Der Staatssekretär im Berliner Sozialsenat, Rainer Fritsch, will die Treberhilfe jetzt gründlich durchleuchten. "Wir müssen da Transparenz reinkriegen", sagt er, "das öffentliche Verhalten von Herrn Ehlert hat alle Alarmglocken klingeln lassen."

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Harald Ehlert hat sein Amt als Geschäftsführer der Berliner Treberhilfe aufgegeben. (© Foto: dpa)

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Wenn man Harald Ehlert fragt, ob ihm vielleicht ein Fehler unterlaufen ist, schießt er nach vorn mitsamt seinem Bürostuhl. Er ist wütend. "Es hat Kommunikationsdefizite gegeben, das sehe ich ein", sagt er. Aber sonst? Wo stehe geschrieben, dass der Geschäftsführer einer gemeinnützigen Gesellschaft keinen Maserati als Dienstwagen anschaffen dürfe, fragt er.

"Auf Augenhöhe mit der Wirtschaft"

120.000 Euro "minus Rabatt" habe der Neuwagen die Treberhilfe gGmbH gekostet, das Finanzamt habe die Angemessenheit des Wagens geprüft und "aufgrund eines Gutachtens genehmigt", sagt er. Auch ein BMW-Geländewagen gehört zur Wagenflotte der Treberhilfe: "Wir müssen als soziale Einrichtung deutlich machen, dass wir auf Augenhöhe sind mit der Wirtschaft."

Er ist eben nicht so der Typus Sozialarbeiter, sondern tritt lieber mit den Insignien des Erfolgsmenschen auf. Deshalb nähmen ihn Banker und Sponsoren auch ernst, meint er: "Wir sind gemeinnützig und haben eine dynamische Unternehmenskultur geboten, die die Leute beeindruckt." Später dann wird er über "Sozialneid" schimpfen und darüber, dass die deutsche Gesellschaft nicht verstehe, was moderne Sozialarbeit sei.

Nun ist es sicher richtig, dass die sozialen Dienstleister hierzulande recht bieder wirken im Vergleich etwa mit angelsächsischen Kollegen, die viel kommerzieller und peppiger daherkommen. Der Unterschied ist nur, dass in Deutschland mit Steuergeldern operiert wird und quasi ohne eigenes unternehmerisches Risiko. Stimmt gar nicht, ruft Ehlert nun dazwischen

Mit den Entgelten, die Berlin für bestimmte Leistungen zahle, müsse auch er unternehmerisch arbeiten. Nur mit den so erwirtschafteten Überschüssen - nicht mit Spenden - werde dann ein Dienstwagen gekauft.

Muss nicht, aber kann

Fragt man Ehlert, ob es denn sein muss, für so einen Schlitten so viel Geld zu verbrennen und dazu in einer Villa am Schwielowsee zu wohnen, galoppieren seine Finger auf der Tischplatte los. "Es muss nicht sein, aber es kann sein", sagt er. Die Villa habe er als Fortbildungsakademie erworben, man bilde dort Mitarbeiter aus, und zwar fünf Tage in der Woche. "Ich finde, eine Fortbildungsstätte für Leute, die hart arbeiten, darf auch schön sein", das sei wichtig fürs Selbstwertgefühl.

Er selbst wohne da eben auch, zur Miete. Und er gedenke von seinem Heim so wenig Abschied zu nehmen wie von seinem Chauffeur. Den Maserati hat er jetzt verkauft - nachdem seine Idee nicht so gut ankam, mit dem Wagen Touristen zu sozialen Brennpunkten der Stadt zu kutschieren.

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(SZ vom 26.02.2010/kred)