Unfall in Mihama Rostige Rohre fordern Menschenleben

Vier Arbeiter sind bei dem Unfall im japanischen Atomkraftwerk Mihama gestorben. Dabei sind gravierende Sicherheitsmängel zu Tage getreten. Seit 1976 war ein geplatztes Rohr nicht mehr gewartet worden.

Von Von Henrik Bork

Die Sicherheitsmängel haben ersten Berichten zufolge zu dem tödlichen Unfall im japanischen Atomkraftwerk Mihama geführt. Vier Arbeiter waren wie berichtet am Montag im Turbinenraum des Reaktors in der Präfektur Fukui ums Leben gekommen, als extrem heißer Wasserdampf aus einem Leck entwich. Sieben weitere Arbeiter wurden zum Teil schwer verletzt. Radioaktivität ist offiziellen Angaben zufolge nicht ausgetreten.

Das Wasserrohr, das am Montag geplatzt ist, war einem Bericht der Zeitung Yomuiri Shimbun zufolge schon seit 1976 nicht mehr ordnungsgemäß untersucht worden. Ein Sprecher der Betreibergesellschaft "Kansai Electric Power Co" (KEPCO) räumte am Dienstag ein, man sei bereits im November 2003 gewarnt worden, dass das Rohr dringend untersucht werden müsse.

Nach einem Bericht der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo soll KEPCO versucht haben, durch die Umgehung von Sicherheitsstandards Kosten zu sparen. Denn selbst nach den firmeneigenen Bestimmungen von KEPCO hätte das Rohr auf die Liste potenzieller Gefahrenherde gehört.

Das Rohr, durch das Kühlwasser unter hohem Druck strömt, sei in den 28 Jahren seit Inbetriebnahme des Reaktors so stark erodiert, dass seine Wanddicke von den vorgeschriebenen zehn bis auf 1,4 Millimeter geschrumpft sei, berichtet Kyodo.

Das Rohr sei nicht in eine Liste regelmäßig zu inspizierender Teile aufgenommen worden, obwohl es als potenzielle Schwachstelle des Atomkraftwerks bekannt gewesen sei, schrieb Yomuiri Shimbun.

Üblich ist es, solche Rohre entweder auszutauschen oder mit Ultraschall zu untersuchen. Dutzende von Polizisten und Beamten der Behörde für Nuklearsicherheit sind am Dienstag in Mihama in der Provinz Fukui zu ersten Ermittlungen eingetroffen.