Untersuchungsausschuss Polizisten machen widersprüchliche Aussagen zu Kölner Silvesternacht

  • Im Untersuchungsausschuss zu den Vorfällen an Silvester in der Kölner Innenstadt sagt der Einsatzleiter der Bundespolizei aus, mit seinem Kollegen von der Landespolizei über die Übergriffe gesprochen zu haben.
  • Der Einsatzleiter der Landespolizei sagt dagegen, er habe nichts mitbekommen.
  • Der Bundespolizist vergleicht die Situation auf der Hohenzollernbrücke mit dem Chaos bei der Loveparade in Duisburg.

Im Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags zu den Übergriffen in der Silvesternacht haben die verantwortlichen Einsatzleiter der Bundespolizei und der Landespolizei gegensätzliche Aussagen gemacht.

Während der Kölner Polizeikommissar Günter R., der den Einsatz der Landespolizei in der gesamten Innenstadt leitete, aussagte, er selbst habe in der Nacht keine Übergriffe auf dem Bahnhofsvorplatz bemerkt, beschrieb der Einsatzleiter der Bundespolizei, Detlef M., ein Gespräch mit Günter R. über eben jene Sexualdelikte gegen zwei Uhr morgens.

Er sei seinem Kollegen vor dem Bahnhofseingang begegnet und man habe sich gegenseitig von den Straftaten berichtet, so Detlef M. Die Landespolizei sei zu diesem Zeitpunkt von 150 bis 200 Tätern ausgegangen. Auch in der von der Bundespolizei unterhaltenen Bahnhofswache seien sexuelle Übergriffe angezeigt worden.

"Diese Dinge sind uns nicht gesagt worden"

Günter R. hatte dagegen eine Stunde zuvor im Ausschuss gesagt, keiner der Passanten habe zu diesem Zeitpunkt ihn oder seine Kollegen von der Landespolizei auf Übergriffe angesprochen. "Diese Dinge sind uns nicht gesagt worden. Wir sind davon ausgegangen, dass wir die Lage im Griff haben." Verstärkung habe er nicht angefordert.

Menschen hätten in Panik geschrien

Anders Bundespolizei-Kommissar Detlef M.: Er berichtete von chaotischen Zuständen auf der Hohenzollernbrücke, die in den Bahnhof einläuft und zum Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei gehört. Die Situation auf der Brücke habe fast an die Zustände der Duisburger Loveparade erinnert: "Die Menschen haben geschrien: "Ich werde erdrückt'", sagte der Kommissar aus.

Verschiedene Zuständigkeiten

Den Zeugenaussagen zufolge gab es eine Vielzahl von Zuständigkeiten von Landes- und Bundespolizei, Stadt und Bahn. Die Bundespolizei ist etwa neben dem Bahnhofsgebäude nur für einen Teil des Bahnhofsvorplatzes zuständig. Absprachen über eine Sperrung der Hohenzollernbrücke habe es im Vorfeld nicht gegeben.

Am Kölner Hauptbahnhof hatten in der Silvesternacht Männergruppen zahlreiche Frauen sexuell belästigt, drangsaliert und ausgeraubt. Bislang wurden laut Staatsanwaltschaft Köln 1139 Anzeigen gestellt, davon 485 wegen einer Sexualstraftat.

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