US-Justiz Black-Panther-Aktivist nach vier Jahrzehnten Einzelhaft entlassen

Frei nach mehr als 40 Jahren Einzelhaft: Albert Woodfox (links).

(Foto: AP)
  • In den USA ist ein Häftling nach mehr als 40 Jahren Einzelhaft entlassen worden.
  • In der Geschichte der Vereinigten Staaten saß kein anderer Häftling so lange in Isolationshaft wie Albert Woodfox.
  • Der frühere Black-Panther-Aktivist war 1972 wegen Mordes an einem weißen Wärter verurteilt worden.
  • Er beteuert bis heute seine Unschuld - um freizukommen, musste er aber zustimmen, sich nicht weiter gegen den Tatvorwurf zu verteidigen

Mehr als vier Jahrzehnte war Albert Woodfox in Einzelhaft eingesperrt. Seine Zelle maß knapp fünf Quadratmeter, 2,70 Meter lang, 1,80 Meter breit. In der Geschichte der Vereinigten Staaten saß kein anderer Häftling so lange in Isolationshaft wie er. Am Freitag dann, seinem 69. Geburtstag, wurde Woodfox entlassen. Zusammen mit einem weiteren Schwarzen, Herman Wallace, war er wegen der Ermordung eines weißen Gefängniswärters in der Haftanstalt Angola in Louisiana im Jahr 1972 zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Woodfox, Wallace und ein dritter Mitgefangener, Robert King, gehörten zur radikalen Bewegung der Black Panthers, die sich dem Schutz von Afroamerikanern vor Polizeigewalt verschrieben hatte. Die "Angola Three" gerieten nach eigenen Angaben ins Visier der Gefängnisbehörden, weil sie gegen Missstände und Rassismus in dem auf einer ehemaligen Sklavenplantage erbauten Gefängnis aufbegehrten.

Woodfox bestreitet bis heute jedes Mitwirken an der Tötung des Wärters Brent Miller. Er war ohne Beweise auf Grundlage der Aussage von drei Häftlingen verurteilt worden. Der Fall der drei Männer sorgt seit Jahren für scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International.

Entlassen kurz vor dem Tod

Woodfox kam als Letzter der "Angola Three" auf freien Fuß. King erlangte die Freiheit 2001, nachdem ein Gericht seine Verurteilung wegen Ermordung eines Mitgefangenen aufgrund von Verfahrensfehlern aufhob. Herman Wallace wurde im Oktober 2013 im Hinblick auf einen neuen Prozess entlassen und starb drei Tage später an Krebs.

Woodfox' Freilassung ging ein langer Rechtsstreit mit der Justiz des US-Bundesstaats Louisiana voraus. Zwei Mal wurde seine Verurteilung wegen Diskriminierung und mangelhafter Verteidigung aufgehoben. Im vergangenen Juni ordnete ein Richter an, Woodfox mit sofortiger Wirkung auf freien Fuß zu setzen, weil nach so langer Zeit nicht mehr mit einem fairen Prozess zu rechnen sei. Doch die Justizbehörden wollten Woodfox zum dritten Mal den Prozess machen, ein Berufungsgericht kippte die Entscheidung des Richters.

Bitterer Deal für die Freiheit

Wegen seines schlechten Gesundheitszustands und seines Alters stimmte Woodfox jetzt einem Deal zu, wonach er - ohne ausdrückliches Schuldeingeständnis - zustimmte, sich nicht weiter gegen den Tatvorwurf zu verteidigen. Wie er erklärte, hatte er eigentlich vorgehabt, in einem neuen Verfahren seine Unschuld zu beweisen. Louisianas Generalstaatsanwalt Jeff Landry erklärte, das Arrangement diene der Gerechtigkeit. Woodfox sei wegen des Mordes an Miller verurteilt und habe dafür gebüßt.

"Auch wenn wir extrem glücklich sind, dass Albert Woodfox endlich frei ist, ist es nicht zu rechtfertigen, dass er gezwungen war, Jahrzehnt um Jahrzehnt diese (...) Isolationshaft zu erdulden, länger als irgendein anderer Häftling in der Geschichte der Vereinigten Staaten", erklärte Woodfox' Anwalt George Kendall.

Ohne jeden menschlichen Kontakt

Etwa 100 000 Häftlinge in den USA sind 23 von 24 Stunden am Tag in einer Einzelzelle inhaftiert. Sie haben praktisch keinen menschlichen Kontakt. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, sagte vor Reportern, Präsident Barack Obama sei davon überzeugt, dass Isolationshaft "angemessen und sparsam" eingesetzt werden sollte. Der Präsident wolle diese Praxis künftig einschränken.