Urteil Seitenbacher-Erpresser muss in Haft

  • Ein 63-Jähriger, der den Müsli-Hersteller Seitenbacher erpresst hat, ist zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.
  • Der Mann gestand gleich bei Prozessbeginn. Er hatte eine Million Euro gefordert und gedroht, die Töchter von Unternehmens-Chef Willi Pfannenschwarz umzubringen und das Müsli zu vergiften.
  • Auf die Idee kam der Täter durch einen Fernsehsendung.
Von Josef Kelnberger, Stuttgart

Ursprünglich wollte Willi Pfannenschwarz Rockmusiker werden. "Ich komm' aus der Hippiezeit und wollt halt auch ein bisserl die Welt verändern", hat er einmal gesagt. Statt mit Musik versucht er dies nun mit gesunder Ernährung. Mit Müsli. An seine alte Leidenschaft erinnern noch die schwarze Resthaar-Mähne und das Tonstudio im heimischen Keller. Dort mischt Pfannenschwarz seit vielen Jahren selbst erfundene und selbst gesprochene Werbespots wie diesen ab: "Karle, du sollschd emol e Seitenbacher Müsli esse. Na hädschd auch net immer die Probleme mit deiner Verdauung." Das muss man sich erstmal trauen: mit Verdauungsproblemen werben.

Oft wird Pfannenschwarz als "Herr Seitenbacher" angesprochen, obwohl der Seitenbach nur das Gewässer ist, das an der Mühle seines Vaters vorbei führte, zu Hause in Waldenbuch, Landkreis Böblingen. Es gab dem Unternehmen, das mittlerweile im Neckar-Odenwaldkreis angesiedelt ist, seinen Namen. Die schwäbelnde Leierstimme des Chefs ist aus der Werbung in Radio und Fernsehen berühmt. Bei manchen sensiblen Gemütern ist sie auch berüchtigt, wegen ihrer aufdringlichen Bodenständigkeit. Der Unternehmer Willi Pfannenschwarz gilt aber als zurückhaltender Mensch. Umso mehr scheut er nun die Öffentlichkeit - nachdem er Opfer einer Erpressung geworden ist.

Ein Drohbrief mit der Forderung: eine Million Euro

Der Täter, ein 63-jähriger Mann aus Neubrandenburg, wurde am Donnerstag vom Landgericht Mosbach, 30 Kilometer nördlich von Heilbronn, zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er soll Pfannenschwarz am 13. Oktober 2014 aus Berlin einen Drohbrief geschrieben haben. Seine Forderung: eine Million Euro. Falls der Firmeninhaber nicht zahle, werde er dessen Töchter von Scharfschützen erschießen lassen und Seitenbacher-Produkte in Supermärkten vergiften. Pfannenschwarz sollte dem 63-jährigen Mann mit zwei Inseraten in der Berliner Zeitung signalisieren, dass er bereit ist zu zahlen. Er ging zum Schein darauf ein, doch bei der geplanten Geldübergabe am 24. Oktober am Berliner Alexanderplatz schlug die Polizei zu.

Für den Prozess in Mosbach war nur ein Verhandlungstag angesetzt und nur ein Gutachter vorgeladen. Der Täter legte gleich zu Beginn ein Geständnis ab. "Ich hab' den blöden Erpresserbrief geschrieben, ja", sagte er. "Ich habe zufällig eine Fernsehsendung gesehen, da ging es erst um Rittersport und dann um die Firma Seitenbacher, und da kam ich auf diese blödsinnige Idee." Auch Rittersport ist ein schwäbisches Unternehmen, betreibt aber eher konventionelle Werbung.

Die Töchter sind in Werbespots zu hören - "läckerläckerläcker"

Willi Pfannenschwarz beschäftigt nach eigenen Angaben 140 Mitarbeiter und produziert neben Müslis auch Speiseöle, Backmischungen, vegetarische Fruchtgummis oder Eiweißprodukte für Sportler. Seine Ehefrau Ute kümmert sich um die Finanzen. Die Zwillingstöchter Sarah und Liza, die von dem Erpresser bedroht wurden, sind für Einkauf respektive Erscheinungsbild der Marke zuständig, ihre Stimmen sind auch mal in den Werbespots zu hören: "läckerläckerläcker". Pfannenschwarzs Sohn Harry tauchte vor einigen Jahren in die Bodybuilder-Szene in Florida ein und kümmert sich nun um den Vertrieb von Eiweiß-Riegeln und Protein-Nudeln in den USA. Die Marke heißt "Harry P."

Auch für die amerikanischen Fitness-Freaks hat Willi Pfannenschwarz schon Radiospots entworfen und selbst gesprochen: "Seitenbacher - easy to eat, hard to spell." Leicht zu essen, schwer auszusprechen.