt Pamela Dickey Young, Professorin für Religion an der Queen's Universität in Toronto.

Solange es der ehelichen Liebe dient, sind Sexspielzeuge auch in anderen Religionen willkommen. Vibratoren können nicht nur christlich, sondern auch koscher sein. Auf der Seite koshersextoys.net gibt es zwar das übliche Angebot, aber jüdische Paare haben weder unzüchtige Bilder noch krude Texte zu fürchten. "Sie werden nie etwas sehen, das Sie erröten lässt", versprechen die Betreiber.

Muslime kommen ebenfalls auf ihre Kosten, dank der niederländischen Webseite El Asira, die streng trennt zwischen männlicher und weiblicher Kundschaft. Beide Geschlechter müssen allerdings ohne Vibratoren und Dildos auskommen.

Dass der Vatikan Kondome verdammt, blendet Lael Harrelson galant aus. Ihre fluoreszierenden Verhüterli verströmen Licht in der Dunkelheit - was ja eine schöne Metapher ist.