Umstrittene Internetseite kreuz.net Wer sind die Hintermänner?

Wer nach den Hintermännern von kreuz.net fragt, bekommt keine Namen, aber viele Antworten, die auf einen Nenner hinauslaufen: Es handelt sich um katholische Fundamentalisten, die das Zweite Vatikanische Konzil und eine weltoffene Ausrichtung der Kirche verdammen. Denn nie werden Texte für die vor fünfzig Jahren eingeführte Liturgie veröffentlicht. Kirchenpolitisch und liturgisch betrachtet sind die Ziele von kreuz.net mit denen des "Netzwerks katholischer Priester" identisch. Bei diesem NKP handelt es sich um eine Vereinigung von angeblich mehreren hundert Männern, die ebenso gern in Soutane unterwegs sind wie sie lateinische Messen im Tridentinischen Ritus lesen, der beim Zweiten Vatikanischen Konzil abgeschafft und von Papst Benedikt XVI. wieder erlaubt wurde.

Wie nahe das NKP kreuz.net steht, lässt sich durch mehrere Indizien erschließen. Eine Zeit lang prangte auf der Startseite von kreuz.net etwa ein Banner, das für den reaktionären Priesterbund warb. Und noch im Januar 2009 war auf der Internetseite der reaktionären Pfarrer ein kreuz.net-Liveticker geschaltet. Erst als ein anderer Pfarrer und David Berger mit Verweis auf die menschenverachtenden Inhalte intervenierten, nahmen die drei NKP-Sprecher Jolie, Uwe Winkel und Guido Rodheudt den Ticker von ihrer Seite. Beliebt ist das NKP bei kreuz.net immer noch: Über Rodheudt finden sich 56 Artikel und über die drei Netzwerkspriester zusammen elf Artikel. Alle wohlwollend, versteht sich.

Am 24. Dezember 2009 erschien auf dem Hetzportal unter dem Titel "Nach Gott ist der Priester alles" eine Weihnachtsbotschaft von Jolie, Rodheudt und Winkel, in der sie ihr traditionalistisches Priesterbild als Autoren zum Ausdruck brachten. "Das war ein Newsletter von uns, den kreuz.net wie so oft übernahm, ohne uns zu fragen", sagt Hendrick Jolie. Seltsam ist nur, dass auf der NKP-Homepage sehr viele und auch sehr viele ältere Stellungnahmen zu finden sind, ausgerechnet diese Weihnachtsbotschaft aber nicht. Wurde sie etwa explizit für kreuz.net geschrieben? Auf solche Fragen gibt das Priesternetzwerk keine Antworten mehr.

Pfarrer Winkel verweist auf eine mehrere Tage alte Presseerklärung und auf ein Update seines Mitbruders Jolie vom Donnerstag, wonach sich das Priesternetzwerk "von jeglicher Form von Diffamierung und Diskriminierung" distanziere. In der Erklärung werden Inhalte des Portals kritisiert, aber nicht das Projekt kreuz.net selbst. Und in einem Interview mit der Zeitung Tagespost wies Rodheudt eine Verbindung zu kreuz.net von sich: Das Netzwerk sei "Opfer der in der heutigen Medienlandschaft fast unausweichlichen Sucht zur Kommunikation, in der Genauigkeit des Urteils und Diskursfähigkeit so gut wie keine Rolle mehr spielen".

"Unsere Bewegung ist ein Krisenindikator"

Und Hendrick Jolie sagte in dem Interview: "Unsere Bewegung ist eine Art Krisenindikator." Das kann man so und so interpretieren. An Einfluss legen die Netzwerker jedenfalls zu: Vor kurzem würdigte der Päpstliche Gesandte des Papstes das NKP mit einem Besuch der Bundesversammlung. Mit ihm auf dem Foto posiert der neue Österreich-Kontaktmann des Netzwerks, Christian Sieberer aus Wien-Penzing.

Sieberer wird auf kreuz.net gefeiert, weil er sich Ärger mit seinem Erzbischof einhandelte. Der Pfarrherr griff auf eine aus Sicht seines Chefs ungebührliche Weise in die Wahl des Pfarrgemeinderates ein. Wer bei Sieberer anruft und sich als Journalist vorstellt, um sich über sein Verhältnis zu kreuz.net zu erkundigen, bekommt schon vor der ersten Frage zu hören, er gebe zu diesem Thema keine Auskunft. Dann legt er auf. Ob er sich als Opfer der heutigen Medienlandschaft sieht, kann man Sieberer deshalb auch nicht fragen.

Im Internet ist Sieberer jedenfalls außerordentlich versiert: Von seiner Seite www.pfaffenheini.net kann sich mancher professionelle Mediengestalter eine Scheibe abschneiden. Das Vermitteln von christlicher Nächstenliebe steht dort nicht unbedingt an erster Stelle - das kennt man doch irgendwoher. Viele Nebenseiten, auf denen Sieberer als pfaffenheini seine Sicht auf Gott und die Welt kundtut, atmen eher eine latente Angriffslust. Auf seiner "Exorzismus"-Seite verkündet er, dass er schon mehrere Teufelsaustreibungen erlebt habe. "Das bringt's."