Staatstrauer in der Ukraine: Auf der Halbinsel Krim ist ein vierstöckiges Wohnhaus zusammengestürzt - Auslöser waren offenbar im Keller gelagerte Gasflaschen.

Bei einer schweren Explosion in einem mehrstöckigen Wohnhaus sind auf der ukrainischen Krim-Halbinsel mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern der Katastrophe in der Stadt Jewpatoria sind auch mehrere Kinder, wie der Katastrophenschutz mitteilte. Explosionsursache war vermutlich die Detonation von Gasbehältern im Keller.

Bild vergrößern

Das zerstörte Wohnhaus in Jewpatoria auf der ukrainischen Halbinsel Krim. (© Foto: AP)

Anzeige

Es seien 27 Tote geborgen worden, sagte ein Behördenvertreter in Jewpatoria. Bis auf ein Opfer seien alle identifiziert, darunter auch drei getötete Kinder. Es sei unwahrscheinlich, dass noch Überlebende oder weitere Tote gefunden würden. Allerdings sei nicht klar, wie viele Menschen genau sich zum Zeitpunkt der Explosion in dem Gebäude aufgehalten hätten.

Die Katastrophe tötete ganze Familien, darunter auch eine mit fünf Mitgliedern, wie der Behördenvertreter sagte. Fünf Überlebende der Explosion würden im Krankenhaus behandelt, der Zustand eines Verletzten sei ernst. Nach der Explosion am Mittwochabend waren 21 Menschen gerettet worden.

Graben mit bloßen Händen

Rettungshelfer gruben zum Teil mit bloßen Händen in den Trümmern nach Überlebenden. Immer wieder horchten sie nach Lebenszeichen unter dem Schutt. Nach Angaben des Katastrophenschutzes waren 300 Rettungskräfte im Einsatz. Das Wohnhaus mit vier Etagen und insgesamt 35 Wohneinheiten wurde 1965 errichtet.

Explosionen in den oft in schlechtem Zustand befindlichen Gebäuden aus der Sowjetzeit sind in der Ukraine und im gesamten Gebiet der früheren Sowjetunion keine Seltenheit. Sie werden meist durch Gasbehälter verursacht, weil die Bewohner in den oftmals heruntergekommen Häusern mit zusätzlichen Gasbehältern heizen. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers lagerten im Keller möglicherweise Behälter mit Sauerstoff oder dem Brenngas Azetylen.

Der ukrainische Fernsehsender 1+1 berichtete, Ermittler hätten einen Behälter aus den Ruinen weggetragen, Filmaufnahmen aber verboten.

Staatstrauer angeordnet

Präsident Viktor Juschtschenko erklärte den Freitag zum nationalen Trauertag. Er und Regierungschefin Julia Timoschenko, die sich in den vergangenen Monaten einen erbitterten Machtkampf geliefert hatten, besuchten gemeinsam den Unglücksort am Schwarzen Meer.

In einer seltenen Geste der Eintracht kamen sie sogar im selben Fahrzeug nach Jewpatoria, um sich ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe zu machen. Juschtschenko sprach von einem "schrecklichen, nicht wieder gutzumachenden Verlust" für die Angehörigen der Opfer. Timoschenko versprach den Familien der Opfer rasche Hilfe. Bis zum orthodoxen Weihnachtsfest am 7. Januar sollten alle Betroffenen in neuen Wohnungen untergebracht sein.

Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew bekundete sein Beileid und bot Katastrophenhilfe der russischen Schwarzmeerflotte an, die bis 2017 in Sewastopol auf der Krim stationiert ist.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(AFP/Reuters/AFP/mati/woja)