Von Nadeschda Scharfenberg

Die "schlimmste Flut seit Menschengedenken": In den überschwemmten Gebieten in Indien und Bangladesch fehlt es an allem. Die Hilfsorganisationen sind völlig überfordert.

Bhagwan Manjhi lebt im nordostindischen Bundesstaat Bihar. Aber zurzeit wäre es wohl besser, zu sagen: Er überlebt. Längst hat seine Familie all ihre Lebensmittelvorräte aufgegessen, und Nachschub ist nicht zu bekommen, denn die Provinz steht unter Wasser. "Weil wir sonst nichts mehr haben, leben wir von Schnecken", hat Bhagwan Manjhi einem lokalen Fernsehsender gesagt. Schnecken, immerhin, gibt es angesichts der Regenmassen genügend.

Indien Bangladesch Flut Katastrophe; afp Bild vergrößern

100 Kilometer nordwestlich von Dhaka in Bangladesch trägt eine Frau ihr Kind durch die Fluten: Ganze Landstriche versinken in den Fluten. (© Foto: afp)

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In Teilen Indiens und auch in Bangladesch, Nepal und Pakistan schüttet es seit Juni wie aus Eimern. Das ist normal in Zeiten des Monsuns. Dieses Jahr aber prasselt noch mehr Regen hernieder als sonst, gleichzeitig schmilzt im Himalaya der Schnee und lässt die Flusspegel anschwellen, manche um neun oder gar zehn Meter. Die Vereinten Nationen sprechen von der "schlimmsten Flut seit Menschengedenken".

Fast 1300 Menschen sind nach Angaben des Innenministeriums in Delhi allein in Indien ums Leben gekommen, erst am Montag starben mindestens 40 Tagelöhner, als ihr Boot im reißenden Ganges kenterte. 68.000 Nutztiere sind den Überschwemmungen zum Opfer gefallen, zwei Millionen Hektar Ackerland ruiniert, die Wassermassen haben fast 600.000 Häuser beschädigt und 130.000 davon so sehr zugerichtet, dass sie nie mehr bewohnbar sein werden. 31 Millionen Inder haben ihr Obdach verloren.

Im Nachbarland Bangladesch, wo angeblich ein Drittel des Staatsgebiets überschwemmt ist, haben nach Angaben von Hilfsorganisationen mehr als sechs Millionen Menschen kein Dach über dem Kopf.

Keine wirkliche Entspannung der Lage

Seit Sonntag hat es zwar nicht mehr geregnet, die Pegelstände sind leicht gesunken - doch angesichts der Zustände wäre es vermessen, von einer Entspannung der Lage zu sprechen. Den Flutopfern fehlt es praktisch an allem, an Lebensmitteln und an sauberem Wasser, an Medikamenten, trockenen Kleidern, Decken.

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