Die "Maserati-Affäre" hat Treberhilfe-Geschäftsführer Harald Ehlert den Job gekostet. Der Vorfall hat die Diskussion angestoßen, ob es sich gut leben lässt vom Geschäft mit der Armut.
Man muss sich diesen Mann vorstellen wie ein überlastetes Kraftwerk, ständig unter Dampf, schnell überhitzt und seit Tagen bedrohlich nah dran an einer Kernschmelze. Harald Ehlert ist eine Berühmtheit geworden in Berlin, als Armenhelfer im Maserati, als Gernegroß mit schickem Wohnsitz am See, und wie ein ganz Wichtiger wird er auch eskortiert, sicher ist sicher.
Sozialmobil oder Protzkarre? Der Maserati Quattroporte kostet in der Grundausstattung knapp 115.000 Euro. Harald Ehlert wollte mit dem Luxuswagen "Rundfahrten durch das soziale Berlin" anbieten. (© Foto: ddp)
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Man begleitet ihn neuerdings bei jedem Auftritt, rückt schon mal zurecht, was er da so erzählt, und die Mitarbeiter des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg lassen ihn keine Minute aus den Augen, als er sich diese Woche in den Bezirk Steglitz bewegt, ins Haus der Diakonie und in einen zu engen Bürostuhl, in dem es bald etwas lauter wird.
Ehlert ist 47 Jahre alt und eine Persönlichkeit, die beim Reden oft die Arme ausbreitet und um den Hals gern einen offenen Seidenschal trägt, was ihn irgendwie wie einen Prediger aussehen lässt. Er sieht sich wohl auch als eine Art Missionar, Ehlert will der Welt klar machen, was ein "Sozialunternehmer" ist, ein erfolgreicher "Sozialarchitekt" wie er das nennt, aber die Welt versteht nicht.
Öffentliche Amokfahrt
Der Mann mit dem Schal ist der Gründer der Berliner Treberhilfe, er hat aus einem Drei-Mann-Betrieb in 20 Jahren ein gemeinnütziges Vereins- und Unternehmenskonstrukt mit 280 Mitarbeitern gemacht, die sich um junge Wohnungslose kümmern, um Ausreißer, Vernachlässigte und solche, die sich schon lange nicht mehr zutrauen, hinter einer Haustür zu leben.
Die Ärmsten der Armen werden da betreut, und in Berlin wurde diese Arbeit geschätzt. Bis losbrach, was jetzt "Maserati-Affäre" heißt, zur öffentlichen Amokfahrt geriet und Harald Ehlert jetzt den Job gekostet hat.
Geschäft mit der Armut
Am Donnerstag hat er hingeschmissen, bis auf Weiteres. Ehlert lässt sein Amt als Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft Treberhilfe ruhen. Seine Geschäftanteile tritt er an den Verein Treberhilfe ab, das ist die zweite Hälfte dieses Verbunds. Ehlert wird auch nicht im Aufsichtsrat sitzen, den man seiner Gesellschaft implantiert hat. Bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe soll ein zweiter Geschäftsführer seine Arbeit übernehmen.
Die "Maserati-Affäre" hat eine Diskussion darüber angestoßen, ob es sich in Berlin, der Hauptstadt der Bedürftigen, etwas zu gut leben lässt vom Geschäft mit der Armut.
Nirgends in Deutschland gibt es so viele soziale Projekte, sie werden mit Steuergeldern gefüttert, aber was genau sie tun, weiß kaum einer zu sagen. Kontrolliert werden sie wenig, weder in großen Wohlfahrsverbänden noch im trägen Mahlwerk von Bezirken und Verwaltungen sieht man sich dieser Sisyphusarbeit gewachsen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Harald Ehlert wütend macht und welches Signal er mit der Anschaffung des Wagens setzen wollte.
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Kapitalabzug aus Südeuropa
In einem Interview sagte er, dass er bei Banken einen solventen Eindruck machen wollte und deswegen so ein Auto fahre.
Solche Dinge sind zwar gerne mal ein "Zünglein an der Waage", aber unterm Strich zählen mehr denn je harte Zahlen und Fakten. Hätte er also das Geld für den Maserati auf dem Konto gelassen, wäre der Effekt gleich - zumal für einen "solventen Eindruck" auch durchaus ein gemieteter Benz für ein 10000stel des Preises gereicht hätte!
Für einen BMW X6 argumentierte ein Kollege, dass man ja oft viele Menschen bzw. Menschen mit deren Habseligkeiten transportieren müsse, da reiche eben kein kleiner Wagen.
Gut, der X6 ist geräumig, aber auch hier wäre ein Bulli mit Hänger die bessere und 100Mal günstigere Variante.
niemand hat etwas dagegen, wenn er sich einen maserati von seinem privatvermögen leistet bzw. von dem gehalt, dass er als geschäftsführer der treberhilfe einstreicht.
wenn die kosten der luxusgüter allerdings durch spendengeldern finanziert werden, darf man sich schon fragen, was die obdachlosen von ehlerts luxus haben.
aber das ist ja eh bezeichnend, dass die, die den griff in die kasse machen, noch nicht einmal ein schlechtes gewissen dabei haben ...
Wieder einmal jemand der an den Ärmsten noch gut verdient. Das sind die Sozialschmarotzer um die sich Herr Westerwelle mal kümmern sollte. Aber wer weiss, vielleicht floss ja da auch schon eine Spende.
Das, was Ehlert macht, geht gar nicht. Es kann doch nicht sein, dass sein Verein von öffentlichen und von Spendengeldern finanziert wird und er sich von genau diesem Geld ein solches Auto leistet.Das ist das Eine. Das andere ist der Bereich, in dem sein Unternehmen angesiedelt ist. Da verbietet es sich, den großen Maxe raushängen zu lassen, das wirkt einfach nur zynisch und unernst. Der Häusermakler, der einen protzigen Wagen fährt, wirkt bereits lächerlich (auf mich jedenfalls), ein Sozialmanager, der mit der Hilfe des "Ausflusses der Gesellschaft" Profit macht, hat eh schon eine wenig glaubwürdige Rolle und ist, wenn er nach Großkotzart noch eins draufsetzt, unerträglich bzw. untragbar.
Man fragt sich, ob es ihm um die Klienten geht oder um Macht und deren Demonstration. Er steht da in einem Rollenkonflikt.
Und zu seiner Rolle passt der Maserati nun mal nicht. - Aber das ist erst der Anfang: Die Privaten haben eine neue Einnahmequelle entdeckt: Das Elend.
Ist ist völlig legitim für seine Arbeit Geld zu bekommen, egal ob sozial oder nicht.
Was glauben sie wieviel ein Caritas oder Diakonie GF verdient und das obwohl sie staatliche Gelder für ihre Aufgaben benötigen.
Es gibt durchaus eine Menge Leute im sozialen Bereich die gutes Geld verdienen und oft auch noch in den Genuss eines AG des öffentl. Dienstes kommen, also relative Arbeitsplatzsicherheit geniessen.
Solange keine öffentl. Gelder missbraucht werden sondern sich die Einrichtung wirtschaftlich trägt ist das auch in Ordnung.
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