Unfall vor Alaska Shell-Ölbohrinsel auf Grund gelaufen

Eine mit Diesel beladene Ölplattform hat sich aus dem Schlepptau eines Schiffes losgerissen und ist auf einer kleinen Insel vor Alaska auf Grund gelaufen. Nach Angaben der Küstenwache tritt von der Shell-Bohrinsel "Kulluk" kein Öl aus.

Vor der US-Küste ist eine Ölbohrinsel auf Grund gelaufen. Die mobile Bohrplattform "Kulluk" des Shell-Konzerns riss sich in stürmischem Wetter aus dem Schlepptau eines Schiffes los und trieb zunächst führerlos im Golf von Alaska, bevor sie auf eine Insel auflief. Nach Angaben der Küstenwache hat die "Kulluk" mehr als eine halbe Million Liter Diesel und andere Ölprodukte in ihren Tanks.

Luftaufnahmen der Behörde vom Dienstag lassen jedoch darauf schließen, dass die Bohrinsel kein Öl verliert - bislang. Ein Hubschrauber der Küstenwache flog nach der Kollision um kurz vor neun Uhr morgens über die Unglücksstelle. Die 81 Meter breite Plattform sei "sicher. Es gibt kein Anzeichen dafür, dass die Außenhülle beschädigt wurde", zitiert der Sender CNN einen Sprecher der Küstenwache.

Die 1983 gebaute Bohrinsel war bis Oktober in der Beaufortsee hoch im Norden vor Alaska im Einsatz und hätte zur Überholung in den Puget-Sund bei Seattle im US-Staat Washington geschleppt werden sollen. Am vergangenen Freitag wurde aber aufgrund eines mechanischen Fehlers die Verbindung zwischen der Bohrinsel und dem sie schleppenden Schiff "Aiviq" gekappt.

Am Montagmorgen konnte die "Kulluk" wieder an der "Aiviq" festgemacht werden, sie riss sich aber bei stürmischem Wetter am Montagnachmittag erneut los und trieb in die Nähe der Kodiak-Inseln. Die New York Times berichtete, die Verbindung sei aus Sorge um die Sicherheit der neunköpfigen Aiviq-Crew gelöst worden.

Die "Kulluk" lief an der Sitkalidak-Insel auf Grund, einer kleinen, unbewohnten Insel mit Sand- und Felsenküste. Das Eiland liegt etwa 15 Kilometer von der 200-Einwohner-Ortschaft Old Harbor entfernt.

Die 18 Besatzungsmitglieder hatte die Küstenwache wegen des Sturms bereits am Samstag in Sicherheit gebracht.

Der Unfall ist ein herber Rückschlag für den britisch-niederländischen Ölkonzern und sein 4,5 Milliarden Dollar umfassendes und ohnehin umstrittenes Förderprogramm vor Alaskas Küste.

Shell hatte mit seinen Plänen im vergangenen Jahr Umweltschützer und Bewohner der sensiblen Region gegen sich aufgebracht. Sie befürchten, dass der Konzern die Risiken einer Ölförderung im Golf von Alaska unterschätzt. Seit der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" des Shell-Rivalen BP und der anschließenden Ölkatastrophe im Golf von Mexiko haben die Ölmultis in den USA verstärkt mit Widerstand zu kämpfen.