Er saß schon in Untersuchungshaft, wurde dann wieder freigelassen. Nach der Aufregung um eine Justiz-Panne muss ein 59-jähriger Sexualtäter ins Gefängnis.

Ein Kinderschänder, der nach einer Pannenserie bei der Justiz freigelassen worden war, ist wieder hinter Schloss und Riegel. Das Mönchengladbacher Landgericht verurteilte den 59-Jährigen wegen schweren und einfachen sexuellen Missbrauchs zu fünfeinhalb Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung. Um das Vertrauen der Eltern zu erschleichen, habe der Mann sich sogar als "Pädophilen-Jäger" ausgegeben, der die Kinder beschützen wolle, sagte der Vorsitzende Richter. Ein Psychiater stufte den Verurteilten als gefährlichen Wiederholungstäter mit hoher Rückfallgefahr ein.

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Der angeklagte 59-Jährige wurde zu fünfeinhalb Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. (© Archivfoto: dpa)

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Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft gefordert. Der Mann hatte von Mai 2006 bis August 2008 zwei elf und zwölf Jahre alte Mädchen aus der Nachbarschaft sexuell missbraucht. Weil dem Oberlandesgericht das Verfahren zu lange dauerte, hatte es den Mann nach neun Monaten Untersuchungshaft auf freien Fuß gesetzt.

Grund für die umstrittene Freilassung war die seit vier Jahren deutlich verschärften Rechtsprechung des Verfassungsgerichts: Vermeidbare Verzögerungen dürfen sich nicht häufen. Sitzt er unverhältnismäßig lange ohne Verfahren im Gefängnis, muss der Verdächtige freigelassen werden. So soll verhindert werden, dass ein Verdächtiger länger als nötig in Untersuchungshaft sitzt.

"Der Angeklagte strotzte vor Selbstmitleid und Schuldzuweisungen an andere", sagte der Staatsanwalt. Bei dem Mann waren Videos entdeckt worden, die ihn beim Missbrauch einer Elfjährigen zeigen.

"Die Filme dokumentieren in abscheulicher Weise die Handlungen des Angeklagten." Der Mediengestalter habe den Kindern auch sadistische Porno-Filme gezeigt, in denen gefesselte Kinder gequält und vergewaltigt werden.

Nach der Pannenserie bei der Mönchengladbacher Justiz war der Chef der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft versetzt worden. Wenig später waren weitere Versäumnisse in der Behörde bekanntgeworden, von denen noch weitere mutmaßliche Kinderschänder profitierten.

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(dpa/lnw/jab/bica)