Übermaltes Fresko in Spanien Missglücktes Jesusbild ist ein Publikumsmagnet

Das Jesusbild vor und nach dem Eingriff durch Cecilia Giménez.

(Foto: Fundación Ecce Homo de Borja)

Hobbymalerin Cecilia Giménez machte sich mit der Restauration eines Freskos zum Gespött. Doch nun pilgern Zehntausende zum "Ecce Monchichi" der Rentnerin nach Spanien.

Von Katarina Lukač, Madrid

Dass man ihr zu Ehren einmal eine Oper schreiben würden, hätte Cecilia Giménez sich nicht träumen lassen. Sie sei "glücklich und dankbar", sagt die dynamische 84-Jährige aus dem nordspanischen Borja am Telefon. Dabei begann das Ereignis, das Giménez vor drei Jahren unfreiwilligen Weltruhm einbrachte, für sie wie ein Alptraum: "Rentnerin ruiniert wertvolles Wandgemälde", lautete etwa eine Schlagzeile.

Bei der misslungenen Restauration eines Jesus-Freskos hatte die damals 81-Jährige das wohl komischste Andachtsbild der Geschichte erschaffen, mit einem Christus, der je nach Auffassung einem Monchichi-Äffchen, einem aufgeblasenen Igel oder einer Bestie gleicht. Giménez' bärtiger Gottessohn lieferte die Vorlage für unzählige Internet-Memes.

Rentnerin übermalt Jesus-Fresko

Es war nur gut gemeint: Eine ältere Dame wollte dem Verfall eines jahrhundertealten Kirchenfreskos in der spanischen Ortschaft Borja nicht länger zusehen - und hat es einfach übermalt. Nun gleicht das Bildnis nicht mehr wirklich dem Sohn Gottes. mehr ...

150 000 Besucher wollen den "Ecce Homo" sehen

Zwischen der händeringenden Frau, die in ersten Fernsehaufnahmen zu sehen ist, und der aufgeräumten Dame, die geduldig Fragen am Telefon beantwortet, liegen drei Jahre, unzählige Interviews - und mehr als 150 000 Besucher. So viele Menschen aus der ganzen Welt sind nach Angaben der Stadtverwaltung zur Wallfahrtskirche Santuario de Misericordia nahe Borja gepilgert, um den von Giménez aufgehübschten "Ecce Homo" zu sehen. Deren Anhänger (hier einer von vielen Fanclubs) konnten eine Wiederherstellung des Originalbildes von Elías García Martínez verhindern.

Zu Giménez' unverhofften neuen Freunden gehört der amerikanische Autor Andrew Flack, der an seinem Küchentisch in Denver in der Zeitung von Cecilias Geschichte las - und so elektrisiert war, dass er beschloss, den Stoff mit einem befreundeten Komponisten in eine Oper umzuwandeln.

Eine Oper für die Verunstaltung

"Diese Geschichte behandelt all die großen, opernhaften Themen: Glaube, Verrat, Hoffnung und Gnade, obendrein vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise in Spanien, die 2012 besonders virulent war", sagt der Librettist im Webcam-Gespräch. Es sei Cecilias würdevoller Umgang mit dem Scheitern, der die Menschen so nachhaltig fasziniere. Cecilias Jesus mag wie ein Biest aussehen, doch sehe er den Betrachter im Gegensatz zum entrückt dreinblickenden Original unverwandt an. "Als wolle er einem sagen: Und du, was hast du in letzter Zeit getan, um die Welt zu retten und mein Leiden zu lindern?", so Flack, der seine Muse zwei Mal besucht hat.

Die komische Oper "Ecce Homo" will jenen Aspekten dieser Geschichte Rechnung tragen, die im Gelächter untergingen: Etwa, dass das 1930 von Elías García Martínez gemalte Originalbild zunehmend von der feuchten Wand aufgefressen wurde. Und dass sich abgesehen von Cecilia Giménez kaum jemand um das vermeintliche Meisterwerk des mäßig erfolgreichen Künstlers Sorgen machte. Denn nur wenige betraten die Kirche auf dem Hügel so häufig wie die Dame, die seit ihrer Kindheit in einer Wohnung auf dem Hügel übersommert. Hier hatte sie geheiratet, hier waren ihre beiden Söhne getauft worden.