Das erste schwere Unwetter des Sommers hat in vielen Orten für Ausnahmezustände gesorgt. Durch Blitz- und Stromschläge starben drei Menschen.
Drei Tote und Schaden in Millionenhöhe: Schwere Unwetter haben vielerorts für Ausnahmezustände gesorgt. Der Düsseldorfer Flughafen stand am Freitagabend unter Wasser und musste für anderthalb Stunden gesperrt werden. Im Porsche-Werk in Stuttgart- Zuffenhausen wurde nach einem Stromausfall die Produktion gestoppt.
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Nach heftigem Regen standen in Frankfurt (Oder) viele Straßen einen halben Meter unter Wasser. (© Foto: dpa)
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Nach heftigen Niederschlägen und starken Windböen hat die Feuerwehr in Frankfurt (Oder) am Samstag den Ausnahmezustand ausgerufen. In der Innenstadt waren zahlreiche Straßen überflutet. Teilweise konnte auch die Straßenbahn nicht fahren. Bis zum Abend rückten die Hilfskräfte zu mehr als 350 Einsätzen aus, sagte ein Feuerwehrsprecher. Sie mussten vollgelaufene Keller leer pumpen und umgestürzte Bäume beseitigen.
Hagelkörner groß wie Taubeneier
Bei dem Unwetter wurde in Alt Tucheband ein 42 Jahre alter Mann aus Burgstädt vom Blitz erschlagen, als er mit einer 22-jährigen Frau Schutz unter einem Baum suchte, wie die Polizei mitteilte. Die Frau wurde schwer verletzt und kam ins Krankenhaus. Eine weitere Frau wurde laut Feuerwehr verletzt, als ein Baum auf ihr Auto stürzte.
In Essen prasselten Hagelkörner - dick wie Taubeneier - nieder. Allein dort entstand nach Polizeiangaben ein Schaden von etwa einer Million Euro. In Sachsen-Anhalt hob der Sturm eine Festspielbühne an und versetzte sie um 30 Zentimeter.
Bei einem Unfall auf regennasser Fahrbahn wurde Brandenburgs Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) verletzt. Wie die Polizei mitteilte, kam sein Auto auf der A 15 in Richtung Berlin bei heftigen Regenfällen ins Schleudern und prallte gegen die Mittelleitplanke. Ein weiteres Fahrzeug fuhr auf den Wagen des Ministers auf. Woidke und sein Fahrer wurden verletzt, konnten aber selbstständig ihr Fahrzeug verlassen. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Insassen des anderen Autos, eine 27-Jährige und ihr 55 Jahre alter Vater wurden leicht verletzt.
Feuerwehrmann stirbt im Einsatz
Tragisches ereignete sich in Baden-Württemberg. Ein 33 Jahre alter Feuerwehrmann half beim Auspumpen eines vollgelaufenen Kellers in Korntal-Münchingen, als ihn ihm Wasser ein tödlicher Stromschlag traf.
In Affalterbach kam eine 46 Jahre alte Frau ums Leben. Sie stand nach Polizeiangaben vor ihrem Haus, als ein Blitz in einen Baum neben ihrem Hundezwinger fuhr. Der umstürzende Baum verletzte die Frau tödlich. In Ludwigsburg wurde ein Arbeiter am Arm verletzt, als ein Blitz in einen Baukran einschlug.
Porsche stoppt die Produktion
Der Autohersteller Porsche stoppte am Freitagabend die Produktion in seinem Werk in Stuttgart-Zuffenhausen. Mehrere Hallen standen unter Wasser, stundenlang fiel der Strom aus. Spezialkräfte seien das ganze Wochenende damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen, sagte ein Unternehmenssprecher am Samstag. Zur Frühschicht am Montag könne die Produktion voraussichtlich wieder aufgenommen werden.
Am Düsseldorfer Flughafen schaufelten am Samstagmorgen Kolonnen von Putzfrauen das Wasser im Ankunftsbereich weg, das dort zehn Zentimeter hoch gestanden hatte. Reisende mussten am Vorabend Verspätungen von bis zu drei Stunden in Kauf nehmen. "Es sind noch alle in den Urlaub gekommen", sagte ein Flughafen-Sprecher. Am Samstag gingen die Flüge wieder pünktlich raus.
Bei der Bahn fuhren mehr als 100 Züge im Raum Düsseldorf, Duisburg, Essen nicht planmäßig, weil die Elektronik in den Fluten versagte, abgerissene Äste in Oberleitungen hängen blieben und ein Blitz an einem Bahnübergang einschlug. Im Regierungsbezirk Düsseldorf mussten zu Beginn des ersten Ferienwochenendes 12 Autobahnabschnitte gesperrt werden. Zwölf Stunden war das Autobahnkreuz Meerbusch dicht, ehe das Wasser aus überfluteten Tunneln abgepumpt war. "Es war turbulent", sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr.
Hagelkörner in Taubenei-Größe
In Essen meldete die Polizei Hagelkörner in Taubenei-Größe, überflutete Keller und umgestürzte Bäume. Bis Samstagmittag musste die Feuerwehr 780 Mal ausrücken. Das Technische Hilfswerk (THW) und Feuerwehren aus umliegenden Städten eilten den Essener Kollegen zu Hilfe.
In Kaiserslautern schlug ein Blitz in die Feuerwache ein. Zweieinhalb Stunden fiel der Strom aus, berichtete Einsatzleiter Peter Cornelius. Im saarländischen Sulzbach erfasste in der Hektik eines Unwetter-Einsatzes ein Feuerwehrauto einen 18-jährigen Fußgänger. Der Fahrer wollte einem THW-Fahrzeug ausweichen, das ebenfalls mit Blaulicht und Martinshorn fuhr und auf die Gegenfahrbahn geraten war. Der 18-Jährige erlitt Kopfverletzungen.
Auf dem Salzberg bei Zielitz in Sachsen-Anhalt trauten die Zuschauer der "Kalimandscharo"-Festspiele am Freitagabend ihren Augen nicht: Kräftiger Sturm hob die tonnenschwere Bühne an und versetzte sie um 30 Zentimeter. Hagelschauer rissen metertiefe Löcher in den Salzberg. Zwei Podeste und ein Sonnenschutzzelt flogen durch die Luft. Es gab keine Verletzten, teilte der Veranstalter am Samstag mit. Die Besucher der Vorstellung "Anna und das Irrenhaus am Rande der Stadt" hätten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht.
Zu Wochenbeginn wird es ruhiger
In Bayern standen nach dem Unwetter manche Autos bis zum Lenkrad im Wasser. Bei Weigendorf in der Oberpfalz wurde durch den Regen eine Gerölllawine ausgelöst, Steine auf der Fahrbahn blockierten nach Polizeiangaben stundenlang die Durchfahrt der angrenzenden Straße.
Für das Wochenende sagte der Deutsche Wetterdienst weitere Gewitter und Unwetter vor allem im Osten und Süden des Landes voraus. Erst zum Wochenbeginn soll es ruhiger werden. Am Montag werden nur noch vereinzelt Schauer erwartet; die Temperaturen gehen auf 22 bis 26 Grad zurück. Am Dienstag gestaltet sich das Wetter wechselhaft mit etwas Regen, Bewölkung und Sonnenschein. Die Höchsttemperaturen bewegen sich zwischen 20 und 25 Grad.
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