Nach dem grausamen Mord an Nina und Tobias steht das Urteil gegen Jan O. fest: Der Mann, den die Familien der Opfer nur noch "das Monster" nannten, muss lebenslang ins Gefängnis. Das Göttinger Landgericht verhängte damit ein überraschend hohes Strafmaß. Der 26-Jährige kommt voraussichtlich nie wieder frei - und doch quält die Angehörigen weiterhin eine Frage.
Das Leid, das der Doppelmörder von Bodenfelde angerichtet hat, kann nicht ungeschehen gemacht werden. Aber er kommt deswegen voraussichtlich nie mehr in Freiheit. Das Landgericht Göttingen hat für den Mörder von Nina und Tobias die höchstmögliche Strafe verhängt.
Lebenslange Haft für Doppelmörder von Bodenfelde
Anzeige
Für die Familien der getöteten Teenager Nina und Tobias ist der Täter schlicht "das Monster". Ihre 13 und 14 Jahre alten Kinder begegneten dem schwer persönlichkeitsgestörten Jan O. im beschaulichen Bodenfelde im falschen Moment und wurden dadurch Opfer unterträglich grausamer Verbrechen.
Bei der Urteilsverkündung sprach der Vorsitzende Richter von einer "unvorstellbaren Dimension des Unrechts". Das Landgericht Göttingen verurteilte den 26-Jährigen wegen zweifachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe, er wird in die Psychiatrie eingewiesen. Außerdem wird für den Drogen- und Alkoholkranken die Sicherungsverwahrung angeordnet. Nach dem Urteil der Schwurgerichtskammer soll der Doppelmörder von Bodenfelde nie wieder jemandem Leid zufügen können.
"Das Monster" bleibt voraussichtlich für immer weggesperrt - es sei denn, Gutachter erklären den 26-Jährigen irgendwann in ferner Zukunft für ungefährlich. Experten hatten Jan O. im Prozess eine schwere Persönlichkeitsstörung nach einem völlig zerrütteten Lebensweg attestiert. Kennzeichnend sei das "völlige Unbeteiligtsein gegenüber Gefühlen anderer". Bei seinen Bluttaten wurde der Vorbestrafte zum Kannibalen und Vampir. Der Gutachter sprach von einem "Hochrisiko-Profil" und einer "extrem ungünstigen Prognose".
Hätten die Taten verhindert werden können?
Auch wenn der 3400-Einwohner-Flecken Bodenfelde nach Abschluss des Prozesses mit all seinen widerwärtigen Details irgendwann wieder Ruhe findet - für die Eltern ist das kaum vorstellbar. Die Mutter von Nina etwa hörte im Gerichtssaal das 19-seitige Geständnis der "Tatabläufe, für die ich mich schäme", wie Jan O. sagte, in voller Länge an. Nina starb demnach praktisch in Hörweite ihres Elternhauses einen qualvollen Tod. Und Tobias geriet in die Fänge seines Mörders wohl nur deshalb, weil dieser ihn wegen seiner langen Haare zunächst für ein Mädchen hielt. "Ich weiß auch nicht, was mich da geritten hat", sagte der Täter lapidar in seinem letzten Wort.
Offen und für die Angehörigen schmerzhaft bleiben wird die Frage, ob die Morde - oder zumindest der an Tobias - nicht hätte verhindert werden können. Jan O. hatte sich in der Zeit vor den Bluttaten nicht an Bewährungsauflagen gehalten, Bodenfeldes Bürgermeister Hartmut Koch hatte der Staatsanwaltschaft deswegen vorgeworfen, keinen Sicherungshaftbefehl beantragt zu haben. Und nach dem Mord an Nina hatte die Polizei zunächst keine Öffentlichkeitsfahndung eingeleitet, weil das Mädchen angeblich noch im Ort gesehen wurde und schon einmal von zu Hause ausgerissen war.
Wäre offensiver gefahndet und Nina möglicherweise schneller entdeckt worden - womöglich wäre es zum Mord an Tobias nicht mehr gekommen.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
- Thema
- Doppelmord Bodenfelde RSS
- Mord-Prozess in Göttingen Lebenslange Haft für Mörder von Bodenfelde 27.06.2011
- Prozess: Doppelmord von Bodenfelde Jan O. sieht sich selbst als Opfer 17.05.2011
- Prozess: Doppelmord von Bodenfelde Verteidigung fordert Bonus für Jan O. 21.06.2011
- Doppelmord von Bodenfelde Anklage fordert lange Haftstrafe für Jan O. 20.06.2011
- Urteil im Bodenfelde-Prozess Verteidiger will in Revision gehen 28.06.2011
- Bodenfelde: Doppelmord Jan O. bedrohte weiteren Jugendlichen 09.05.2011
(dpa, Michael Evers/cag/gal)
Studie zur Beliebtheit der Deutschen
denn nicht alles ist heilbar ...
"Die Neuvermessung des Bösen Teil 1 Das Verbrecherhirn"
http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/06/12/dlf_20110612_1630_f58d220b.mp3
"Die Neuvermessung des Bösen - Teil 2: Die Verbrecherpsyche"
http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/06/13/dlf_20110613_1630_6eec3a9c.mp3
"Unter all dem Gedöns bleibt die Frage unberücksichtigt, wie es kommen kann, dass sich ein Mensch so entwickelt. Wer zukünftige Greueltaten verhindern will, darf nicht die Strafen erhöhen, sondern muss den Lebensweg des Täters analysieren und herausfinden, was wann schief gegangen ist."
Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Es ist nun absolut nicht wichtig darüber nachzudenken, ob der Mann mit dem richtigen Strafmaß verurteilt wurde und wie man ihn evt. therapieren könnte, um ihn irgendwann doch wieder in Freiheit zu setzen.
Wichtiger ist es, heraus zu finden, wie sich das Leben so entwickeln konnte, dass solche schlimmen Taten dabei heraus kommen konnten. Das könnte in der Tat helfen, die ein oder andere zukünftige Gewalttat zu verhindern.
Was meinen Sie damit? Dass speziell Familien, die die von Ihnen genannten äußeren Ideale anstreben, aber nicht erreichen, solche Psychopathen produzieren? Wie wäre es mal mit ein paar anderen Klischees: Kinder in Alleinerziehenden- oder Patchwork-Familien, arm, weil Hartz IV und statt Reihenhaus nur eine Etagenwohnung im Plattenbau und das ganze in einem herunter gekommenen Milieu einer x-bliebigen Großstadt? Mutter/Vater oder beide Alkoholiker, keine Zeit und Motivation für ihre Kinder usw. usw.
Ich denke mit Klischees kommt man hier nicht weiter. Wenn es so wäre, gäbe es viel mehr solcher Fälle. Schlimmst sind diese beiden Mordfälle, aber sie sind (noch) nicht an der Tagesordnung.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Offensichtlich reichen die Taten nicht aus, um genügend Abscheu auf den Täter zu erzeugen. Nur so ist zu erklären, dass der Täter mehrfach als "Monster" bewertet wird. Dabei wird wohl übersehen, dass es durchaus auch Mörder geben kann, die noch mehr Menschen aus nichtigen Gründen umbringen. Wie will man die dann nennen? Satan?
Auch die Frage, ob die Tat verhindert hätte werden können, ist müßig. Die meisten Taten könnten verhindert werden, wenn man das Wissen im Nachhinein im Vorfeld gehabt hätte. Nur hatte man dieses Wissen eben nicht.
Unter all dem Gedöns bleibt die Frage unberücksichtigt, wie es kommen kann, dass sich ein Mensch so entwickelt. Wer zukünftige Greueltaten verhindern will, darf nicht die Strafen erhöhen, sondern muss den Lebensweg des Täters analysieren und herausfinden, was wann schief gegangen ist. Diese Analyse passt jedoch nicht in eine Zeit, in der Rache salonfähig ist und Interesse am Mitmenschen verpönt.
Paging