Twittertabu bei Papstwahl #habemuspapam verboten

Ob ein neuer Papst gewählt ist, erfährt die Menschheit gewöhnlich durch weißen Rauch, der aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufsteigt. Damit in Zeiten des Smartphones nicht schon früher Informationen nach außen dringen, hat der Vatikan den Teilnehmern des Konklaves ein Twitterverbot erteilt.

Als Horst Köhler zum Bundespräsidenten wiedergewählt wurde, sorgte Julia Klöckner mit einem Tweet für Aufregung. "Leute, Ihr könnt in Ruhe Fußball gucke [sic!]. Wahlgang hat geklappt", schrieb die als Schriftführerin an der Wahl beteiligte CDU-Politikerin. Das Problem: Klöckner informierte die Öffentlichkeit, bevor das Wahlergebnis offiziell bekannt gegeben wurde - und bevor der Gewählte die Wahl überhaupt angenommen hatte.

Einem ähnlichen Desaster will der Vatikan nun vorbeugen. Mehrere der 117 am Konklave beteiligten Kardinäle verfügen über eigene Twitter-Accounts, neun von ihnen nutzen die Plattform regelmäßig für Mitteilungen und den Austausch mit den Gläubigen. Nicht auszudenken, was passieren würde, setzte einer von ihnen einen "Leute, ihr könnt in Ruhe weiter Fußball gucke"-Tweet ab. Und das womöglich noch bevor weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, was als offizielles Zeichen der geglückten Papstwahl gilt.

Aus diesem Grund hat der Vatikan den Teilnehmern der Papstwahl nun ein striktes Twitterverbot auferlegt. "Von dem Moment an, in dem sie die Sixtinische Kapelle betreten um ihre Stimme abzugeben, wird ihnen der Zugang zu ihren Accounts verboten sein, wie auch alle anderen Formen der Kommunikation mit der Welt draußen", heißt es auf der Internetseite des Catholic News Service.

Das Verbot richtet sich unter anderem an Timothy Dolan (@CardinalDolan) aus New York. Der Erzbischof hat knapp 82.000 Follower und twittert bisweilen mehrmals täglich - unter anderem Bibelverse und seine Meinung zu den Waffenrechten in den USA. Dolans Predigten können mitunter als Videos auf der Internetseite der Erzdiözese New York abgerufen werden. Auch ein Blog betreibt der internetaffine Kardinal. Am 11. Februar gehörte er zu den ersten, die den Rücktritt des Papstes über das Online-Netzwerk meldeten.

Daneben tun sich vor allem die Kardinäle Gianfranco Ravasi (@CardRavasi) aus Italien und Odilo Scherer (@DomOdiloScherer) aus Brasilien als häufige Twitternutzer hervor. Beide gelten, wie auch Dolan, selbst als aussichtsreiche Kandidaten auf das Papstamt. Beim Konklave sind die Kardinäle grundsätzlich zu Geheimhaltung verpflichtet. Setzt sich ein Teilnehmer darüber hinweg, wird er exkommuniziert. Eine harte Strafe, die annehmen lässt, dass sich alle an das Twitterverbot halten werden.