Die Tunnels wurden offenbar bereits im August entdeckt, als Häftlinge meldeten, sie hätten regelmäßig nächtliche Geräusche gehört. Zu jener Zeit war die Verlegung einer Reihe gefährlicher Sträflinge in andere Haftanstalten geplant.

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Nach den Berichten sollen die Tunnels jeweils etwa 20 Meter lang sein. Sie befinden sich in Tiefen zwischen vier und 17 Metern. Zwei der alten Steinbrüche führen unter Wachtürmen des Santé-Gefängnisses hindurch, der dritte unter dem Haupteingang. Ihre Existenz war seit jeher bekannt, und sie waren deshalb mit Gittern versehen.

Die mehr als zehn Meter hohen Mauern und mehrere Sicherheitsschleusen haben nicht verhindert, dass es immer wieder zu spektakulären Ausbrüchen aus der Santé gekommen ist.

Mit Hubschrauber vom Dach abgeholt

Als "Roi de la Belle" (König der Ausbrüche) gilt Michel Vaujour, der im Mai 1986 von seiner Frau Nadine in einem Hubschrauber, den sie steuerte, vom Dach der Haftanstalt abgeholt wurde.

Er ist inzwischen nach Verbüßung weiterer Strafen legal in Freiheit. Der Gangster Jacques Mesrine und zwei Komplizen brachen mit Hilfe von Waffen aus, die sie durch Bestechung eines Wärters beschafft hatten.

Die Flüchtige nahmen Gefängniswächtern deren Uniformen ab und entkamen über die Außenmauer, nachdem sie Bauarbeiter gezwungen hatten, Leitern anzulegen.

Mesrine wurde später von Polizisten erschossen. Zuletzt entkam ein baskischer Terrorist, indem er seine Ähnlichkeit mit einem Bruder nutzte, der ihn besuchte.

Das Santé-Gefängnis trägt seinen Namen nicht wegen gesunder Haftbedingungen, sondern weil es an der Rue de la Santé liegt, an der sich einst vor den Mauern von Paris mehrere Spitäler befanden.

Im vergangenen Jahr hatte die ehemalige Chefärztin der Anstalt, Véronique Vasseur, mit einem Buch über katastrophale sanitäre Verhältnisse Aufsehen erregt. Das Gefängnis stammt aus dem Jahre 1867.

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(SZvom 2.9.2004)